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Giezendanner Ulrich · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2007-06-05
Wortprotokoll
Es geht nicht um den Bau einer Rundstrecke für Formel-1-Rennen, obwohl der Titel - Herr Vollmer hat natürlich Recht - genau so lautet; es geht um die Aufhebung eines Gesetzesartikels. Die bürgerlichen Parteien, deren Vertreter ich sehe, wenn ich hier in den Raum schaue, sagen vor jeder Wahl: weniger Gesetze, mehr Freiheit; wir müssen entrümpeln. Auf der Tribüne sitzt der Präsident des Schweizerischen Autorennsport-Clubs, Herr Bertschi. Er kann Ihnen nachher bestätigen, dass vom 21. bis 24. Juni 2007 in Le Castellet das Porsche-Rennen stattfindet. Wirtschaftlich heisst das nichts anderes, als dass für die Benützung der Strecke 240 000 Franken bezahlt werden - in Le Castellet, nicht in der Schweiz. Jährlich finden etwa 20 solcher Rennen statt. Unser Bundesrat unterlässt es in seinem Bericht, den Wirtschaftlichkeitsfaktor zu berücksichtigen.
Zu Herrn Vollmer: Ich weiss, Sie sind ein seriöser Mann und schauen sich die Vorlage an. Etwas haben Sie aber vergessen: Die Rundstrecke ist, genau gleich wie Ihre Eishalle in Kestenholz oder Gunzgen, mit dem öffentlichen Verkehr zugänglich. Das habe ich nämlich geschrieben. Ich bin nicht weniger ökologisch als die Linke, das müssen Sie wissen. (Unruhe)
Zum Umweltschutz - jetzt kommt es -: Hier haben die Grünen und die Roten ein Ei gelegt. Wissen Sie wieso? Jährlich fahren 250 000 Leute mit ihren Autos ins Ausland, um auf einer Rundstrecke ein Rennen zu fahren. 250 000 Autos fahren nach Monza, nach Le Castellet, sie fahren auf den Nürburgring. Jetzt kommen Sie, und machen Sie einmal die Ökobilanz. Machen Sie sie jetzt auch! Dann müssen Sie nämlich zustimmen, wenn wir in diesem Land etwas Eigenes bauen wollen. Das ist Fakt. Das wollen Sie aber immer wissentlich vergessen. Etwas steht Ihnen im Wege, um Ja zu sagen: dass es nämlich von der SVP kommt.
Ich habe keine Sorge, Ihnen zuzustimmen. Ich bin froh, wenn Herr Kollege Pedrina einen Vorschlag bringt und sagt: Wir müssen die Bahnstrecken anders einstellen. Ich werde der SP zustimmen. Sehen Sie: Das ist der Unterschied zwischen der "SP fundamental" und der SVP.
Und der Lärm: Haben Sie den Lärm von Herrn Vollmer gehört? Nein, ich meine nicht seinen Lärm; er hat den Lärm auf der Rennstrecke gemeint und wie die Leute darunter leiden müssten. Herr Vollmer, die Rennstrecke ist etwas in sich Geschlossenes, und wenn Sie in Monza, in Le Castellet oder Le Muy sind - nicht in Monaco -, stellen Sie fest, dass die ganze Bevölkerung nichts, aber auch gar nichts vom Lärm hört! Sie sprechen dann noch die Ökologie mit den Abgasen usw. an. Aber wenn die Leute am Wochenende nach Klosters oder nach Davos fahren - ich fahre auch hin, das gebe ich gerne zu -, dann sind das mehr Autos als jene, die zu einem Formel-1-Rennen fahren. Deshalb stimmt bei Ihnen das Verhältnis nicht. Ich attestiere Ihnen, dass Sie normalerweise sauber recherchieren, aber hier waren Sie einfach "rot geblendet".
Der Rundkurs dient auch der Sicherheit; deshalb sagen der ACS und der TCS Ja dazu und beteiligen sich auch daran. Sie beteiligen sich daran und wollen das fördern, denn auf diesem Rundkurs können Raser endlich ausgebildet werden, lernen ihre Grenzen kennen und können ihre Aggressionen abreagieren. Das zeigen die deutschen Rundkurse. Wir haben die Möglichkeit, das alles nachzuprüfen; das sind keine Erfindungen von Giezendanner, das können Sie in den Berichten von ACS und TCS nachlesen.
Ich muss nicht das ganze Argumentarium nochmals auftischen, aber zum Schluss möchte ich einmal einen Dank aussprechen. Ich bin jetzt fünfzehn Jahre in diesem Parlament, und diese Initiative hat tatsächlich sehr viele Emotionen geweckt. Aber ich danke der FDP, der CVP und meiner eigenen Partei - der SVP - und auch Teilen der EDU und der SD. Die Leute haben sich enorm informiert und haben mir mit Informationen geholfen. Sie sprechen nicht nur vor den Wahlen von neuen Gesetzen, die man nicht machen dürfte; sie helfen mit, diesen Gesetzesbunker zu entrümpeln. Ich danke ihnen, dass sie mich unterstützen.