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Lustenberger Ruedi · Nationalrat · Luzern · Christlichdemokratische Fraktion · 2004-03-18

Wortprotokoll

Ich habe meine Redezeit zu Beginn nicht voll ausgenützt. Es ist jetzt schade, dass Frau Wyss nicht im Saal ist. Trotzdem richte ich an die Adresse von Frau Wyss, von Herrn Rechsteiner-Basel, von Herrn Kollega Bäumle und von Frau Kollegin [PAGE 480] Teuscher noch Antworten. Sie haben Antworten von hier aus zugute.

Zuerst zu Frau Wyss: Frau Wyss hat gesagt, Holz, das im Wald liegen bleibt, sei eine Senke. Sie hat sich in der Wortwahl - vermutlich nicht absichtlich, sondern zufällig - vergriffen; sie müsste sagen: "das im Wald stehen bleibt". Das Holz, das liegen bleibt, verrottet und emittiert CO2. Nun hat Frau Wyss eine Bilanz gezogen, die so nicht stehen gelassen werden kann. Frau Wyss, ich erinnere Sie daran, dass im Schweizer Wald jährlich - da gehen die wissenschaftlichen Analysen auseinander - zwischen 10 und 12 Millionen Kubikmeter Holz nachwachsen; ohne menschliches Dazutun liefert der Schweizer Wald jährlich 10 bis 12 Millionen Kubikmeter an nachwachsendem Holz. Genutzt davon werden 4,5 Millionen Kubikmeter. Wenn Frau Wyss sagt, die Holzindustrie würde sich ins eigene Fleisch schneiden, dann wäre das dann der Fall, wenn die Holzindustrie es fertig bringen würde, die 10 bis 12 Millionen Kubikmeter tatsächlich zu nutzen. Das kann aber nie und nimmer der Fall sein, dafür sind die Kapazitäten zu klein, und der Verbrauchswille des Schweizers und der Schweizerin genügen dafür nicht.

Die Holzindustrie in der Schweiz wäre froh, wenn die Nutzungsmenge mittelfristig auf etwa 6 bis 6,5 Millionen Kubikmeter angehoben werden könnte. Dann würde immer noch eine jährliche Bilanz in der Senkenproblematik von etwa 3 bis 4 Millionen Kubikmetern bleiben, die dann tatsächlich als Senke dastehen würde. Ich möchte mit Frau Wyss auch nicht in einen wissenschaftlichen Rechtsstreit treten, ob nun verbautes Holz als Senke betrachtet werden kann oder nicht. Aber wissenschaftlich sind sich die Biologin Wyss und der Schreinermeister Lustenberger einig: Jeder Kubikmeter Holz ist, solange er verbaut ist, eine Senke. Ob er nun angerechnet wird bei Kyoto oder nicht, lassen wir dann die Juristen beurteilen.

Zu Herrn Rechsteiner-Basel: Herr Rechsteiner-Basel hat von hier aus behauptet, Lothar hätte eine in Jahrzehnten gewachsene Nachwuchsmenge des Schweizer Waldes zerstört. Tatsächlich ist es so, dass Lothar 15 Millionen Kubikmeter umgehauen hat, also das Anderthalbfache der jährlichen Nachwuchsmenge. Herr Rechsteiner-Basel hat auch gesagt, wir betreiben hier Buchhaltung. Das ist so! Aber, Herr Rechsteiner-Basel, Kyoto ist Buchhaltung im Quadrat! Da wird plus und minus gerechnet, und das, was unter dem Strich herausschaut, ist die Bilanz. Mit oder ohne die Senkenberechnung: Die Ermittlung der CO2-Bilanz ist eine Buchhaltungsarbeit. Sie haben auch gesagt, Herr Bundesrat Blocher habe das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz gekillt. Es kann sein, wenn es im Bundesrat ein 4-zu-3-Entscheid war; das weiss ich nicht. Aber ich weiss zumindest so viel, dass Herr Bundesrat Blocher nicht alleine im Bundesrat regiert!

Nun zu Frau Teuscher und Herrn Bäumle: Sie beide habe ich mit dem Hinweis auf die Forschung vermutlich auf dem zugegebenermassen stärkeren linken Fuss erwischt. Sie sind forschungsfreundlich und bildungsfreundlich, und Sie wissen genau, dass diese Senkenproblematik nicht erforscht ist. Das hat Herr Bäumle zugegeben, obwohl er gesagt hat, es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Holz-Ressourcenpolitik gar nichts mit der CO2-Problematik zu tun habe. Er hat dann nachher aber gleichwohl angefügt, dass hier in diesem Bereich noch sehr viel zu erforschen wäre. Sie haben also mindestens den Beweis nicht angetreten, dass die Forschung hier bereits Ergebnisse geliefert hat, die in der Tat dann auch zu genauen Resultaten führen würden. Die Kommissionsmehrheit hat genau das als einen Grund betrachtet, hier Forschung zu betreiben, die allenfalls weltweit Anerkennung finden würde und mit der sich schweizerische Institute profilieren könnten.

So, meine Damen und Herren, nach gewalteter Diskussion stelle ich fest, dass die Kommissionsmehrheit selbstverständlich an dieser Motion festhält, und ich bitte Sie, das der Kommissionsmehrheit gleichzutun.

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