20.3458 · Postulat · 2020-05-18
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Kantonen einen Aktionsplan "Bildungsoffensive Schweiz - digitales Klassenzimmer" zu erarbeiten und darüber Bericht zu erstatten.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat teilt das Anliegen des Postulats, die Digitalisierung im Bildungswesen voranzutreiben. Die Bildungsinstitutionen aller Stufen leisten grosse Anstrengungen, um das Lehren und Lernen dem digitalen Zeitalter anzupassen. Auch Bund und Kantone tragen dazu bei.
Nutzen und Herausforderungen der Digitalisierung werden auf allen Ebenen des Bildungssystems und der Forschung schon seit Jahren breit - und nach der jüngsten Fernunterrichtsphase noch intensiver - diskutiert. Es werden Strategien ausgearbeitet, und die verschiedenen Akteure haben Massnahmen vorgesehen oder bereits umgesetzt. So hat beispielsweise educa.ch, die Fachagentur von Bund und Kantonen, im Anschluss an die Schliessung der Schulen Eduport ins Leben gerufen, eine Plattform zur Unterstützung der kantonalen Behörden bei der Umsetzung des Fernunterrichts. Auf der Basis des Berichts von educa.ch "Daten in der Bildung - Daten für die Bildung" vom August 2019 entwickeln Bund und Kantone zurzeit eine Datennutzungspolitik für den Bildungsraum Schweiz.
Auf Bundesebene gehört die Digitalisierung zu den transversalen Themen der BFI-Botschaft 2021-2024, wobei die Herausforderungen der Digitalisierung auf allen Bildungsebenen behandelt werden. Die Strategie "Digitale Schweiz" soll 2020 überarbeitet werden und auch das Bildungswesen berücksichtigen.
In der Erklärung 2019 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen für den Bildungsraum Schweiz haben Bund und Kantone die Digitalisierung als einen wichtigen Schwerpunkt festgehalten.
Im Bereich der Volksschule, für die die Kantone zuständig sind, verweisen die sprachregionalen Lehrpläne auf zentrale Kompetenzen, um die Schülerinnen und Schüler auf die digitalisierte Welt vorzubereiten. Auf interkantonaler Ebene hat die Plenarversammlung der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) am 21. Juni 2018 ihre Strategie für den Umgang mit Wandel durch Digitalisierung im Bildungswesen verabschiedet. Gestützt darauf wurde 2019 eine Massnahmenplanung beschlossen. Auf Stufe Gymnasium haben der Bundesrat und die EDK 2018 entschieden, das Fach Informatik spätestens ab dem Schuljahr 2022/2023 für alle Gymnasiastinnen und Gymnasiasten als obligatorisch zu erklären. Im Rahmen des Leitbilds "Berufsbildung 2030" werden die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung umfassend diskutiert und Massnahmen eingeführt.
Im Hochschulbereich besteht mit den projektgebundenen Beiträgen nach Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz (HFKG) bereits ein Instrument, um Projekte von gesamtschweizerischer Bedeutung, unter anderem zum Thema der Digitalisierung, über mehrere Jahre finanziell zu unterstützen. Die Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen (swissuniversities) hat das Impulsprogramm "P-8 Stärkung von Digital Skills in der Lehre" lanciert, mit dem die Kompetenzen der Hochschulen, der Lehrkräfte und der Studierenden im Bereich Digitalisierung gefördert werden sollen. Am 21. September 2018 hat der Bundesrat zudem das Nationale Forschungsprogramm (NFP) zum Thema "Digitale Transformation" gestartet und den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) mit dessen Durchführung beauftragt. Hauptziel des Programms ist es, eine Wissensgrundlage zu den Chancen und Risiken der Digitalisierung für Gesellschaft und Wirtschaft aufzubauen. Einer der Schwerpunkte lautet "Bildung, Lernen und digitaler Wandel".
Der Bundesrat erachtet die von Bund und Kantonen bereits eingeführten Verfahren und strategischen Massnahmen als zielführend. Diese Massnahmen werden entsprechend den jeweiligen Zuständigkeiten von Bund und Kantonen koordiniert und im Einklang mit den bestehenden Gesetzesgrundlagen umgesetzt. Angesichts der Erkenntnisse aus der Fernunterrichtszeit während der Covid-19-Krise prüfen Bund und Kantone nun, ob es - unter Einhaltung der jeweiligen Zuständigkeiten - allenfalls zusätzliche Massnahmen im Bereich der Digitalisierung im Bildungswesen braucht. educa.ch wurde beauftragt, per Ende 2020 einen Vertiefungsbericht "Digitalisierung in der Bildung" zu erstellen. Die Erkenntnisse werden in den nächsten Bildungsbericht Schweiz einfliessen, der 2022 veröffentlicht wird.
Aus all diesen Gründen sieht der Bundesrat keinen Zusatznutzen darin, einen Aktionsplan "Bildungsoffensive Schweiz - digitales Klassenzimmer" und einen zusätzlichen Bericht zu erarbeiten.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.