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Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2003-12-18

Wortprotokoll

Die gemeinsame Ferienzeit gehört wohl zu den wichtigsten und wertvollsten Momenten im Familienleben. In den Ferien haben die Eltern uneingeschränkt Zeit für die Kinder. Das "Zämesy und zäme Erläbe" steht im Vordergrund. In den gemeinsamen Ferien wird eine intensive Eltern-Kind-Beziehung gelebt, und diese Beziehung ist für das Familienleben und das soziale Zusammengehörigkeitsgefühl der verschiedenen Generationen sehr wichtig. In allen Parteiprogrammen, von links bis rechts, wird die Familie immer wieder gelobt und ihre Wichtigkeit hervorgehoben. All diese familienpolitischen Bekenntnisse von links bis rechts sind eine optimale Ausgangslage, um meiner parlamentarischen Initiative für eine zusätzliche Ferienwoche für Eltern mit bis zwölfjährigen Kindern zum Durchbruch zu verhelfen. Denn wir wollen doch alle Nägel mit Köpfen machen und uns nicht hinter den Worten der Parteiprogramme verstecken.

Zu meiner parlamentarischen Initiative: Die gemeinsame Ferienzeit ist für das Familienleben bereichernd. Das werden viele von Ihnen aus eigener Erfahrung wissen. Ich habe in den letzten Tagen die Broschüre "Wer ist wer im Parlament?" durchgeschaut und habe gesehen, dass viele von Ihnen Kinder haben - ein, zwei Kinder, aber auch fünf bis sechs Kinder -, und Sie alle sind ja erwerbstätig. Also müssen sehr viele von Ihnen von der Problematik erwerbstätiger Eltern mit Kindern aus Ihrem Alltag Kenntnis haben. Das ist [PAGE 2109] optimal, denn wenn man ein Problem selber erlebt hat, ist man auch bereit, schneller eine Lösung dafür zu finden.

Die Ferienzeit der Schulkinder stellt nämlich erwerbstätige Eltern tatsächlich vor ein fast unüberwindbares Problem: Wer arbeitet, hat normalerweise 4 Wochen Ferien. Schulkinder haben aber 13 Wochen Ferien. Was ist jetzt zu tun? Eltern sehen sich damit konfrontiert, dass die Kinder während 9 Wochen nicht betreut sind, dass sie eine Lösung finden müssen, was sie mit ihren Kindern tun können. Nicht immer sind Grosseltern vorhanden, die die Kinder betreuen können. Tagesschulen und Krippen sind in den Schulferien meistens auch nicht offen.

Mit meiner parlamentarischen Initiative verlange ich eine Anpassung des Obligationenrechtes: Eltern mit Betreuungspflichten für ein Kind im Kindergarten bzw. ein Schulkind bis zum erfüllten zwölften Lebensjahr sollen Anrecht auf eine zusätzliche, fünfte Ferienwoche haben. Ich habe das Alter auf zwölf Jahre limitiert, weil ich davon ausgehe, dass sich ältere Kinder während der Ferien auch selber beschäftigen können. Es ist sicher so, dass eine zusätzliche Ferienwoche für Eltern mit schulpflichtigen Kindern das Ferienproblem in den Familien nicht löst. Aber sie ist gleichwohl ein Mosaiksteinchen in einer Gesellschaft, welche das Kind und sein Wohlergehen ins Zentrum stellt.

Ich möchte ein paar Punkte ausführen: Eine zusätzliche Ferienwoche ermöglicht den Eltern, ein paar Tage mehr mit ihren Kindern zu verbringen. Sie bringt den Familien mehr Flexibilität, um die verschiedenen Ferienzeiten besser aufeinander abzustimmen. Es ist für die Entwicklung eines Kindes auch wichtig, dass es in einem geordneten Umfeld aufwächst und darin geborgen ist. Eine zusätzliche Ferienwoche kann einen Beitrag dazu leisten und ist somit gut investiertes Geld.

Bundesrat Couchepin hat letzten Sommer gesagt, Schweizerinnen müssten wieder vermehrt Kinder kriegen, um die AHV-Renten zu sichern. Eine zusätzliche Ferienwoche wäre für Eltern ein Ansporn, wieder vermehrt Kinder zu haben. Es wäre ein kleiner Schritt in die Richtung, die uns Bundesrat Couchepin vorgegeben hat. Zwar ist nicht auszuschliessen - oder es ist sogar gegeben -, dass der Wirtschaft eine zusätzliche Ferienwoche Mehrkosten bringt. Umgekehrt profitiert aber die Wirtschaft auch davon: Eine Studie aus Deutschland hat gezeigt, dass Betriebe mit familienfreundlichen Massnahmen etwa 50 Prozent der Kosten einsparen, die sonst durch Fluktuation, Überbrückung und Wiedereingliederung entstehen. Eine zusätzliche Ferienwoche für Eltern mit Kindern bis zum erfüllten zwölften Lebensjahr wäre also ein Zeichen der Aufwertung und Anerkennung der Bedeutung von Familie und Kindern in unserer Gesellschaft.

Ich bitte Sie daher, meiner parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

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