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AS 2014 1269

Verordnung über die Banken und Sparkassen

Verordnung über die Banken und Sparkassen (Bankenverordnung, BankV)

vom 30. April 2014

Der Schweizerische Bundesrat, gestützt auf das Bankengesetz vom 8. November 19341 (BankG), verordnet:

1. Kapitel: Allgemeine Bestimmungen

Art. 1 Gegenstand (Art. 56 BankG)

Diese Verordnung regelt namentlich: a. die Voraussetzungen für die Bewilligung zum Geschäftsbetrieb einer Bank; b. die Anforderungen an die Organisation einer Bank; c. die Vorgaben an die Rechnungslegung; d. die Einlagensicherung; e. die Übertragung und die Liquidation nachrichtenloser Vermögenswerte; f. die Notfallplanung systemrelevanter Banken und die Verbesserung von de- ren Sanier- und Liquidierbarkeit.

Art. 2 Banken (Art. 1 Abs. 1 BankG)

Als Banken gelten Unternehmen, die hauptsächlich im Finanzbereich tätig sind und insbesondere: a. gewerbsmässig Publikumseinlagen entgegennehmen oder sich öffentlich dafür empfehlen; oder b. sich in erheblichem Umfang bei mehreren nicht massgebend an ihnen betei- ligten Banken refinanzieren, um damit auf eigene Rechnung eine unbe- stimmte Zahl von Personen oder Unternehmen, mit denen sie keine wirt- schaftliche Einheit bilden, auf irgendeine Art zu finanzieren.

SR 952.02 1 SR 952.0

2013-1795 1269

Bankenverordnung AS 2014

Art. 3 Nichtbanken (Art. 1 Abs. 2 BankG)

Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts sowie Kassen, für die eine solche Körperschaft oder Anstalt vollumfänglich haftet, gelten nicht als Banken, auch wenn sie gewerbsmässig Publikumseinlagen entgegennehmen.

Art. 4 Finanzbereich (Art. 3c Abs. 1 Bst. b BankG)

1 Im Finanzbereich tätig ist, wer:

a. Finanzdienstleistungen erbringt oder vermittelt, insbesondere für sich selbst oder für Dritte das Einlagen- oder Kreditgeschäft, den Effektenhandel, das Kapitalanlagegeschäft oder die Vermögensverwaltung betreibt; oder b. qualifizierte Beteiligungen überwiegend an im Finanzbereich tätigen Unter- nehmen hält (Holdinggesellschaft).

2 Die Tätigkeit der Versicherungsunternehmen (Versicherungsbereich) wird der

Tätigkeit im Finanzbereich gleichgestellt, sofern diese Verordnung oder die Eigen- mittelverordnung vom 1. Juni 20122 (ERV) für diese Unternehmen keine abwei- chenden Regelungen vorsieht.

Art. 5 Publikumseinlagen (Art. 1 Abs. 2 BankG)

1 Als Publikumseinlagen gelten die Verbindlichkeiten gegenüber Kundinnen und

Kunden mit Ausnahme derjenigen nach den Absätzen 2 und 3.

2 Nicht als Publikumseinlagen gelten Einlagen:

a. von in- und ausländischen Banken oder anderen staatlich beaufsichtigten Unternehmen; b. von Aktionärinnen und Aktionären oder Gesellschafterinnen und Gesell- schaftern mit einer qualifizierten Beteiligung am betreffenden Schuldner; c. von Personen, die mit denjenigen nach Buchstabe b wirtschaftlich oder fami- liär verbunden sind; d. von institutionellen Anlegern mit professioneller Tresorerie; e. von aktiven und pensionierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei ihrem Arbeitgeber; oder f. bei Vereinen, Stiftungen oder Genossenschaften, sofern:

1. diese nicht im Finanzbereich tätig sind,

2. diese einen ideellen Zweck oder die gemeinsame Selbsthilfe verfolgen

und die Einlagen ausschliesslich dafür verwenden, und

3. die Laufzeit der Einlagen mindestens sechs Monate beträgt.

2 SR 952.03

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Bankenverordnung AS 2014

3 Nicht als Einlagen gelten:

a. Gelder, die eine Gegenleistung aus einem Vertrag auf Übertragung des Eigentums oder aus einem Dienstleistungsvertrag darstellen oder als Sicher- heitsleistung übertragen werden; b. Anleihensobligationen und andere vereinheitlichte und massenweise ausge- gebene Schuldverschreibungen oder nicht verurkundete Rechte mit gleicher Funktion (Wertrechte), wenn die Gläubigerinnen und Gläubiger in einem dem Artikel 1156 des Obligationenrechts3 (OR) entsprechenden Umfang in- formiert werden; c. Habensaldi auf Kundenkonti von Effekten- oder Edelmetallhändlern, Ver- mögensverwaltern oder ähnlichen Unternehmen, die einzig der Abwicklung von Kundengeschäften dienen, wenn dafür kein Zins bezahlt wird; d. Gelder, deren Entgegennahme in einem untrennbaren Zusammenhang mit einem Lebensversicherungsvertrag, der beruflichen Vorsorge oder anderen anerkannten Vorsorgeformen nach Artikel 82 des Bundesgesetzes vom 25. Juni 19824 über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden- vorsorge steht; e. Gelder, die in geringem Umfang einem Zahlungsmittel oder Zahlungssystem zugeführt werden und einzig dem künftigen Bezug von Waren oder Dienst- leistungen dienen und für die kein Zins bezahlt wird; f. Gelder, deren Rückzahlung und Verzinsung durch eine Bank garantiert wer- den (Ausfallgarantie).

Art. 6 Gewerbsmässigkeit (Art. 1 Abs. 2, 6a Abs. 3 BankG)

Gewerbsmässig im Sinne des BankG handelt, wer dauernd mehr als 20 Publi- kumseinlagen entgegennimmt oder sich öffentlich zur Entgegennahme von Publi- kumseinlagen empfiehlt, selbst wenn daraus weniger als 20 Einlagen resultieren.

Art. 7 Werbung (Art. 1 Abs. 2, 6a Abs. 3 BankG)

Wem es untersagt ist, gewerbsmässig Publikumseinlagen entgegenzunehmen, der darf auf keine Art und Weise dafür Werbung treiben.

3 SR 220 4 SR 831.40

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Bankenverordnung AS 2014

2. Kapitel: Bewilligungen

1. Abschnitt:

Angaben zu Personen und Beteiligten im Bewilligungsgesuch

Art. 8 (Art. 3 Abs. 2 Bst. c und cbis, Abs. 5 und 6 BankG)

1 Das Gesuch um Bewilligung für eine neue Bank muss zu den mit der Verwaltung

und Geschäftsführung betrauten Personen nach Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe c BankG sowie zu den Inhaberinnen und Inhabern einer qualifizierten Beteiligung nach Artikel 3 Absatz 2 Buchstabe cbis BankG insbesondere folgende Angaben und Unterlagen enthalten: a. zu natürlichen Personen:

1. Angaben über Nationalität, Wohnsitz, qualifizierte Beteiligungen an

anderen Gesellschaften und hängige Gerichts- und Verwaltungsverfah- ren,

2. einen von der betreffenden Person unterzeichneten Lebenslauf,

3. Referenzen,

4. einen Strafregisterauszug;

b. zu Gesellschaften:

1. die Statuten,

2. einen Auszug aus dem Handelsregister oder eine entsprechende Bestä-

tigung,

3. einen Beschrieb der Geschäftstätigkeiten, der finanziellen Situation

und, gegebenenfalls, der Gruppenstruktur,

4. Angaben über abgeschlossene und hängige Gerichts- und Verwaltungs-

verfahren. 2 Personen, die eine qualifizierte Beteiligung besitzen, müssen der Eidgenössischen Finanzmarktaufsichtsbehörde (FINMA) eine Erklärung abgeben, ob sie die Beteili- gung für eigene Rechnung oder treuhänderisch für Dritte halten und ob sie für diese Beteiligung Optionen oder ähnliche Rechte eingeräumt haben.

2. Abschnitt: Organisation

Art. 9 Geschäftsbereich (Art. 3 Abs. 2 Bst. a BankG) 1 Die Bank muss ihren Geschäftsbereich in den Statuten, den Gesellschaftsverträgen oder Reglementen sachlich und geografisch genau umschreiben.

2 Der Geschäftsbereich und dessen geografische Ausdehnung müssen den finanziel-

len Möglichkeiten sowie der Verwaltungsorganisation entsprechen.

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Bankenverordnung AS 2014

Art. 10 Leitung des Geschäfts (Art. 3 Abs. 2 Bst. d BankG)

Die Bank muss tatsächlich von der Schweiz aus geleitet werden. Vorbehalten blei- ben allgemeine Weisungen und Entscheide im Rahmen der Konzernüberwachung, sofern die Bank Teil einer im Finanzbereich tätigen Gruppe bildet, die einer ange- messenen konsolidierten Aufsicht durch ausländische Aufsichtsbehörden untersteht.

Art. 11 Organe (Art. 3 Abs. 2 Bst. a BankG)

1 Erfordert der Geschäftszweck oder der Geschäftsumfang ein besonderes Organ für

die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle, so muss dieses mindestens drei Mitglieder umfassen.

2 Kein Mitglied des für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle verantwortlichen

Organs einer Bank darf dem Organ angehören, das mit der Geschäftsführung betraut ist.

3 Die FINMA kann in besonderen Fällen einer Bank eine Ausnahme bewilligen und

diese an Bedingungen knüpfen.

Art. 12 Funktionentrennung und Risikomanagement (Art. 3 Abs. 2 Bst. a BankG)

1 Die Bank sorgt für eine wirksame betriebsinterne Trennung von Kreditgeschäft,

Handel, Vermögensverwaltung und Abwicklung. Die FINMA kann in begründeten Einzelfällen Ausnahmen gestatten oder die Trennung weiterer Funktionen anordnen.

2 Die Bank regelt die Grundzüge des Risikomanagements sowie die Zuständigkeit

und das Verfahren für die Bewilligung von mit Risiko verbundenen Geschäften in einem Reglement oder in internen Richtlinien. Sie muss insbesondere Markt-, Kre- dit-, Ausfall-, Abwicklungs-, Liquiditäts- und Imagerisiken sowie operationelle und rechtliche Risiken erfassen, begrenzen und überwachen.

3 Die interne Dokumentation der Bank über die Beschlussfassung und Überwachung

der mit Risiko verbundenen Geschäfte ist so auszugestalten, dass sie der Prüfgesell- schaft erlaubt, sich ein zuverlässiges Urteil über die Geschäftstätigkeit zu bilden. 4 Die Bank sorgt für ein wirksames internes Kontrollsystem. Sie bestellt insbeson- dere eine von der Geschäftsführung unabhängige interne Revision. Die FINMA kann in begründeten Einzelfällen eine Bank von der Pflicht, eine interne Revision zu bestellen, befreien.

Art. 13 Pflicht zur Meldung qualifiziert Beteiligter (Art. 3 Abs. 5 und 6 BankG)

1 Die Bank hat der FINMA innert 60 Tagen nach Abschluss des Geschäftsjahres

eine Aufstellung der an ihr qualifiziert Beteiligten einzureichen. 2 Die Aufstellung enthält Angaben über die Identität und die Beteiligungsquote aller am Abschlusstag qualifiziert Beteiligten sowie allfällige Veränderungen gegenüber dem Vorjahr.

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Bankenverordnung AS 2014

3 Über vorher nicht gemeldete Beteiligte sind zusätzlich die Angaben und Unter-

lagen nach Artikel 8 beizufügen.

Art. 14 Privatbankiers (Art. 3 Abs. 3 BankG)

Die Privatbankiers haben die erforderlichen organisatorischen Bestimmungen in den Gesellschaftsvertrag oder in ein Reglement aufzunehmen.

3. Abschnitt: Kapitalanforderungen

Art. 15 Mindestkapital bei Neugründung einer Bank (Art. 3 Abs. 2 Bst. b BankG)

1 Das Mindestkapital beträgt 10 Millionen Franken. Es muss voll einbezahlt sein.

2 BeiSacheinlagegründungen ist der Wert der eingebrachten Aktiven und der

Umfang der Passiven durch eine zugelassene Prüfgesellschaft zu überprüfen.

Art. 16 Mindestkapital bei Umwandlung (Art. 3 Abs. 2 Bst. b BankG)

1 Wird ein Unternehmen in eine Bank umgewandelt, so darf das voll einbezahlte

Kapital weniger als 10 Millionen Franken betragen, wenn das harte Kernkapital nach Artikel 21 ERV5 in Berücksichtigung der Korrekturen nach den Artikeln 31–40 ERV diesen Betrag erreicht. Die FINMA entscheidet darüber im Einzelfall.

2 Auf Sacheinlagen ist Artikel 15 Absatz 2 sinngemäss anwendbar.

Art. 17 Ausnahmen von den Mindestkapitalvorschriften In besonderen Fällen kann die FINMA Ausnahmen von den Mindestkapitalvor- schriften nach den Artikeln 15 und 16 gewähren, namentlich wenn: a. eine Bank einer zentralen Organisation angeschlossen ist, die deren Ver- pflichtungen garantiert; b. die zentrale Organisation nach Buchstabe a und die ihr angeschlossenen Banken die Vorschriften über die Eigenmittel und die Risikoverteilung auf konsolidierter Basis erfüllen; und c. die Leitung der zentralen Organisation nach Buchstabe a den angeschlosse- nen Banken verbindliche Weisungen erteilen kann.

5 SR 952.03

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Bankenverordnung AS 2014

4. Abschnitt: Grenzüberschreitende Sachverhalte

Art. 18 Zusatzbewilligung (Art. 3ter BankG)

Gesuche um eine Zusatzbewilligung als ausländisch beherrschte Bank nach Arti- kel 3ter BankG müssen die Angaben nach Artikel 8 enthalten.

Art. 19 Gegenrecht im Fall ausländisch beherrschter Institute (Art. 3bis Abs. 1 Bst. a BankG)

1 Das Gegenrecht ist insbesondere gewährleistet, wenn:

a. Personen mit Sitz oder Wohnsitz in der Schweiz im ausländischen Staat Banken eröffnen können, seien dies selbstständige Gesellschaften, Zweig- niederlassungen oder Agenturen; und b. die eröffneten Banken im ausländischen Staat in der Ausübung ihrer Geschäftstätigkeit nicht wesentlich einschränkenderen Bestimmungen unter- liegen als ausländische Banken in der Schweiz. 2 Bei der Bestellung einer ständigen Vertretung einer ausländischen Bank im Sinne von Artikel 3bis Absatz 1 BankG ist das Gegenrecht auch gewährleistet, wenn schweizerische Banken im ausländischen Staat ständige Vertretungen mit gleichen Funktionen eröffnen können.

Art. 20 Meldung über die Aufnahme der Tätigkeit im Ausland (Art. 3 Abs. 7 BankG)

1 Die Meldung, die eine Bank der FINMA machen muss, bevor sie im Ausland tätig

wird, muss alle zur Beurteilung der Tätigkeit nötigen Angaben und Unterlagen enthalten, namentlich: a. einen Geschäftsplan, der insbesondere die Art der geplanten Geschäfte und die Organisationsstruktur beschreibt; b. die Adresse der Geschäftsstelle im Ausland; c. die Namen der mit der Verwaltung und der Geschäftsführung betrauten Per- sonen; d. die Prüfgesellschaft; e. die Aufsichtsbehörde im Gastland.

2 Die Bank muss auch die Aufgabe oder jede wesentliche Änderung der Geschäfts-

tätigkeit im Ausland sowie einen Wechsel der Prüfgesellschaft oder der Aufsichts- behörde melden.

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Bankenverordnung AS 2014

3. Kapitel: Finanzgruppen und Finanzkonglomerate

Art. 21 Wirtschaftliche Einheit und Beistandszwang (Art. 3c Abs. 1 Bst. c BankG)

1 Unternehmen bilden eine wirtschaftliche Einheit, wenn eines der Unternehmen an

den anderen Unternehmen direkt oder indirekt mit mehr als der Hälfte der Stimmen oder des Kapitals beteiligt ist oder diese auf andere Weise beherrscht.

2 Ein Beistandszwang kann sich insbesondere ergeben aufgrund:

a. personeller oder finanzieller Verflechtungen; b. der Verwendung einer gemeinsamen Firma; c. eines einheitlichen Marktauftritts; oder d. von Patronatserklärungen.

Art. 22 Gruppengesellschaften (Art. 3c Abs. 1 Bst. c BankG)

Gruppengesellschaften sind durch eine wirtschaftliche Einheit oder einen Beistands- zwang verbundene Unternehmen.

Art. 23 Umfang der Gruppen- und der Konglomeratsaufsicht (Art. 3e BankG)

1 Die Gruppenaufsicht durch die FINMA umfasst sämtliche im Finanzbereich

gemäss Artikel 4 Absatz 1 tätigen Gruppengesellschaften einer Finanzgruppe. Die Konglomeratsaufsicht umfasst zusätzlich Gruppengesellschaften, deren Tätigkeit als Versicherungsunternehmen nach Artikel 4 Absatz 2 der Tätigkeit im Finanzbereich gleichgestellt ist.

2 Die FINMA kann in begründeten Fällen Gruppengesellschaften des Finanzbereichs

von der konsolidierten Aufsicht ausnehmen oder deren Inhalt für sie nur teilweise anwendbar erklären, namentlich wenn eine Gruppengesellschaft für die konsolidierte Aufsicht unwesentlich ist.

3 Sie kann ein Unternehmen im Finanzbereich, das von einer durch die FINMA

beaufsichtigten Finanzgruppe oder einem Finanzkonglomerat gemeinsam mit Drit- ten beherrscht wird, ganz oder teilweise in die konsolidierte Aufsicht einschliessen.

Art. 24 Inhalt der konsolidierten Aufsicht (Art. 3g BankG) 1 Bei der konsolidierten Aufsicht prüft die FINMA namentlich, ob die Finanzgruppe:

a. angemessen organisiert ist; b. über ein angemessenes internes Kontrollsystem verfügt; c. die mit ihrer Geschäftstätigkeit verbundenen Risiken angemessen erfasst, begrenzt und überwacht;

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Bankenverordnung AS 2014

d. von Personen geleitet wird, die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstä- tigkeit bieten; e. die personelle Trennung zwischen dem mit der Geschäftsführung betrauten Organ und dem Organ für Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle nach Arti- kel 11 einhält; f. die Eigenmittel- und Risikoverteilungsvorschriften einhält; g. über eine angemessene Liquidität verfügt; h. die Rechnungslegungsvorschriften korrekt anwendet; i. über eine anerkannte, unabhängige und sachkundige Prüfgesellschaft ver- fügt.

2 Die FINMA kann für die konsolidierte Aufsicht über Finanzkonglomerate von

Absatz 1 abweichen, um den Besonderheiten der Tätigkeit im Versicherungsbereich Rechnung zu tragen.

4. Kapitel: Rechnungslegung

1. Abschnitt: Einzelabschluss

Art. 25 Jahresrechnung (Art. 6 Abs. 1 Bst. a, 6b Abs. 1 und 3 BankG) 1 Die Bank erstellt eine Jahresrechnung. Darin stellt sie ihre wirtschaftliche Lage so dar, dass: a. sich Dritte ein zuverlässiges Urteil bilden können (statutarischer Einzel- abschluss mit zuverlässiger Darstellung); oder b. ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild nach dem True-and- Fair-View-Prinzip vermittelt wird (statutarischer Einzelabschluss True and Fair View).

2 Im statutarischen Einzelabschluss True and Fair View sind die Bestimmungen des

OR6 zu folgenden Gegenständen nicht anwendbar: a. zur Vornahme von zusätzlichen Abschreibungen und Wertberichtigungen sowie zum Verzicht auf Auflösung nicht mehr begründeter Abschreibungen und Wertberichtigungen (Art. 960a Abs. 4 OR); b. zur Bildung von Rückstellungen für Sanierungen von Sachanlagen und für die Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens (Art. 960e Abs. 3 Ziff. 2 und 4 OR); c. zur Auflösung nicht mehr begründeter Rückstellungen (Art. 960e Abs. 4 OR).

6 SR 220

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Bankenverordnung AS 2014

3 Die Jahresrechnung besteht aus Bilanz, Erfolgsrechnung, Eigenkapitalnachweis,

Geldflussrechnung und Anhang. Banken, die einen statutarischen Einzelabschluss mit zuverlässiger Darstellung erstellen, sind von der Erstellung einer Geldflussrech- nung befreit.

4 Artikel 962 Absatz 1 Ziffer 2 OR findet keine Anwendung für Genossenschaften,

sofern: a. die Genossenschaft einer zentralen Organisation angeschlossen ist, die deren Verpflichtungen garantiert; b. die zentrale Organisation nach Buchstabe a eine Konzernrechnung nach den Artikeln 33–41 oder nach einem durch die FINMA anerkannten internatio- nalen Standard, welche alle angeschlossenen Genossenschaften integriert, erstellt und veröffentlicht; und c. keine Beteiligungstitel kotiert sind.

5 Die Personen nach Artikel 962 Absatz 2 OR können eine Jahresrechnung nach

dem True-and-Fair-View-Prinzip verlangen, wenn die Bank weder eine Konzern- rechnung nach den Artikeln 33–41 noch eine Konzernrechnung nach einem durch die FINMA anerkannten internationalen Standard erstellt. 

Art. 26 Grundlagen und Grundsätze (Art. 6 Abs. 3, 6b Abs. 1 BankG)

1 Die Grundlagen für die Erstellung der Jahresrechnung sind die Annahme der

Fortführung (Art. 958a OR7) sowie die zeitliche und sachliche Abgrenzung (Art. 958b Abs. 1 OR).

2 Die Jahresrechnung folgt insbesondere den Grundsätzen der:

a. ordnungsmässigen Erfassung der Geschäftsvorfälle; b. Klarheit und Verständlichkeit; c. Vollständigkeit; d. Verlässlichkeit; e. Wesentlichkeit der Angaben; f. Vorsicht; g. Stetigkeit in Darstellung und Bewertung; h. Unzulässigkeit der Verrechnung von Aktiven und Passiven sowie von Auf- wand und Ertrag; i. wirtschaftlichen Betrachtungsweise.

7 SR 220

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Bankenverordnung AS 2014

Art. 27 Bewertung und Erfassung (Art. 6 Abs. 3, 6b Abs. 1 und 3 BankG)

1 Aktiven werden in der Regel zum Anschaffungswert abzüglich Abschreibungen

oder Wertberichtigungen bilanziert und Verbindlichkeiten zum Nennwert. Die FINMA bestimmt, welche Bilanzpositionen davon abweichend bilanziert werden. Schwankungsreserven nach Artikel 960b Absatz 2 OR8 sind nicht zulässig. 2 Aktiven, Verbindlichkeiten und Ausserbilanzgeschäfte werden in der Regel einzeln bewertet, sofern sie wesentlich sind und aufgrund ihrer Gleichartigkeit für die Bewertung nicht üblicherweise als Gruppe zusammengefasst werden. Beteiligungen, Sachanlagen und immaterielle Werte werden in jedem Fall einzeln bewertet.

Art. 28 Mindestgliederung (Art. 6 Abs. 3, 6b Abs. 3 BankG)

Die Gliederung der Jahresrechnung richtet sich nach Anhang 1.

Art. 29 Lagebericht (Art. 6 Abs. 1 Bst. b, 6b Abs. 1 BankG)

Der Lagebericht der Bank richtet sich nach Artikel 961c OR9.

Art. 30 Inhalt des Geschäftsberichts (Art. 6b Abs. 1 BankG)

Der Geschäftsbericht nach Artikel 6 Absatz 1 BankG enthält den zusammenfassen- den Bericht der Revisionsstelle.

Art. 31 Zwischenabschluss (Art. 6 Abs. 2, 6b Abs. 1 und 3 BankG) 1 Die Bank erstellt halbjährlich einen Zwischenabschluss. Er besteht aus Bilanz und Erfolgsrechnung. Er ist nach den gleichen Grundlagen und Grundsätzen zu erstellen wie die Jahresrechnung. 2 Der Zwischenabschluss für Banken, deren Beteiligungstitel oder Schuldtitel kotiert sind, enthält zusätzlich einen Eigenkapitalnachweis und einen verkürzten Anhang. Die FINMA legt den Inhalt des verkürzten Anhangs in Ausführungsbestimmungen fest.

Art. 32 Veröffentlichung (Art. 6a, 6b Abs. 1 und 3 BankG)

1 Der Geschäftsbericht ist innerhalb von vier Monaten und der Zwischenabschluss

innerhalb von zwei Monaten nach Abschlusstermin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie sind in gedruckter Form zur Verfügung zu stellen.

8 SR 220 9 SR 220

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Bankenverordnung AS 2014

2 Geschäftsbericht und Zwischenabschlüsse sind der FINMA einzureichen. Die

FINMA regelt in Ausführungsbestimmungen, in wie vielen Ausfertigungen, auf welche Art und innert welcher Frist der Geschäftsbericht und der Zwischenabschluss einzureichen sind.

3 Die FINMA kann die Fristen auf Gesuch der Bank hin erstrecken.

4 Privatbankiers sind von der Pflicht zur Veröffentlichung befreit, wenn sich ihre Werbung einzig auf ihre Tätigkeit als Vermögensverwalter oder Effektenhändler bezieht und das Einlagengeschäft nicht umfasst.

2. Abschnitt: Konzernrechnung

Art. 33 Konzernrechnung (Art. 6 Abs. 1 Bst. c, 6b Abs. 1 BankG)

1 Die Konzernrechnung wird nach dem True-and-Fair-View-Prinzip (Art. 25 Abs. 1

Bst. b) erstellt und besteht aus Bilanz, Erfolgsrechnung, Eigenkapitalnachweis, Geldflussrechnung und Anhang.

2 Für die Konzernrechnung gelten die Grundlagen und Grundsätze von Artikel 26.

Zudem muss sie nach der Methode der Vollkonsolidierung erstellt werden.

3 Die Aktiven und Passiven werden in der Konzernrechnung nach Artikel 27 erfasst

und bewertet.

Art. 34 Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung (Art. 6 Abs. 1 Bst. c, 6b Abs. 1 und 2 BankG) 1 Die Bank erstellt zusätzlich zu ihrer Jahresrechnung eine Konzernrechnung, wenn sie: a. ein oder mehrere Unternehmen kontrolliert; b. die Geschäftsaktivitäten eines Unternehmens derart beeinflussen kann, dass dessen Nutzen hauptsächlich ihr zukommt; oder c. hauptsächlich die Risiken für die Geschäftstätigkeiten eines anderen Unter- nehmens trägt. 2 Ist eine Holdinggesellschaft die Obergesellschaft einer Finanzgruppe nach Arti- kel 3c BankG, so erstellt die Holdinggesellschaft die Konzernrechnung.

3 Die Bank oder die Holdinggesellschaft kontrolliert ein Unternehmen, wenn sie:

a. direkt oder indirekt über die Mehrheit der Stimmen im obersten Organ ver- fügt; b. direkt oder indirekt über das Recht verfügt, die Mehrheit der Mitglieder des obersten Leitungs- oder Verwaltungsorgans zu bestellen oder abzuberufen; oder c. auf andere Weise als nach den Buchstaben a und b einen beherrschenden Einfluss ausüben kann.

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Bankenverordnung AS 2014

4 Die Bank oder die Holdinggesellschaft konsolidiert ein kontrolliertes Unternehmen nicht, wenn: a. sie weder gegenwärtig noch in Zukunft Anteil am Erfolg des kontrollierten Unternehmens oder einen anderen Nutzen hat und keine Risiken aus den Geschäftsaktivitäten dieses Unternehmens trägt; b. der Nutzen aus den Geschäftsaktivitäten des kontrollierten Unternehmens unabhängigen Dritten zufliesst und die Risiken ausschliesslich von diesen getragen werden; und c. das ihr aus der Beziehung zu einem solchen kontrollierten Unternehmen zu- fliessende monetäre oder nicht monetäre Entgelt marktkonform ist und ihren Leistungen entspricht. 5 Die Erstellung der Konzernrechnung darf nicht an ein kontrolliertes Unternehmen delegiert werden.

Art. 35 Ausnahmen von der Pflicht zur Erstellung einer Konzernrechnung (Art. 6b Abs. 1–3 BankG)

1 Es müssen nicht konsolidiert werden:

a. Beteiligungen an Unternehmen, die für die finanzielle Berichterstattung oder die Risikolage unwesentlich sind; b. wesentliche, aber ohne strategische Absicht übernommene Beteiligungen, für die die Bank darlegen kann, dass sie diese innert 12 Monaten wieder ver- äussert oder liquidiert.

2 Beteiligungen nach Absatz 1 Buchstabe b sind im Anhang der Konzernrechnung

offenzulegen. Deren Nichtkonsolidierung ist zu begründen.

3 Ein Teilkonzern, der in die Konzernrechnung einer Obergesellschaft einbezogen

ist, muss keine eigene Konzernrechnung erstellen, wenn die Konzernrechnung der Obergesellschaft: a. nach dieser Verordnung oder nach einem durch die FINMA anerkannten in- ternationalen Standard erstellt und geprüft wird; und b. öffentlich zugänglich ist.

4 Die FINMA kann in begründeten Fällen die Erstellung einer Teilkonzernrechnung

und deren Offenlegung verlangen.

Art. 36 Erleichterungen bei Erstellung einer Konzernrechnung (Art. 6b Abs. 2 und 3 BankG)

1 Eine Bank ist von der Erstellung einer Geldflussrechnung in der Jahresrechnung

sowie des Lageberichts auf Einzelstufe befreit, sofern sie: a. eine Konzernrechnung nach den Artikeln 33–41 oder nach einem durch die FINMA anerkannten internationalen Standard erstellt und zusammen mit dem Konzernlagebericht publiziert; oder

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Bankenverordnung AS 2014

b. als gemäss Artikel 34 konsolidierte Gesellschaft einer von der FINMA beaufsichtigten Finanzgruppe angehört, die Buchstabe a erfüllt. 2 Die Befreiung nach Absatz 1 Buchstabe b gilt nicht, wenn die Beteiligungstitel der Bank kotiert sind.

3 Die FINMA legt in Ausführungsbestimmungen fest:

a. auf welche Angaben in der Jahresrechnung verzichtet werden kann, wenn eine Konzernrechnung erstellt wird; b. inwieweit die Offenlegung eines Zwischenabschlusses auf Konzernstufe von der Offenlegung des Zwischenabschlusses auf Einzelstufe befreit.

4 Die Personen nach Artikel 961d Absatz 2 OR10 können verlangen:

a. eine vollständige Jahresrechnung und einen Lagebericht; b. die Offenlegung eines Zwischenabschlusses auf Einzelstufe.

Art. 37 Mindestgliederung Die FINMA legt die besonderen Gliederungsvorschriften für die Konzernrechnung in Ausführungsbestimmungen fest. Dabei trägt sie den Eigenheiten des Bank- geschäfts Rechnung.

Art. 38 Konzernlagebericht Der Lagebericht des Konzerns richtet sich nach Artikel 961c OR11.

Art. 39 Inhalt des Geschäftsberichts (Art. 6b Abs. 1 und 3 BankG)

1 Der Geschäftsbericht enthält neben der Jahresrechnung, dem Lagebericht und der

Konzernrechnung die zusammenfassenden Berichte der Revisionsstelle. 2 Ist die Obergesellschaft eine Holdinggesellschaft, so ist die Publikation der Jahres- rechnung nicht zwingend.

Art. 40 Zwischenabschluss (Art. 6 Abs. 2, 6b Abs. 1 und 3 BankG)

1 Banken und Holdinggesellschaften, die eine Konzernrechnung erstellen müssen,

erstellen halbjährlich einen konsolidierten Zwischenabschluss.

2 Er umfasst die gleichen Bestandteile wie der Zwischenabschluss auf Einzelstufe

gemäss Artikel 31 und basiert auf den gleichen Grundlagen und Grundsätzen wie die Konzernrechnung.

10 SR 220 11 SR 220

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Bankenverordnung AS 2014

Art. 41 Veröffentlichung (Art. 6a Abs. 1–3, 6b Abs. 1 und 3 BankG)

Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts und des Zwischenabschlusses richtet sich nach Artikel 32.

3. Abschnitt: Ausführungsbestimmungen zur Rechnungslegung

Art. 42 (Art. 6b Abs. 3 und 4 BankG)

Die FINMA führt die Bestimmungen dieser Verordnung zur Rechnungslegung näher aus, insbesondere zu: a. der Zusammensetzung und Bewertung der Positionen der Jahresrechnung und der Konzernrechnung; b. den Besonderheiten der Konzernrechnung; c. der Offenlegung von Angaben, die im von der Bank angewendeten und von der FINMA anerkannten internationalen Standard nicht vorgesehen, aber für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage nötig sind.

5. Kapitel: Einlagensicherung

Art. 43 Auszahlungsplan (Art. 37j BankG)

1 Der von der FINMA eingesetzte Untersuchungsbeauftragte, Sanierungsbeauftragte

oder Konkursliquidator (Beauftragter) erstellt einen Auszahlungsplan mit den aus den Büchern ersichtlichen Forderungen, die nach Artikel 37h Absatz 1 BankG als gesicherte Einlagen gelten und nicht nach Artikel 37b BankG ausbezahlt werden (Auszahlungsplan)

2 Der Beauftragte ist nicht verpflichtet, die aufgrund der Bücher in den Auszah-

lungsplan aufzunehmenden Forderungen zu prüfen. Offensichtlich unberechtigte Forderungen werden nicht in den Auszahlungsplan aufgenommen.

3 Bestehen Anhaltspunkte dafür, dass die Buchführung nicht ordnungsgemäss ge-

führt wurde, so kann der Beauftragte die Einlegerinnen und Einleger auffordern, die Berechtigung ihrer Forderung nachzuweisen. Die FINMA regelt die Einzelheiten.

Art. 44 Auszahlung der gesicherten Einlagen (Art. 37j Abs. 1 BankG)

1 Der Beauftragte zahlt den Einlegerinnen und Einlegern gestützt auf den Auszah-

lungsplan die gesicherten Einlagen aus, sobald er den Betrag erhalten hat, den ihm der Träger der Einlagensicherung nach Artikel 37i Absatz 2 BankG überweist.

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2 Genügt dieser Betrag dem Beauftragten nicht zur Befriedigung sämtlicher in den

Auszahlungsplan aufgenommener Forderungen, so werden die gesicherten Einlagen anteilsmässig ausgezahlt.

6. Kapitel: Nachrichtenlose Vermögenswerte

1. Abschnitt: Begriff

Art. 45 (Art. 37l Abs. 4 BankG)

1 Vermögenswerte gelten als nachrichtenlos, wenn die Bank während 10 Jahren ab

dem letzten Kontakt zur Bankkundin oder zum Bankkunden oder zu deren Rechts- nachfolgerinnen und -nachfolgern (berechtigte Personen) oder zu einer von diesen bevollmächtigten Person keinen Kontakt mehr herstellen konnte. 2 Als letzter Kontakt gilt der aus den Akten der Bank ersichtliche letzte Kontakt.

3 Vermögenswerte, die im Hinblick auf die Liquidation einer Bank auf eine andere

Bank übertragen werden, gelten schon vor Ablauf der 10 Jahre als nachrichtenlos, wenn die übertragende Bank nachweist, dass sie alle notwendigen Schritte zur Wiederherstellung des Kontakts zu der berechtigten Person unternommen hat.

2. Abschnitt: Übertragung

Art. 46 Übertragungsvertrag (Art. 37l Abs. 2 BankG) 1 Bestandteile des schriftlichen Vertrags, mit dem nachrichtenlose Vermögenswerte von einer Bank auf eine andere Bank übertragen werden (Übertragungsvertrag), sind: a. der Name der berechtigten Person oder andere Angaben, die diese Person zu identifizieren erlauben; und b. die Auflistung der Vermögenswerte, die der berechtigten Person zugeordnet sind und übertragen werden.

2 Die übertragende Bank stellt der übernehmenden Bank folgende Unterlagen zur

Verfügung: a. Belege zum letzten festgehaltenen Kontakt mit der berechtigten Person; b. die Unterlagen zum Vertragsverhältnis mit der berechtigten Person.

3 Kosten, die bei der Übertragung nachrichtenloser Vermögenswerte entstehen,

können diesen Vermögenswerten nicht belastet werden.

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Bankenverordnung AS 2014

Art. 47 Pflichten der übernehmenden Bank (Art. 3 Abs. 2 Bst. a und 37l Abs. 1 BankG)

1 Die übernehmende Bank muss:

a. über eine für die Verwahrung und Verwaltung nachrichtenloser Vermö- genswerte geeignete Organisation verfügen; und b. jederzeit in der Lage sein, die ihr übertragenen nachrichtenlosen Vermö- genswerte der berechtigten Person zuzuordnen, soweit die verfügbaren Informationen dies ermöglichen.

2 Werden einer Bank von verschiedenen Banken nachrichtenlose Vermögenswerte

für dieselbe berechtigte Person übertragen, so fasst die übernehmende Bank diese zusammen.

3 Eine Bank, die zum ersten Mal nachrichtenlose Vermögenswerte von einer anderen

Bank übernimmt, meldet dies der FINMA. 4 Sind die nachrichtenlosen Vermögenswerte in einer zentralen Datenbank für nach- richtenlose Vermögenswerte (Datenbank) eingetragen, so vermerkt die Bank darin deren Übertragung und gibt ihren Namen an.

Art. 48 Pflicht der übertragenden Bank (Art. 37l Abs. 1 BankG)

Die übertragende Bank verweist Personen, die Ansprüche an übertragenen Vermö- genswerten erheben, an die übernehmende Bank oder an die Datenbank.

3. Abschnitt: Publikation

Art. 49 Pflicht und Inhalt (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG) 1 Die Banken rufen die berechtigten Personen öffentlich auf, innert einer Frist von einem Jahr (Meldefrist) Ansprüche an Vermögenswerten anzumelden, die seit

50 Jahren nachrichtenlos sind.

2 Keine Publikation ist erforderlich für Vermögenswerte von höchstens 500 Franken.

3 Soweit vorhanden und sofern nicht ein offenkundiges Interesse der berechtigten

Person entgegensteht, enthält die Publikation folgende Angaben: a. die Adresse, an welche die Meldung zu richten ist; b. Name, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit oder die Firma der berechtig- ten Person und der letzte bekannte Wohnsitz oder Sitz; c. die Konto- oder Heftnummer, sofern die vorhandenen Angaben für die Legi- timationsprüfung ungenügend erscheinen.

1285

Bankenverordnung AS 2014

4 Die Publikation muss ausdrücklich darauf hinweisen, dass:

a. die Bank die bei der Prüfung der Meldung entstehenden Kosten der Person, die einen Anspruch erhebt, unter den Voraussetzungen von Artikel 53 Ab- satz 3 in Rechnung stellen kann; b. die Ansprüche mit der Liquidation der Vermögenswerte erlöschen.

Art. 50 Publikationsmedium (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Der Aufruf nach Artikel 49 wird im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB)

publiziert.

2 Anstelle der Publikation im SHAB können die Banken die Aufrufe auf einer von

ihnen organisierten und verwalteten zentralen elektronischen Plattform veröffent- lichen.

3 Erscheint für ein Auffinden der berechtigten Personen nach den Umständen des

Einzelfalls eine Publikation in einem anderen geeigneten Kommunikationsmittel angezeigt, so veröffentlicht die Bank den Aufruf zudem auch in diesem Kommuni- kationsmittel. 4 Sie berücksichtigt dabei den letzten bekannten Wohnsitz, Aufenthaltsort oder Sitz der berechtigten Person.

5 Die Publikation kann mehrere nachrichtenlose Vermögenswerte zusammenfassen.

Art. 51 Wiederholung der Publikation (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

Ergeben sich vor Abschluss der Liquidation (Art. 57) neue Erkenntnisse über be- rechtigte Personen, so passt die Bank den Aufruf an und veröffentlicht ihn erneut. Mit der Publikation beginnt die Meldefrist von einem Jahr neu zu laufen.

Art. 52 Publikationskosten (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Die Kosten der Publikation werden aus den betroffenen nachrichtenlosen Vermö-

genswerten gedeckt.

2 Sie haben in einem angemessenen Verhältnis zu den nachrichtenlosen Vermö-

genswerten zu stehen.

Art. 53 Prüfung der Meldungen (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Die Bank prüft gemeldete Ansprüche an nachrichtenlosen Vermögenswerten nach

den im Einzelfall massgebenden gesetzlichen und vertraglichen Bestimmungen. 2 Stellt sie bei der Prüfung fest, dass ein Anspruch gerechtfertigt ist, so gelten die betreffenden Vermögenswerte nicht mehr als nachrichtenlos.

1286

Bankenverordnung AS 2014

3 Ist ein Anspruch offensichtlich unbegründet und kann die Person, die den An-

spruch erhebt, keinerlei Verbindung zum beanspruchten Vermögenswert glaubhaft machen, so kann die Bank von dieser Person den Ersatz der Kosten verlangen, die ihr durch die Prüfung des erhobenen Anspruchs entstanden sind.

4 Die Bank dokumentiert die Ergebnisse ihrer Prüfungen so, dass deren Nachvoll-

ziehbarkeit gewährleistet ist.

4. Abschnitt: Liquidation

Art. 54 Verfahren (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Die Bank liquidiert nachrichtenlose Vermögenswerte, wenn:

a. keine Meldungen eingegangen sind: spätestens zwei Jahre nach Ablauf der Meldefrist; b. Meldungen eingegangen sind: spätestens zwei Jahre, nachdem feststeht, dass die geltend gemachten Ansprüche nicht berechtigt sind.

2 Nachrichtenlose Vermögenswerte, die nicht verwertbar sind oder keinen Liquida-

tionswert haben, bietet die Bank dem Bund zur Übernahme an. Lehnt dieser ab, so kann sie die Bank vernichten.

Art. 55 Protokoll über den Liquidationsbeschluss (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Die Bank führt ein Protokoll über ihren Beschluss, nachrichtenlose Vermögens-

werte zu liquidieren.

2 Das Protokoll enthält:

a. die Dokumentation der Prüfung nach Artikel 53; b. eine Auflistung der zu liquidierenden Vermögenswerte; c. Angaben zum vorgesehenen Liquidationsverfahren.

Art. 56 Protokoll über die Liquidation (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG)

1 Die Bank führt ein Protokoll über die Liquidation.

2 Das Protokoll hält pro Vermögenswert insbesondere fest:

a. die Art der Liquidation; b. den Liquidationserlös; c. die Kosten der Liquidation.

1287

Bankenverordnung AS 2014

Art. 57 Liquidationserlös und Abschluss der Liquidation (Art. 37m Abs. 2–4 BankG)

1 Die Kosten der Liquidation werden vorab aus dem Liquidationserlös gedeckt.

2 Die Bank überweist die Nettoerlöse mindestens einmal jährlich der Eidgenössi-

schen Finanzverwaltung.

3 Mit dieser Überweisung gilt die Liquidation als abgeschlossen.

4 Mit Abschluss der Liquidation erlöschen die Ansprüche der berechtigten Personen. Die Ansprüche an nicht verwertbaren nachrichtenlosen Vermögenswerten erlöschen mit der Übergabe an den Bund oder deren Vernichtung.

5 Macht eine berechtigte Person nach der Liquidation, aber noch vor der Überwei-

sung Ansprüche an den liquidierten Vermögenswerten geltend, so richten sich die Ansprüche ausschliesslich auf den Liquidationserlös.

6 Sind die nachrichtenlosen Vermögenswerte in einer Datenbank eingetragen, so

vermerkt die Bank den Abschluss der Liquidation.

Art. 58 Aktenaufbewahrung (Art. 37l und 37m Abs. 4 BankG)

Die liquidierende Bank bewahrt die Unterlagen über die Übernahme, Liquidation und Überweisung an den Bund gemäss den anwendbaren gesetzlichen Bestimmun- gen auf.

Art. 59 Liquidation ohne vorgängige Publikation (Art. 37m Abs. 1 und 4 BankG) 1 Für die Liquidation nachrichtenloser Vermögenswerte, die gestützt auf Artikel 37m Absatz 1 zweiter Satz des BankG ohne vorgängige Publikation liquidiert werden, gelten die Artikel 54–57 sinngemäss.

2 Der Wert solcher Vermögenswerte berechnet sich nach dem Gesamtwert der

nachrichtenlosen Vermögenswerte, die eine Bank von derselben berechtigten Person gebucht hat, verwahrt oder verwaltet.

7. Kapitel: Besondere Bestimmungen für systemrelevante Banken

1. Abschnitt: Notfallplanung

Art. 60 Notfallplan (Art. 8, 9 Abs. 2 Bst. d und 10 Abs. 2 BankG)

1 Die systemrelevante Bank stellt sicher, dass ihre systemrelevanten Funktionen

nach Artikel 8 BankG im Fall drohender Insolvenz unabhängig von den übrigen Teilen der Bank ohne Unterbrechung weitergeführt werden können. Sie trifft die dafür notwendigen Massnahmen.

2 Sie beschreibt die notwendigen Massnahmen in einem Notfallplan und weist darin

gegenüber der FINMA nach, dass sie nach der allgemeinen Erfahrung und dem

1288

Bankenverordnung AS 2014

aktuellen Wissensstand in der Lage ist, ihrer Pflicht nach Absatz 1 erster Satz nach- zukommen.

3 Massnahmen des Notfallplans sind vorbereitend umzusetzen, soweit dies für die

ununterbrochene Weiterführung der systemrelevanten Funktionen notwendig ist. Die FINMA räumt den Banken für die Umsetzung eine angemessene Frist ein.

4 Die systemrelevante Bank hat den Notfallplan jährlich bis zum Ende des zweiten

Quartals zu aktualisieren und der FINMA einzureichen. Aktualisierungen sind auch einzureichen, wenn Veränderungen eine Überarbeitung notwendig machen oder wenn die FINMA dies verlangt.

Art. 61 Prüfung des Notfallplans (Art. 10 Abs. 2 BankG)

Die FINMA prüft die Massnahmen des Notfallplans im Hinblick auf deren Wirk- samkeit im Fall einer drohenden Insolvenz der Bank. Sie berücksichtigt dabei, wie weit die Massnahmen nach Artikel 60 Absatz 3 umgesetzt worden sind. Sie prüft namentlich, ob: a. unter Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Zeit, des Aufwands, der rechtlichen Hindernisse und der erforderlichen Mittel die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen technisch und organisatorisch sicherge- stellt ist; b. die rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Finanzgrup- pe, insbesondere konzerninterne Garantien und Finanzierungen, und solche Beziehungen mit Kundinnen und Kunden und anderen Drittparteien so aus- gestaltet sind, dass sie der Weiterführung der systemrelevanten Funktionen nicht entgegenstehen; c. die Kapital- und Liquiditätsplanung für die Weiterführung der systemrele- vanten Funktionen ausreichend Eigenmittel und Liquidität zur Umsetzung des Notfallplans vorsieht; d. für die Operabilität der systemrelevanten Funktionen geeignete Prozesse und die dafür notwendige Infrastruktur vorgesehen sind und der Zugriff auf die erforderlichen Ressourcen jederzeit unabhängig von den nicht systemrele- vanten Teilen der Bank gewährleistet ist; e. für die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen inklusive der Füh- rungs- und Kontrollfunktionen die notwendigen personellen Ressourcen bereitgestellt sind; f. die mit der Weiterführung der systemrelevanten Funktionen zusammenhän- genden Verträge innerhalb der Finanzgruppe, insbesondere konzerninterne Garantien und Finanzierungen, und solche Verträge mit Kundinnen und Kunden und anderen Drittparteien, mit den dazugehörenden Geschäftsunter- lagen vollständig erfasst sind und die Liste regelmässig aktualisiert wird; g. der Notfallplan mit den wesentlichen ausländischen Gesetzen und Auf- sichtsanforderungen zu vereinbaren ist.

1289

Bankenverordnung AS 2014

Art. 62 Mängelbehebung und Anordnung von Massnahmen (Art. 10 Abs. 2 BankG)

1 Genügt der Notfallplan den Anforderungen an den Nachweis zur Weiterführung

der systemrelevanten Funktionen im Fall drohender Insolvenz nicht, so setzt die FINMA der Bank eine angemessene Frist zur Behebung der festgestellten Mängel. Die FINMA kann dabei konkrete Vorgaben machen. 2 Behebt die Bank die Mängel nicht innert der angesetzten Frist, so setzt ihr die FINMA eine Nachfrist. Werden die Mängel auch innerhalb dieser Nachfrist nicht behoben, so kann die FINMA insbesondere folgende Massnahmen anordnen: a. Bildung eines unabhängigen Rechtsträgers in der Schweiz, an den die sys- temrelevanten Funktionen übertragen werden können; b. Anpassungen der rechtlichen und operativen Struktur der Bank, sodass die systemrelevanten Funktionen innert kurzer Zeit ausgegliedert werden kön- nen; c. Auslagerung der für die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen erforderlichen Infrastruktur und Dienstleistungen in eine zentral geführte Gesellschaft innerhalb der Finanzgruppe oder in eine Einheit ausserhalb der Finanzgruppe.

Art. 63 Auslösung des Notfallplans (Art. 25 und 26 BankG)

1 Sind die Voraussetzungen nach Artikel 25 Absatz 1 BankG erfüllt, so kann die

FINMA aufbauend auf dem Notfallplan die Schutz- und Insolvenzmassnahmen nach dem elften Abschnitt des BankG anordnen, die für die Sicherstellung der systemre- levanten Funktionen notwendig sind.

2 Eine systemrelevante Bank erfüllt die Eigenmittelvorschriften nach Artikel 25

Absatz 1 BankG nicht: a. wenn die Wandlung oder der Forderungsverzicht nach Artikel 130 Absatz 2 ERV12 auszulösen ist; oder b. im Falle von Artikel 42 Absatz 4 ERV.

2. Abschnitt: Verbesserung der Sanier- und Liquidierbarkeit

Art. 64 Stabilisierungsplan und Abwicklungsplan (Art. 9, 25 ff. BankG) 1 Die systemrelevante Bank hat einen Stabilisierungsplan (Recovery-Plan) zu erstel- len. Darin legt sie dar, mit welchen Massnahmen sie sich im Fall einer Krise nach- haltig so stabilisieren will, dass sie ihre Geschäftstätigkeit ohne staatliche Eingriffe fortführen kann. Der Stabilisierungsplan bedarf der Genehmigung durch die FINMA.

12 SR 952.03

1290

Bankenverordnung AS 2014

2 Die FINMA erstellt einen Abwicklungsplan (Resolution-Plan) und legt darin dar,

wie eine von ihr angeordnete Sanierung oder Liquidation der systemrelevanten Bank durchgeführt werden kann. Die Bank hat ihr die dafür erforderlichen Informationen einzureichen.

3 Der Stabilisierungsplan und der Abwicklungsplan haben die Vorgaben ausländi-

scher Aufsichtsbehörden und Zentralbanken über die Stabilisierung, Sanierung und Liquidation zu berücksichtigen.

4 Die systemrelevante Bank reicht der FINMA jährlich bis zum Ende des zweiten

Quartals den Stabilisierungsplan und die für den Abwicklungsplan erforderlichen Informationen ein. Dieselben Dokumente sind auch einzureichen, wenn Verände- rungen ihre Überarbeitung notwendig machen oder wenn die FINMA dies verlangt. 5 Sie beschreibt bei der Einreichung, welche der in Artikel 66 aufgeführten Mass- nahmen zur Verbesserung der Sanier- und Liquidierbarkeit im In- und Ausland sie vorbereitet oder bereits umgesetzt hat.

Art. 65 Erleichterungen auf der progressiven Eigenmittelkomponente (Art. 10 Abs. 3 BankG)

1 Die FINMA gewährt Erleichterungen auf der progressiven Komponente nach

Artikel 130 ERV13, soweit die systemrelevante Bank mit Massnahmen nach Arti- kel 66 ihre Sanier- und Liquidierbarkeit im In- und Ausland mit hoher Wahrschein- lichkeit verbessert. Sie berücksichtigt dabei, wie weit diese Massnahmen im In- und Ausland umgesetzt worden sind.

2 Für die Erfüllung der Anforderungen von Artikel 9 Absatz 2 Buchstabe d BankG

werden keine Erleichterungen gewährt.

Art. 66 Massnahmen zur Verbesserung der Sanier- und Liquidierbarkeit (Art. 10 Abs. 3 BankG)

Massnahmen zur Verbesserung der Sanier- und Liquidierbarkeit der Bank können insbesondere umfassen: a. strukturelle Verbesserungen und Entflechtungen durch:

1. Ausrichtung der Rechtsstruktur nach Geschäftseinheiten (business-

aligned legal entities),

2. Bildung rechtlich selbstständiger Dienstleistungseinheiten,

3. Eliminierung oder Verminderung faktischer Beistandszwänge, insbe-

sondere durch Bildung einer unabhängigen Führungsstruktur,

4. Reduktion geografischer oder bilanzieller Asymmetrien;

b. finanzielle Entflechtungen zur Begrenzung der Ansteckungsrisiken durch:

1. Reduktion der Kapitalbeteiligungen zwischen den juristischen Einhei-

ten (horizontal),

13 SR 952.03

1291

Bankenverordnung AS 2014

2. Beschränkung der Gewährung unbesicherter Kredite und Garantien

innerhalb der Finanzgruppe (horizontal),

3. Schaffung einer Anreizstruktur zu möglichst marktnaher konzerninter-

ner Finanzierung; c. operative Entflechtung zur Sicherung von Daten und zur Weiterführung wichtiger betrieblicher Dienstleistungen durch:

1. Gewährleistung des Zugriffs auf und des Einsatzes von Datenbestän-

den, Datenbanken und Informatikmitteln,

2. Separierung wesentlicher Funktionen oder deren nachhaltige Auslage-

rung,

3. Zugang zu und Weiternutzung von für den Geschäftsbetrieb wesent-

lichen Systemen.

8. Kapitel: Schlussbestimmungen

Art. 67 Aufhebung eines anderen Erlasses Die Bankenverordnung vom 17. Mai 197214 wird aufgehoben.

Art. 68 Änderung anderer Erlasse Die Änderung anderer Erlasse wird im Anhang 2 geregelt.

Art. 69 Übergangsbestimmungen 1 Die Banken können in den ersten beiden Geschäftsjahren nach Inkrafttreten dieser Verordnung die Wertberichtigungen gemäss Artikel 27 Absatz 1 als Gesamt- oder Teilbetrag global als Minusposition in den Aktiven ausweisen. Die FINMA regelt die Einzelheiten.

2 Die Einzelbewertung gemäss Artikel 27 Absatz 2 für Beteiligungen, Sachanlagen

und immaterielle Werte muss bis spätestens am 1. Januar 2020 umgesetzt werden. Die nicht erfassten unrealisierten Verluste sind im Anhang zur Jahresrechnung offenzulegen.

3 Für die erstmalige Umsetzung von sofort umzusetzenden Massnahmen des Not-

fall-, Stabilisierungs- und Abwicklungsplans im Sinne des 7. Kapitels kann die FINMA systemrelevanten Banken in begründeten Fällen angemessene Fristen einräumen. 4 Die Erstellung und Publikation des Zwischenabschlusses 2015 ist nach bisherigem Recht erlaubt. Ausgenommen ist die Regelung gemäss Artikel 23b Absatz 1 des bisherigen Rechts.

14 1972 821, 1989 1772, 1995 253, 1996 45 3094, 1997 85, 1998 16, 2003 4077, 2004 2777 2875, 2005 4849, 2006 4307, 2008 1199 5363, 2009 5279, 2011 3931, 2012 5435 5441 7251

1292

Bankenverordnung AS 2014

Art. 70 Inkrafttreten

1 Diese Verordnung tritt am 1. Januar 2015 in Kraft.

2 Die FINMA kann die Anwendung der neuen Rechnungslegungsvorschriften

gemäss 4. Kapitel für das Geschäftsjahr erlauben, das vor dem Inkrafttreten dieser Verordnung beginnt.

30. April 2014 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Didier Burkhalter Die Bundeskanzlerin: Corina Casanova

1293

Bankenverordnung AS 2014

Anhang 1 (Art. 28)

Mindestgliederung der Jahresrechnung

A. Bilanz

1. Aktiven

In der Bilanz sind folgende Aktiven gesondert auszuweisen:

1.1 Flüssige Mittel

1.2 Forderungen gegenüber Banken

1.3 Forderungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften

1.4 Forderungen gegenüber Kunden

1.5 Hypothekarforderungen

1.6 Handelsgeschäft

1.7 Positive Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente

1.8 Übrige Finanzinstrumente mit Fair-Value-Bewertung

1.9 Finanzanlagen

1.10 Aktive Rechnungsabgrenzungen

1.11 Beteiligungen

1.12 Sachanlagen

1.13 Immaterielle Werte

1.14 Sonstige Aktiven

1.15 Nicht einbezahltes Gesellschaftskapital

1.16 Total Aktiven

1.16.1 Total nachrangige Forderungen

1.16.1.1 davon mit Wandlungspflicht und/oder Forderungsverzicht

2. Passiven

In der Bilanz sind folgende Passiven gesondert auszuweisen:

2.1 Verpflichtungen gegenüber Banken

2.2 Verpflichtungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften

2.3 Verpflichtungen aus Kundeneinlagen

2.4 Verpflichtungen aus Handelsgeschäften

2.5 Negative Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente

2.6 Verpflichtungen aus übrigen Finanzinstrumenten mit Fair-Value-

Bewertung

2.7 Kassenobligationen

2.8 Anleihen und Pfandbriefdarlehen

2.9 Passive Rechnungsabgrenzungen

2.10 Sonstige Passiven

2.11 Rückstellungen

2.12 Reserven für allgemeine Bankrisiken

2.13 Gesellschaftskapital

2.14 Gesetzliche Kapitalreserve

1294

Bankenverordnung AS 2014

2.14.1 davon Reserve aus steuerbefreiten Kapitaleinlagen

2.15 Gesetzliche Gewinnreserve

2.16 Freiwillige Gewinnreserven

2.17 Eigene Kapitalanteile (Minusposition)

2.18 Gewinnvortrag / Verlustvortrag

2.19 Gewinn / Verlust (Periodenerfolg)

2.20 Total Passiven

2.20.1 Total nachrangige Verpflichtungen

2.20.1.1 davon mit Wandlungspflicht und/oder Forderungsverzicht

3. Ausserbilanzgeschäfte

3.1 Eventualverpflichtungen

3.2 Unwiderrufliche Zusagen

3.3 Einzahlungs- und Nachschussverpflichtungen

3.4 Verpflichtungskredite

Weitere, im Einzelfall wesentliche Positionen sind in der Bilanz oder im Anhang zusätzlich auszuweisen. In der Bilanz sind die Vorjahreszahlen aufzuführen.

B. Erfolgsrechnung In der Erfolgsrechnung sind folgende Positionen gesondert in Staffelform auszuwei- sen:

1 Erfolg aus dem Zinsengeschäft

1.1 Zins- und Diskontertrag

1.2 Zins- und Dividendenertrag aus Handelsgeschäft

1.3 Zins- und Dividendenertrag aus Finanzanlagen

1.4 Zinsaufwand

1.5 Brutto-Erfolg Zinsengeschäft (1.1 + 1.2 + 1.3 – 1.4)

1.6 Veränderungen von ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen

sowie Verluste aus dem Zinsengeschäft

1.7 Subtotal Netto-Erfolg Zinsengeschäft (1.5 –/+ 1.6)

2 Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft

2.1 Kommissionsertrag Wertschriften und Anlagegeschäft

2.2 Kommissionsertrag Kreditgeschäft

2.3 Kommissionsertrag übriges Dienstleistungsgeschäft

2.4 Kommissionsaufwand

2.5 Subtotal Erfolg Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft

(2.1 + 2.2 + 2.3 – 2.4)

3 Erfolg aus dem Handelsgeschäft und der Fair-Value-Option

4 Übriger ordentlicher Erfolg

4.1 Erfolg aus Veräusserungen von Finanzanlagen

4.2 Beteiligungsertrag

4.3 Liegenschaftenerfolg

1295

Bankenverordnung AS 2014

4.4 Anderer ordentlicher Ertrag

4.5 Anderer ordentlicher Aufwand

4.6 Subtotal übriger ordentlicher Erfolg (4.1 + 4.2 + 4.3 + 4.4 – 4.5)

5 Geschäftsaufwand

5.1 Personalaufwand

5.2 Sachaufwand

5.3 Subtotal Geschäftsaufwand (5.1. + 5.2.)

6 Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf

Sachanlagen und immateriellen Werten

7 Veränderungen von Rückstellungen und übrigen Wertberichtigungen

sowie Verluste

8 Geschäftserfolg (1.7 + 2.5 + 3 + 4.6 – 5.3 – 6 –/+ 7)

9 Ausserordentlicher Ertrag

10 Ausserordentlicher Aufwand

11 Veränderungen von Reserven für allgemeine Bankrisiken

12 Steuern

13 Gewinn / Verlust (Periodenerfolg)

Weitere, im Einzelfall wesentliche Positionen sind in der Erfolgsrechnung oder im Anhang zusätzlich auszuweisen. In der Erfolgsrechnung sind die Vorjahreszahlen der entsprechenden Periode an- zugeben.

C. Geldflussrechnung Die Geldflussrechnung muss anhand der Geldzu- und abflüsse die Ursachen der Liquiditätsveränderung im Berichtsjahr aufzeigen. Die Geldflussrechnung umfasst mindestens die folgenden Bestandteile: – Geldfluss aus operativem Geschäft; – Geldfluss aus Eigenkapitaltransaktionen; – Geldfluss aus Vorgängen in Beteiligungen, Sachanlagen und immateriellen Werten; – Geldfluss aus dem Bankgeschäft.

D. Eigenkapitalnachweis Der Eigenkapitalnachweis zeigt für die Berichtsperiode tabellarisch für jede wesent- liche Eigenkapitalkomponente den Anfangsbestand, den Endbestand und eine Über- leitung vom Anfangs- zum Endbestand, wobei jede für die Beurteilung der wirt- schaftlichen Lage wesentliche Bewegung separat aufzuzeigen ist.

1296

Bankenverordnung AS 2014

E. Anhang Der Anhang ist wie folgt zu gliedern: a. Angabe der Firma oder des Namens sowie der Rechtsform und des Sitzes der Bank; b. Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze:

1. Angabe der Abschlussart und gegebenenfalls der Art des durch die

FINMA anerkannten internationalen Standards sowie der Bilanzie- rungs- und Bewertungsgrundsätze für die einzelnen Positionen der Bilanz und der Ausserbilanzgeschäfte,

2. Im Falle der ersten Erstellung eines zusätzlichen Einzelabschlusses

True and Fair View: Angabe, wie die Vorjahreswerte ermittelt wurden, bzw. Verweis auf den statutarischen Einzelabschluss des Vorjahres,

3. Begründung von Änderungen der Bilanzierungs- und Bewertungs-

grundsätze im Berichtsjahr sowie Angabe und Erläuterung ihrer Aus- wirkungen, namentlich auf die stillen Reserven,

4. Angaben zur Erfassung der Geschäftsvorfälle,

5. Angaben zur Behandlung von überfälligen Zinsen,

6. Angaben zur Behandlung von Umrechnungsdifferenzen bei Fremdwäh-

rungen, zur angewandten Umrechnungsmethode und zu den wichtigsten Umrechnungskursen,

7. Angaben zur Behandlung der Refinanzierung der im Handelsgeschäft

eingegangenen Positionen; c. Erläuterungen zum Risikomanagement, insbesondere zur Behandlung des Zinsänderungsrisikos, anderer Marktrisiken und der Kreditrisiken; d. Erläuterung der angewandten Methoden zur Identifikation von Ausfallrisi- ken und zur Festlegung des Wertberichtigungsbedarfs; e. Erläuterungen zur Bewertung der Deckungen, insbesondere zu wichtigen Kriterien für die Ermittlung der Verkehrs- und Belehnungswerte; f. Erläuterungen zur Geschäftspolitik beim Einsatz von derivativen Finanzin- strumenten inkl. der Erläuterungen im Zusammenhang mit der Anwendung von Hedge Accounting; g. Erläuterung von wesentlichen Ereignissen nach dem Bilanzstichtag; h. Gründe, die zu einem vorzeitigen Rücktritt der Revisionsstelle geführt haben; i. Informationen zur Bilanz:

1. Aufgliederung der Wertpapierfinanzierungsgeschäfte (Aktiven und

Passiven),

2. Darstellung der Deckungen von Forderungen und Ausserbilanzgeschäf-

ten sowie der gefährdeten Forderungen,

3. Aufgliederung des Handelsgeschäftes und der übrigen Finanzinstru-

mente mit Fair-Value-Bewertung (Aktiven und Passiven),

1297

Bankenverordnung AS 2014

4. Darstellung der derivativen Finanzinstrumente (Aktiven und Passiven),

5. Aufgliederung der Finanzanlagen,

6. Darstellung der Beteiligungen,

7. Angabe der Unternehmen, an denen die Bank eine dauernde direkte

oder indirekte wesentliche Beteiligung hält,

8. Darstellung der Sachanlagen,

9. Darstellung der immateriellen Werte,

10. Aufgliederung der Sonstigen Aktiven und Sonstigen Passiven,

11. Angaben der zur Sicherung eigener Verpflichtungen verpfändeten oder

abgetretenen Aktiven und der Aktiven unter Eigentumsvorbehalt,

12. Angaben der Verpflichtungen gegenüber eigenen Vorsorgeeinrichtun-

gen sowie der Anzahl und Art von Eigenkapitalinstrumenten der Bank, die von eigenen Vorsorgeeinrichtungen gehalten werden,

13. Angaben zur wirtschaftlichen Lage der eigenen Vorsorgeeinrichtungen,

14. Darstellung der emittierten strukturierten Produkte,

15. Darstellung der ausstehenden Obligationenanleihen und Pflichtwandel-

anleihen,

16. Darstellung der Wertberichtigungen und Rückstellungen sowie der Re-

serven für allgemeine Bankrisiken und ihrer Veränderungen im Laufe des Berichtsjahres,

17. Darstellung des Gesellschaftskapitals,

18. Anzahl und Wert von Beteiligungsrechten oder Optionen auf solche

Rechte für alle Leitungs- und Verwaltungsorgane sowie für die Mitar- beiterinnen und Mitarbeiter und Angaben zu allfälligen Mitarbeiter- beteiligungsplänen,

19. Angabe der Forderungen und Verpflichtungen gegenüber nahestehen-

den Personen,

20. Angabe der wesentlichen Beteiligten,

21. Angaben über die eigenen Kapitalanteile und die Zusammensetzung des

Eigenkapitals,

22. Angaben gemäss der Verordnung vom 20. November 201315 gegen

übermässige Vergütungen bei börsenkotierten Aktiengesellschaften und Artikel 663c Absatz 3 OR16 für Banken, deren Beteiligungstitel kotiert sind,

23. Darstellung der Fälligkeitsstruktur der Finanzinstrumente,

24. Darstellung der Aktiven und Passiven aufgegliedert nach In- und Aus-

land gemäss Domizilprinzip,

25. Aufgliederung des Totals der Aktiven nach Ländern bzw. Ländergrup-

pen (Domizilprinzip),

15 SR 221.331 16 SR 220

1298

Bankenverordnung AS 2014

26. Aufgliederung des Totals der Aktiven nach Bonität der Ländergruppen

(Risikodomizil),

27. Darstellung der Aktiven und Passiven aufgegliedert nach den für die

Bank wesentlichsten Währungen; j. Informationen zum Ausserbilanzgeschäft:

28. Aufgliederung sowie Erläuterungen zu den Eventualforderungen und

-verpflichtungen,

29. Aufgliederung der Verpflichtungskredite,

30. Aufgliederung der Treuhandgeschäfte,

31. Aufgliederung der verwalteten Vermögen und Darstellung ihrer Ent-

wicklung; k. Informationen zur Erfolgsrechnung:

32. Aufgliederung des Erfolges aus dem Handelsgeschäft und der Fair-

Value-Option,

33. Angabe eines wesentlichen Refinanzierungsertrags in der Position Zins-

und Diskontertrag sowie von wesentlichen Negativzinsen,

34. Aufgliederung des Personalaufwands,

35. Aufgliederung des Sachaufwands,

36. Erläuterungen zu wesentlichen Verlusten, ausserordentlichen Erträgen

und Aufwänden sowie zu wesentlichen Auflösungen von stillen Reser- ven, Reserven für allgemeine Bankrisiken und von frei werdenden Wertberichtigungen und Rückstellungen,

37. Angabe und Begründung von Aufwertungen von Beteiligungen und

Sachanlagen bis höchstens zum Anschaffungswert,

38. Darstellung des Geschäftserfolges getrennt nach In- und Ausland nach

dem Betriebsstättenprinzip,

39. Darstellung von laufenden und latenten Steuern und Angabe des Steu-

ersatzes,

40. Angaben und Erläuterungen zum Ergebnis je Beteiligungsrecht bei ko-

tierten Banken, deren Beteiligungstitel kotiert sind.

1299

Bankenverordnung AS 2014

Anhang 2 (Art. 68)

Änderung anderer Erlasse

Die nachstehenden Verordnungen werden wie folgt geändert:

1. Verordnung vom 21. November 201217

über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung

Art. 2 Abs. 1

1 Für Banken gemäss Bankengesetz vom 8. November 1934 und für Effektenhändler

gemäss Börsengesetz vom 24. März 1995 sind die Rechnungslegungsvorschriften der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) für Banken und Effektenhändler (Art. 25 –42 der Bankenverordnung vom 30. April 201418) einem anerkannten Standard zur Rechnungslegung gleichgestellt.

2. Verordnung vom 3. Dezember 197319 über die Stempelabgaben

Art. 25a Abs. 4 Bst. b

4 Nicht zum Handelsbestand gehören steuerbare Urkunden, die:

b. zu den dauernden Beteiligungen im Sinne der auf Artikel 42 der Bankenver- ordnung vom 30. April 201420 gestützten Ausführungsbestimmungen der FINMA gehören.

3. Kollektivanlagenverordnung vom 22. November 200621

Art. 28 Abs. 1

1 Auf Vermögensverwalter kollektiver Kapitalanlagen kommen die Rechnungs-

legungsvorschriften des Obligationenrechts22 zur Anwendung.

17 SR 221.432 18 SR 952.02 19 SR 641.101 20 SR 952.02 21 SR 951.311 22 SR 220

1300

Bankenverordnung AS 2014

4. Eigenmittelverordnung vom 1. Juni 201223

Art. 7 Abs. 2 Einleitungssatz

2 Die Konsolidierung erfasst sämtliche im Finanzbereich tätigen Gruppengesell-

schaften nach Artikel 4 in Verbindung mit Artikel 22 der Bankenverordnung vom 30. April 201424 (BankV) mit folgenden Ausnahmen:

Art. 10 Abs. 1

1 In besonderen Fällen kann die FINMA eine Bank von der Erfüllung der Eigenmit-

tel- und Risikoverteilungsvorschriften auf Stufe Einzelinstitut ganz oder teilweise befreien, namentlich wenn die Voraussetzungen nach Artikel 17 BankV25 erfüllt sind.

Art. 21 Abs. 1 Bst. e

1 Als hartes Kernkapital können angerechnet werden:

e. der Gewinn des laufenden Geschäftsjahrs nach Abzug des geschätzten Ge- winnausschüttungsanteils, sofern eine vollständige Erfolgsrechnung nach den auf Artikel 42 BankV26 gestützten Ausführungsbestimmungen der FINMA oder nach einem durch die FINMA anerkannten internationalen Standard vorliegt und diese nach den Vorgaben der FINMA einer prüferi- schen Durchsicht unterzogen wurde.

Art. 22 Abs. 2 Bst. a–c 2 Vorzugsaktien und Partizipationskapital sind als hartes Kernkapital anrechenbar, soweit: a. sie die Voraussetzungen nach Absatz 1 erfüllen; b. sie in gleicher Weise haften wie Gesellschaftskapital in Form von hartem Kernkapital; und c die Emittentin als Aktiengesellschaft ihre Stammaktien nicht an einer regu- lierten Börse kotiert hat.

Art. 26 Abs. 3 Bst. b

3 Auf einen Anteil am Liquidationsergebnis darf nur verzichtet werden zugunsten:

b. einer zentralen Organisation im Sinne von Artikel 17 BankV27, wenn die zu liquidierende Bank dieser zentralen Organisation angehört.

23 SR 952.03 24 SR 952.02 25 SR 952.02 26 SR 952.02 27 SR 952.02

1301

Bankenverordnung AS 2014

Art. 31a Änderungen des Zeitwerts eigener Verbindlichkeiten als Folge einer Veränderung des Kreditrisikos der Bank

1 Bei der Berechnung des harten Kernkapitals sind sämtliche nicht realisierten

Gewinne und Verluste eigener Verbindlichkeiten zu neutralisieren, die auf Ände- rungen ihres Zeitwerts zurückgehen, welchen Veränderungen des Kreditrisikos der Bank zugrunde liegen. 2 Zusätzlich sind in Bezug auf derivative Verbindlichkeiten sämtliche Bewertungs- anpassungen zu neutralisieren, die sich aus dem Kreditrisiko der Bank selbst erge- ben.

3 Die Aufrechnung von Bewertungsanpassungen aufgrund des Kreditrisikos der

Bank selbst mit Bewertungsanpassungen aufgrund des Kreditrisikos der Gegenpar- teien ist nicht gestattet.

Art. 35 Abs. 4 4 Der Schwellenwert 3 ist so zu bestimmen, dass nach Berücksichtigung aller regula- torischen Anpassungen, einschliesslich des Abzuges an diesem Schwellenwert gemäss Artikel 40 Absatz 1, der Restbetrag der drei Positionen 15 Prozent des harten Kernkapitals nicht überschreitet.

Art. 36 Abs. 1

1 Ob für Eigenkapitalinstrumente, welche die Bank an einem Unternehmen des

Finanzbereichs hält, das Abzugsverfahren nach Artikel 37 oder dasjenige nach Artikel 38 zur Anwendung kommt, bestimmt sich nach dem Prozentsatz der nach Artikel 52 berechneten, an diesen Unternehmen direkt oder indirekt gehaltenen Beteiligungstiteln sowie weiteren Investitionsformen in solche Titel, welche synthe- tisch das gleiche Risiko verkörpern (gehaltene Titel).

Art. 37 Abs. 1

1 Eine Bank, die an einem Unternehmen des Finanzbereichs höchstens 10 Prozent

Beteiligungstitel in der Form harten Kernkapitals hält, zieht von den eigenen Eigen- kapitalbestandteilen denjenigen Teil der von ihr gesamthaft an allen solchen Unter- nehmen des Finanzbereichs gehaltenen Bilanzwerte aller Eigenkapitalinstrumente ab, der den Schwellenwert 1 übersteigt. Dies gilt auch, wenn die Bank nur Eigenka- pitalinstrumente an einem Unternehmen des Finanzbereichs hält, die kein hartes Kernkapital darstellen.

Art. 38 Abs. 1

1 Eine Bank, die an einem Unternehmen des Finanzbereichs über 10 Prozent Betei-

ligungstitel in der Form harten Kernkapitals hält, hat sämtliche Eigenkapitalinstru- mente des zusätzlichen Kernkapitals und des Ergänzungskapitals solcher Unter- nehmen mittels des entsprechenden Abzugsverfahrens ohne Schwellenwert zu behandeln.

1302

Bankenverordnung AS 2014

Art. 52 Abs. 2 Einleitungssatz 2 Bei direkt gehaltenen Instrumenten, die Eigenkapitalinstrumente sind oder durch welche Eigenkapitalinstrumente indirekt oder synthetisch gehalten werden, ausge- nommen eigene Eigenkapitalinstrumente, ist eine Verrechnung von Long- und Short-Positionen in den Eigenkapitalinstrumenten nur zulässig, wenn:

Art. 68 Abs. 3

3 Positionen gegenüber Banken ohne externes Rating ausser kurzfristige selbst-

liquidierende Akkreditive für Handelsfinanzierung dürfen kein Risikogewicht erhal- ten, das niedriger ist als das Risikogewicht für Positionen gegenüber ihrem Sitzstaat.

Art. 91 Abs. 1 Bst. a und c 1 Banken, die ihre Mindesteigenmittel zur Unterlegung operationeller Risiken nach dem Basisindikator- oder dem Standardansatz bestimmen, müssen dazu für die drei vorangegangenen Jahre jeweils einen Ertragsindikator berechnen. Dieser entspricht der Summe der folgenden Positionen der Erfolgsrechnung: a. Brutto-Erfolg Zinsengeschäft; c. Erfolg aus dem Handelsgeschäft und der Fair-Value-Option;

Art. 123 Emittentenspezifische Gesamtposition Unter Berücksichtigung der Ausnahmen nach Artikel 114 berechnen sich die Netto- Longpositionen jedes einzelnen Emittenten inner- und ausserhalb des Handels- buches separat für Schuld- und Beteiligungstitel nach den Artikeln 51 und 52. Feste Übernahmezusagen aus Emissionen können nach Artikel 103 behandelt werden. Die Summe der einzelnen Netto-Longpositionen ergibt die emittentenspezifische Gesamtposition.

Art. 131 Abs. 3 Bst. c

3 Er berechnet sich aus der Summe des Zuschlags für den Marktanteil und des

Zuschlags für die Grösse der Finanzgruppe unter Abzug der Erleichterungen für Massnahmen zur Verbesserung der Sanier- und Liquidierbarkeit der Finanzgruppe im In- und Ausland. Zuschläge und Erleichterungen werden wie folgt bestimmt: c. Die Erleichterungen für Massnahmen zur Verbesserung der globalen Sanier- und Liquidierbarkeit der Finanzgruppe gemäss den Bestimmungen der Arti- kel 65 und 66 BankV28 sind durch die FINMA nach Anhörung der Schwei- zerischen Nationalbank zu bemessen. Die FINMA stützt sich dazu auf die Wirksamkeit der Massnahmen zur Verbesserung der globalen Sanier- und Liquidierbarkeit der Finanzgruppe und berücksichtigt die Wechselwirkun- gen unter den verschiedenen Rabattgruppen. Die Erleichterungen dürfen die Umsetzbarkeit des Notfallplans nicht gefährden.

28 SR 952.02

1303

Bankenverordnung AS 2014

Art. 135 Gesamtengagement

1 Das Gesamtengagement entspricht dem Nenner der nach den Vorgaben des Basler

Mindeststandard berechneten Leverage Ratio. Es stellt ab auf die Werte der Rech- nungslegung und erfasst Bilanz- und Ausserbilanzpositionen.

2 Die FINMA erlässt technische Ausführungsbestimmungen nach Massgabe des

Basler Mindeststandards.

Art. 137 Abs. 1

1 Banken, die ihre Positionen nach bisherigem Recht gemäss den für den Schweizer

Standardansatz (SA-CH) geltenden Bestimmungen gewichtet haben, können diesen Ansatz noch bis zum 31. Dezember 2018 anwenden, um die nach ihrem Kreditrisiko gewichteten Positionen (Art. 42 Abs. 2 Bst. a) zu bestimmen, ausgenommen Posi- tionen, die direkt oder indirekt mit Wohnliegenschaften grundpfandgesichert sind. Sie können 75 Prozent der bilanzierten Wertberichtigungen und Rückstellungen zur Deckung von Positionen, für welche Eigenmittel benötigt werden, von den gewich- teten Positionen abziehen, soweit diese nicht verrechnet werden.

Art. 142 Abs. 6

6 Bis zum 31. Dezember 2017 beträgt der Schwellenwert 3 (Art. 35 Abs. 4)

15 Prozent des harten Kernkapitals nach Berücksichtigung aller regulatorischen

Anpassungen mit Ausnahme des Abzuges am Schwellenwert 3.

Art. 148a Übergangsbestimmung zur Änderung vom 30. April 2014 Banken müssen die Anforderungen an das Gesamtengagement nach Artikel 135 spätestens am 1. Januar 2016 nach dem neuen Recht erfüllen.

1304

Bankenverordnung AS 2014

Anhang 1 Ziff. 3.1, 5.1, 5.2, 6.1, 6.2, Bemerkungen

Ziffer Eventualverpflichtungen und unwiderrufliche Zusagen Kreditumrechnungsfaktoren

SA-BIZ

3.1 Kurzfristige selbstliquidierende Handelsakkreditive aus Warenhandelsgeschäften wie Dokumentenakkreditive, 0,20 die durch die zugrunde liegende Fracht besichert sind

5.1 Transaktionsbezogene Eventualverpflichtungen wie Erfüllungsgarantien, Bietungsgarantien, Produktgarantien 0,50 und Standby-Akkreditive, die mit bestimmten Geschäften zusammenhängen 5.2 Note Issuance Facilities (NIFs) und Revolving Underwriting Facilities (RUFs) 0,50

6.1 Direkte Kreditsubstitute wie allgemeine Kreditbürgschaften einschliesslich Standby-Akkreditive, die als 1,00 finanzielle Sicherheiten für Darlehen und Wertpapiere dienen, und Akzepte einschliesslich Indossamente, die den Charakter von Akzepten haben

6.2 Übrige Eventualverpflichtungen 1,00

Bemerkungen:

1. Übrige Eventualverpflichtungen (unter Ziffer 6.2) beinhalten insbesondere:

– Pensionsgeschäfte und Wertpapierverkäufe mit Rückgriffsmöglichkeit, wobei das Kreditrisiko bei der Bank verbleibt [§83 (ii) der Basler Mindeststandards]; – Verleihen von Wertpapieren und Hinterlegen von Wertpapieren als Sicherheiten sowie Wertpapierpensionsgeschäfte und ähnliche Geschäfte wie Repos und Reverse Repos sowie Wertpapierleihegeschäfte [§84 der Basler Mindeststandards]; – Terminkäufe, Forward Forward Deposits und nur teilweise eingezahlte Aktien und Wertpapiere, die Zusagen mit sicherer Inanspruchnahme darstellen [§84 (i) der Basler Mindeststandards]; 2. Wenn die Zusage zur Bereitstellung einer ausserbilanziellen Position gegeben wird, können die Banken den niedrigeren der beiden anwendbaren Kreditumrech- nungsfaktoren anwenden [§86 der Basler Mindeststandards].

1305

Bankenverordnung AS 2014

Anhang 2 Ziff. 1.2

Ziffer Positionsklassen (SA-BIZ) mit der Möglichkeit zur Verwendung Ratingklassen externer Ratings

1 2 3 4 5 6 7 ohne fest

Rating

1.2 Eidgenossenschaft und Schweizerische Nationalbank, – – – – – – – – 0% sofern die Forderung auf Landeswährung lautet und in dieser refinanziert ist

1306

Bankenverordnung AS 2014

5. Liquiditätsverordnung 30. November 201229

Art. 18 Abs. 2 Bst. a

2 Diese Banken melden der FINMA im Rahmen des allgemeinen Meldewesens die

Summe: a. der per Abschluss des Geschäftsjahres in den Bilanzpositionen «Verpflich- tungen aus Kundeneinlagen und Kassenobligationen» ausgewiesenen Einla- gen;

6. Börsenverordnung vom 2. Dezember 199630

Art. 29 Abs. 1 und 4

1 Die Bestimmungen der Eigenmittelverordnung vom 29. September 200631 sowie

die Bestimmungen der Bankenverordnung vom 30. April 201432 (BankV) über die Jahresrechnung (Art. 25–42) gelten auch für Effektenhändler.

4 Als Vollkosten gelten die Aufwendungen, die in der Erfolgsrechnung des letzten

Jahresabschlusses unter folgenden Positionen nach Anhang 1 der BankV ausgewie- sen sind: a. Personalaufwand; b. Sachaufwand; c. Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanla- gen und immateriellen Werten; d. Veränderungen von Rückstellungen und übrigen Wertberichtigungen sowie Verlusten, sofern ein Nettoaufwand ausgewiesen wird.

Art. 29a Abs. 1 1 Für Effektenhändler, die Zusatzliquidität nach Artikel 37h Absatz 3 des Bankenge- setzes vom 8. November 193433 sicherzustellen haben, gilt Artikel 18 der Liquidi- tätsverordnung vom 30. November 201234.

29 SR 952.06 30 SR 954.11 31 SR 952.03 32 SR 952.02 33 SR 952.0 34 SR 952.06

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Bankenverordnung AS 2014

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