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21.3355 · Motion · 2021-03-18

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Hochschulen und den einschlägigen Normenkommissionen die Möglichkeiten zur Dekarbonisierung des Infrastrukturbaus zu erforschen. Insbesondere ist zu prüfen bzw. anzustreben, Stahlbeton durch CO2-speichernde Materialien zu ergänzen bzw. zu ersetzen. Dabei soll die Erforschung und Innovation des Werkstoffs Holz für den breiten Einsatz im Infrastrukturbau im Vordergrund stehen. Es ist eine entsprechende Forschungs- und Umsetzungs-Strategie auszuarbeiten.

Begründung

Der Infrastrukturbau zählt zu den grössten CO2-Emittenten der Schweiz. Hauptursache ist der Einsatz von Stahlbeton. Die Zementproduktion (2020: 4 214 785 Tonnen, Quelle cemsuisse.ch) trägt mit einem jährlichen CO2-Ausstoss von etwa 2,5 Millionen Tonnen über 5 Prozent zum nationalen CO2-Ausstoss (46,4 Mio to) bei.

Für den Bau von Infrastrukturen, im Gebäude-, aber auch in andern Bereichen wie beispielsweise im Strassensektor, liegen heute bereits verschiedene Lösungen mit Materialien vor, die bei der Herstellung nicht CO2 produzieren, sondern speichern, wie zum Beispiel Holz. Ein Kubikmeter Holz speichert etwa 1 Tonne CO2 langfristig. Bei fachgerechtem Einsatz ist Holz bei Infrastrukturbauten in allen Bereichen ein sehr langfristiger und auch kostengünstiger CO2-Speicher. Die Vorteile gegenüber dem derzeit diskutierten CCS (Carbon Capture and Storage, CO2-Abscheidung und Speicherung) sind offensichtlich: beim CCS bezahlt man einen hohen Betrag pro Tonne CO2 für die reine Speicherfunktion, diese ist bei der Holzverwendung für die Infrastrukturerstellung im Preis inbegriffen, also sozusagen kostenlos.

Obwohl erste vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten von Holz im Infrastrukturbau vorliegen, ist eine verstärkte Förderung von Forschung und Innovation nötig, damit rechtzeitig ein wesentlicher Beitrag zur Speicherung von CO2 und zur Reduktion der CO2-Produktion geleistet werden kann. Es soll zusammen mit Hochschulen und Normenverbänden eine Forschungs- und Umsetzungsstrategie ausgearbeitet werden, die allgemeine Grundlagen schafft, sich aber auch konkret auf die verschiedenen Bereiche und Bauwerkstypen fokussiert. Die mit der Erstellung von Infrastrukturbauten befassten Ämter wie beispielsweise ARMASUISSE, ASTRA, BAFU, BAV (SBB), BBL, BFE, BWO ODER PUBLICA sind entsprechend zu involvieren.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Stellungnahme des Bundesrates

Die Dekarbonisierung ist im Hinblick auf das Netto-Null-Ziel ein wichtiges Anliegen des Bundesrates. Im Holz als Baustoff liegt ein grosses Klimaschutzpotential, das derzeit noch zurückhaltend genutzt wird. Damit die Wahl für passende Bauteile aber auf die Ressource Holz fällt, muss eine funktionierende Wertschöpfungskette sowie die notwendige Wettbewerbsfähigkeit vorhanden sein.

Der Bundesrat hat mit dem Bericht in Erfüllung des Postulates 13.3924 Jans "Optimierung der Waldnutzung" bereits Ende 2017 Massnahmen aufgezeigt, um die Holznutzung, aber auch die Holzverarbeitung und die Holzverwendung in der Schweiz zu stärken. Der Bund ist seit 2017 dabei, die in seiner Kompetenz liegenden Massnahmen im Öffentlichen Beschaffungswesen, in der Forschung, Entwicklung und Innovation sowie der Öffentlichkeitsarbeit umzusetzen.

Mit dem nationalen Forschungsprogramm "Ressource Holz" (NFP 66) wurden zudem in den Jahren 2012-2016 praxisorientierte Lösungsansätze für eine bessere Verfügbarkeit und eine breitere Nutzung der Ressource Holz erarbeitet (z.B. der Einsatz von Holzfasern in Bioprodukten wie Stoff für Kleider oder abbaubarem Plastik). In einem Schwerpunkt des Programms wurde die "Weiterentwicklung im Holzbau" mit Forschungsprojekten gefördert.

Die Instrumente zur Umsetzung von Massnahmen sind der Aktionsplan Holz (APH), die Wald- und Holzforschungsförderung Schweiz (WHFF-CH), die Umwelttechnologieförderung, die mit dem totalrevidierten CO2-Gesetz neu geplanten Instrumente des Klimafonds sowie der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse. Das Forschungskonzept Umwelt des Bundes für die Jahre 2021-2024 (BAFU 2020) legt zudem die prioritären Forschungsthemen in den angesprochenen Bereichen wie Klima, Kreislaufwirtschaft sowie Wald und Holz fest.

Nach Ansicht des Bundesrates liegen somit im Bereich der Forschung mit dem NFP 66 sowie Projekten aus dem APH und der WHFF-CH bereits weitreichende Grundlagen vor, die keine zusätzliche Forschungsstrategie erfordern. Er beantragt deshalb die vorliegende Motion zur Ablehnung. Der Bundesrat erachtet zum jetzigen Zeitpunkt vielmehr die Umsetzung der Forschungsergebnisse sowie eine Abstimmung der jeweiligen Umsetzungsarbeiten zwischen den Akteuren entlang der Wertschöpfungskette Wald und Holz als zentral. Die Akteure dieser Umsetzung sind vornehmlich Bund, Kantone, Forschung sowie die Wirtschaft.

Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) wertet zurzeit die vorhandenen Forschungsergebnisse aus und prüft die Möglichkeiten zur Dekarbonisierung des Infrastrukturbaus. Dabei werden namentlich Massnahmen geprüft, um die Verwendung des Werkstoffs Holz im Infrastrukturbau zu fördern.

Aus Sicht des Bundesrates sind die Anliegen der vorliegenden Motion erfüllt und werden im Rahmen der laufenden Arbeiten bereits aufgenommen.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Erforschung und Innovation des Werkstoffs Holz für den Einsatz im Infrastrukturbau als Dekarbonisierungs-Beitrag | Lexipedia | Lexipedia