20.4443 · Interpellation · 2020-12-06
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Das üblicherweise bevorzugte Vorgehen bei der Sanierung von mit Schwermetallen verunreinigten Böden in Schiessanlagen ist der Aushub und die anschliessende Behandlung des verunreinigten Bodens. Wäre die Phytoremediation nicht eine weniger invasive Lösung, die ausserdem den Vorteil mit sich bringt, dass Treibhausgasemissionen vermieden werden können, die mit dem Transport und der Entsorgung der verunreinigten Erde zusammenhängen?
Könnte die Phytoremediation nach dem Vorbild von Projekten im Ausland und unter gewissen Voraussetzungen nicht nur im Kontext von Schiessanlagen, sondern auch allgemein eine gute Lösung zur Befreiung des Bodens von Schadstoffen sein?
Stellungnahme des Bundesrates
Die Kugelfänge bei Schiessanlagen sind mit sehr hohen Konzentrationen von Blei und Antimon belastet.
Solche erheblichen Schadstoffmengen können von den Pflanzen nicht mehr aufgenommen werden. Aus diesem Grund ist die Phytoremediation für die Sanierung der Kugelfänge von Schiessanlagen nicht geeignet. Für diese Standorte ist die Sanierung über das Ausheben des schadstoffbelasteten Materials, seinen Abtransport und die Behandlung in einer Bodenwaschanlage aus technischer, wirtschaftlicher und ökologischer Sicht die bessere Lösung.
Die Phytoremediation kann für die Dekontamination von Böden mit geringen Schadstoffkonzentrationen angewendet werden; unter diesen Bedingungen kommt sie im Ausland bereits zum Einsatz. Allerdings birgt sie in diesen Fällen auch Nachteile: Am Standort müssen nämlich spezifische Pflanzen angesät werden, die regelmässig gemäht und sachgemäss beseitigt werden müssen, was wiederum zu Transporten führt. Dadurch kann der Standort mehrere Jahre, wenn nicht Jahrzehnte nicht anderweitig genutzt werden. Alternativ werden solche Böden ausgehoben und über Phytoremediation an ausgewählten Standorten saniert. Da der Flächen- und der Zeitbedarf dafür beachtlich sind, wurde bislang noch kein konkretes Projekt entwickelt.
Der grosse Vorteil der Phytoremediation ist jedoch, dass es sich um eine nichtinvasive Methode für Böden handelt. Eine derzeit laufende Literaturstudie des Bundesamts für Umwelt (BAFU) soll besseren Aufschluss darüber geben, unter welchen Bedingungen die Phytoremediation für flächenhaft verteilte (diffuse), geringe Bodenbelastungen an die Verhältnisse in der Schweiz angepasst werden kann. Die Ergebnisse dieser Studie sollen bis Ende 2021 auf der Website des BAFU publiziert werden.
Antwort des Bundesrates.