preparatory:AB 97140
Fehr Hans-Jürg · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-05-27
Wortprotokoll
Die SP-Fraktion unterstützt die Minderheit Schelbert, weil wir auch der Auffassung sind, dass es eben im Rahmen des Buchpreisbindungsregimes einen gewissen, wenn auch nicht grossen Gestaltungsspielraum für den einzelnen Buchhändler oder die einzelne Buchhändlerin geben soll.
Nicht alle arbeiten in den gleichen Verhältnissen, unter den gleichen Umständen, in den gleichen Städten mit den gleichen Kundinnen und Kunden. Es gibt hier eine gewisse Individualität zu berücksichtigen. Einzelne möchten eben auch ihr Geschäft profilieren können, ein Stück weit auch über die Preisbildung. Wir sind also der Meinung, dass dieser bescheidene individuelle Spielraum bei der Preisgestaltung gut ist und Unterstützung verdient, aber nicht nur - und das ist wichtig, das hat man auch in der Kommission als Innovation eingeführt - im Sinne eines Rabatts, also im Sinne einer kleinen Preissenkung um maximal 5 Prozent. Das ist in Ordnung, so kann man gute Kundinnen und Kunden belohnen. Aber es soll auch im Sinne einer Preiserhöhung möglich sein. Das bedarf vielleicht noch einer gewissen Erklärung.
Warum soll ein Buchhändler oder eine Buchhändlerin freiwillig den Preis über den vorgeschriebenen hinaus erhöhen? Ich kann das an einem Beispiel aus der Stadt illustrieren, in der ich lebe, aus Schaffhausen. Hier gibt es einen kleinen Buchhändler, der sich gegen die beiden grossen Ketten Orell Füssli und Thalia wehren muss. Die beiden grossen Ketten kommen immer mit Topstars aus der Literaturszene, veranstalten Lesungen und holen so das grosse Publikum in ihre Läden, investieren also viel Geld in die Promotion. Der kleine Buchhändler kann das nicht machen, und er hat um sich herum einen Verein organisiert, der jedes Jahr die sogenannte Buchwoche präsentiert. Das ist die Methode, mit der er, unterstützt von einem kleinen Kreis von Helferinnen und Helfern, auch auf dieser Ebene versucht, den Grossen Konkurrenz zu machen. Mit so einem 5-prozentigen Preisaufschlag könnte jetzt dieser Buchhändler eine kleine Kasse füllen, um damit seine Buchwoche finanzieren zu können. Das ist die Idee, dargelegt an einem Beispiel. Es gäbe andere Beispiele, aber so ist es gedacht. Es soll eben im Wettbewerb der Buchhandlungen untereinander dem Einzelnen eine Möglichkeit geben, sich am Markt über die Preisgestaltung zu profilieren.
Ich bitte Sie also, diesem sehr guten Minderheitsantrag Schelbert zuzustimmen.