20.4459 · Motion · 2020-12-10
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Produktion von zertifizierten wiederverwendbaren Stoffmasken zu unterstützen. Diese Massnahme soll die Auswirkungen auf die Umwelt und insbesondere die Verschmutzung, die von Einwegmasken ausgeht, verringern.
Begründung
Seit der Erweiterung der Maskenpflicht zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie hat die Verschmutzung des öffentlichen Raums durch Einwegmasken massiv zugenommen. Einwegmasken werden normalerweise aus Polypropylen hergestellt, einem Kunststoff, der bis zu 450 Jahre braucht, bis er in der Umwelt abgebaut ist.
Unter der Leitung der Schweizerischen Normen-Vereinigung (SNV) erarbeiten Fachleute gegenwärtig eine Norm für wiederverwendbare Stoffmasken. Die Norm soll Anfang 2021 publiziert werden und definiert in erster Linie, wie stark der Schutz durch die Masken ausfallen muss. Darüber hinaus dürfen aber auch die Herkunft der verwendeten Rohstoffe und ihre Verarbeitung nicht ausser Acht gelassen werden.
Der Bundesrat soll die Herstellung von wiederverwendbaren Stoffmasken unterstützen, die der neuen Norm für Stoffmasken entsprechen und hinsichtlich ökologischer Rohstoffe und einer nachhaltigen Verarbeitung zertifiziert sind. Diese Unterstützung könnte in Form von Beiträgen zu Forschung und Entwicklung, zum Einkauf von Rohstoffen, zur Verarbeitung oder zur Senkung des Verkaufspreises geleistet werden.
Nach der Investition in die Produktion von Einwegmasken während der ersten Welle im Frühling 2020 sollte nun in eine längerfristige und umweltfreundliche Massnahme zur Bekämpfung der Ausbreitung von Covid-19 investiert werden.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt der Bevölkerung die Verwendung von medizinischen Gesichtsmasken (Einwegmasken) oder wiederverwendbaren industriell gefertigten Textilmasken, sogenannte Community-Masken. Es gibt verschiedene Community-Masken auf dem Markt, welche den Empfehlungen für Qualitätsstandards der Swiss National COVID-19 Science Task Force entsprechen. Deren Preise sind mit jenen der Hygienemasken - auf die Nutzungsdauer gerechnet - vergleichbar. Es ist deshalb davon auszugehen, dass bei der Wahl der Maske nicht der Preis entscheidend ist, sondern das Traggefühl oder ökologische bzw. ästhetische Überlegungen.
Die eidgenössische Materialprüfungsanstalt (Empa) hat in der Studie "Cotton and Surgical Masks - What Ecological Factors Are Relevant for Their Sustainability?" die Umweltbelastung der Hygienemasken und der Community Masken verglichen und kam zu keinem eindeutigen Schluss. Entscheidend ist die Nutzungsdauer der Community Masken. Community Masken schneiden beim Energieverbrauch und der Treibhausgasbilanz besser ab, Hygienemasken beim Wasserverbrauch und der Gesamtumweltbelastung. Grund dafür ist die ressourcenintensive Baumwollproduktion. Ab einer Grössenordnung von etwa 20 mal Waschen liegt die Community Maske nicht nur bezüglich des Energieverbrauchs und der Treibhausgasbilanz, sondern auch bezüglich der Gesamtumweltbelastung vorne.
Aufgrund der guten Verfügbarkeit von Community-Masken auf dem Markt ist der Bundesrat der Ansicht, dass kein Handlungsbedarf besteht und eine finanzielle Unterstützung nicht notwendig ist.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.