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AB 91287

Kiener Nellen Margret · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2008-12-04

Wortprotokoll

Ich begründe die beiden Minderheitsanträge. Zuerst geht es um eine Million Franken mehr Bundesmittel gegen das Doping in der Schweiz, für die Dopingbekämpfung. Die Dopingfälle im Schweizer Bobsport und die Diskussionen um die Nachanalyse von Dopingproben aus Peking im Labor in Epalinges haben gezeigt, dass wir in der Schweiz nicht auf einer Insel leben, sondern dass wir mitten in der Dopingproblematik stehen. Doping im Sport ist vermehrt ein globales Problem mit immer komplexeren Dopingsystemen.

In den letzten Jahren sind die Anforderungen an die nationale Dopingbekämpfung auf internationaler Ebene gestiegen. 2004 trat das Welt-Anti-Doping-Programm in Kraft. Auf den 1. Januar 2009 gibt es weitere Verschärfungen. Mit der Gründung der unabhängigen Stiftung Antidoping Schweiz per 1. Juli 2008 sind die strukturellen Grundlagen geschaffen worden, diese Anforderungen zu erfüllen. Neue Strukturen und neue Herausforderungen müssen aber finanziert werden. Swiss Olympic hat auf 2008 ihr finanzielles Engagement von rund 0,7 auf 1,9 Millionen Franken fast verdreifacht. Der Bundesrat hingegen hat sein finanzielles Engagement von rund 1,7 Millionen Franken auf dem Stand von 2005 eingefroren und will es so belassen. Die Schweiz erfüllt die europäischen Vorschriften minimal, aber ist mitnichten vorbildlich.

Was fehlt in der Schweiz? Es können fast keine Blutkontrollen durchgeführt werden. Die Schweiz verbleibt bei den altmodischen Urinproben. Die Anzahl der Kontrollen entspricht mit 1500 nur der Hälfte der Anzahl, die eine Expertengruppe des Europarates für die Schweiz vorgeschlagen hat. Zudem können vor allem im Jugend- und Nachwuchsbereich zu wenig Aktivitäten in der Information und Prävention durchgeführt werden. Es geht hier vor allem auch um den Breitensport. Es ist sehr traurig, wenn im Aufbau, im Training das Doping nicht erfasst wird. Daher sind die zusätzlichen Proben, die gemacht werden könnten - zu Hause, bei den Breitensportlerinnen und Breitensportlern oder auf den Trainingsplätzen -, wichtig, aber teuer.

Le laboratoire très coté qui effectue des contrôles antidopage, situé à Epalinges, mériterait aussi d'être soutenu davantage.

Ich bitte Sie daher, zugunsten einer glaubwürdigen, vorbildlichen und zukunftsgerichteten Dopingbekämpfung in der Schweiz diesem Minderheitsantrag zuzustimmen.

Ich komme zur Begründung des Antrages, bei der Position "Entschädigungen für J+S-Aktivitäten" 5 Millionen Franken mehr, nämlich 66 statt 61 Millionen Franken, zu sprechen. Ich hoffe, dass wir das Seilziehen, das wir beim Thema "Jugend und Sport" für 5- bis 10-jährige Kinder seit mehreren Jahren haben, heute beenden können. Sie erinnern sich: Letztes Jahr haben wir hier 2 Millionen Franken zusätzlich eingesetzt - der Ständerat ist uns gefolgt -, um die Leiterinnen und Leiter für dieses Projekt für 5- bis 10-jährige Kinder auszubilden. Die Nachfrage nach den Ausbildungsmodulen war riesig. Gemäss Aussage von Herrn Bundesrat Schmid konnten 2008 bisher in über 200 Einführungskursen 870 [PAGE 1665] Expertinnen und Experten sowie rund 4000 "Jugend und Sport"-Leiterinnen und -Leiter ausgebildet werden. Das Anliegen wird durch den Antrag der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates unterstützt; er entspricht dem Antrag der Mehrheit der Finanzkommission des Ständerates, dem dieser nach sehr langer Diskussion zustimmte.

De lege ferenda, also mit dem neuen Sportförderungsgesetz, das in diesem Sommer in Vernehmlassung war, ist sowieso alles klar. Dort ist das Grundangebot für "Jugend und Sport" vorgesehen; dieses neue Projekt für Kinder gehört auch dazu. In Artikel 11 der Vernehmlassungsunterlagen ist dort auch ganz klar eine volle Bundesfinanzierung für das Grundangebot von "Jugend und Sport" vorgesehen. Daher kann auch irgendein Hinweis auf die neue Finanz- und Aufgabenteilung nicht helfen; das ist keine Grundlage, um hier gegen diesen Erhöhungsantrag zu stimmen. Auch bisher - das ist belegt - hat der Bund darauf verzichtet, bei "Jugend und Sport" für 10- bis 20-Jährige von den Kantonen eine substanzielle Kostenbeteiligung einzufordern. Wieso sollten jetzt ausgerechnet die 5- bis 10-Jährigen bzw. ihre Eltern oder die Gesellschaft als Ganzes dafür bluten, dass dieses Projekt ab dem 1. Januar 2009 nicht nahtlos umgesetzt werden kann, nachdem so viele Leiterinnen und Leiter ausgebildet worden sind?

Bitte helfen Sie mit, in der richtigen Richtung am Seil zu ziehen, und stimmen Sie unserer Minderheit zu.