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19.3057 · Interpellation · 2019-03-07

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

1. Hält es der Bundesrat für wichtig, etwas gegen das Defizit an den Schulen im Bereich der Vermittlung von Wissen über Frauenfiguren und Frauenbewegungen zu unternehmen?

2. Teilt der Bundesrat die Auffassung, dass dieser Mangel an Sichtbarkeit die Gleichstellung der Geschlechter nicht fördert?

3. Wenn ja, was gedenkt er zu tun, um diesen gravierenden Mangel zu beheben, der dazu führt, dass die historische, gesellschaftliche und politische Rolle der Frauen in der Schweiz nicht wahrgenommen wird?

Begründung

Im Mai 2018 antwortete der Bundesrat auf mein Postulat 18.3102, das eine Untersuchung der Vermittlung von geschichtlichem Wissen über historische Frauenfiguren unseres Landes und die Frauenbewegungen forderte: "Der Bundesrat erachtet das Anliegen des Postulates, die Geschichte der Frauen, der Frauenbewegungen und des Feminismus im Rahmen des obligatorischen Unterrichts zu behandeln und so die Schülerinnen und Schüler für die Geschlechtergleichstellung zu sensibilisieren, als berechtigt. Es hat sich in der Tat gezeigt, dass das vorherrschende Geschichtsbild von Männerfiguren geprägt ist. Eine ausgewogene Darstellung der grossen Persönlichkeiten der Schweizer Geschichte wäre daher wichtig, umso mehr als der Schule eine zentrale Rolle bei der Weitergabe des Wissens an die nächste Generation zukommt. Damit würde der Beitrag bedeutender Frauen und der Frauen im Allgemeinen sowie ihr Beitrag an der Entwicklung der Schweiz gewürdigt und anerkannt. ..."

Der Bundesrat beantragte jedoch unter dem Vorwand des Föderalismus in Bezug auf die Lehrpläne an den Schulen die Ablehnung des Postulates. Wir erleben aber weltweit eine Art von neuem "Frühling für die Frauenrechte". Auch in der Schweiz bleibt viel zu tun. Wichtig für die Emanzipation, die Freiheit und die Anerkennung der Frauen ist, dass sie ihre Sichtbarkeit (ihrer Handlungen, Fähigkeiten, Rollen) zurückerhalten. Der historischen Rolle der Frau wird zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, und der Bundesrat ist auch dieser Meinung.

Ich möchte darum vom Bundesrat wissen, welchen Stellenwert er dieser Wissensvermittlung und der Sichtbarmachung von Frauenfiguren und -bewegungen beimisst und welche Mittel er einzusetzen gedenkt, um den strukturellen Mangel in den Lehrplänen zu beheben.

Stellungnahme des Bundesrates

1.-3. In der Antwort auf das Postulat Marra 18.3102, "Das Thema Gleichberechtigung von Frauen und Männern an unseren Schulen" (im Rat noch nicht behandelt), wurde darauf hingewiesen, dass gemäss Artikel 62 Absatz 1 der Bundesverfassung die Kantone für das Schulwesen zuständig sind. Der Bund verfügt im Bereich der obligatorischen Schule über keine direkten Kompetenzen. Der Bundesrat kann den Kantonen daher nicht vorschreiben, bestimmte Inhalte in ihre Lehrpläne aufzunehmen.

In den vergangenen Jahren wurden verschiedene kantonale Initiativen ergriffen mit dem Ziel, das Thema der Gleichstellung im schulischen Rahmen zu behandeln. So gehören die Kursunterlagen "L'école de l'égalité" zum Unterrichtsmaterial, das den Lehrpersonen von der Conférence intercantonale de l'instruction publique de la Suisse romande et du Tessin (CIIP) zur Verfügung gestellt wird (https://bdper.plandetudes.ch/ressources/groupe/204/). Das nationale Kompetenz- und Dienstleistungszentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung (Education 21), stellt für die obligatorische Schule ebenfalls Unterrichtsmaterial zu den Themen Gender, Geschlechterrollen und Gleichstellung zur Verfügung (https://www.education21.ch/de/lernmedien/themenfenster/gender: "Sind Frauen und Männer gleich?").

Unabhängig davon werden in den nächsten zwei Jahren die Projekte und Veranstaltungen zur Feier des 50-jährigen Jubiläums des Frauenstimmrechts die Gelegenheit bieten, die historische Rolle wichtiger Frauenfiguren hervorzuheben und an die Bedeutung der Frauenbewegungen zu erinnern. Das Schweizerische Nationalmuseum wird 2021 mit einer Ausstellung einen wichtigen Beitrag zu diesem Thema leisten.

Das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement wird 2021 in Zusammenarbeit mit den Kantonen die 6. Nationale Föderalismuskonferenz den politischen Rechten, der Einführung des Stimm- und Wahlrechts für Frauen auf eidgenössischer Ebene sowie der Rolle der Kantone widmen.

Antwort des Bundesrates.