21.3838 · Postulat · 2021-06-17
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Da es in der Schweiz über den Mischkonsum von Alkohol und Medikamenten nur sehr wenig Daten gibt, wird der Bundesrat beauftragt, einen Bericht vorzulegen, der evaluiert, in welchem Ausmass die Jungen mit diesem Problem konfrontiert sind.
Gleichzeitig wird der Bundesrat beauftragt, einen Bericht über eine gemeinsame Strategie mit den Kantonen vorzulegen, um diese gefährliche Praxis zu bekämpfen.
Begründung
Mischungen aus Medikamenten, Schlafmitteln, Beruhigungsmitteln und Hustensirup auf Opiatbasis, die man unter anderem in der elterlichen Apotheke vorfinden kann, scheinen bei den Jungen in der Schweiz beliebt zu sein. 2020 sind mindestens sechs Personen daran gestorben, innerhalb von drei Jahren waren es gemäss Sucht Schweiz mehrere Dutzend. Obwohl die Prävention Sache der Kantone ist, sollte das BAG seine Koordinationsfunktion wahrnehmen und Alarm schlagen. Die Datenbasis in der Schweiz über den Mischkonsum bei den Jungen ist schwach, obwohl die Situation nicht neu ist. Aber welche Substanzen im Trend liegen, ändert sich.
Bevor sich die Situation weiter verschlechtert, muss sich der Bundesrat unbedingt über das BAG mit den Kantonen koordinieren, um diesem gefährlichen Suchtphänomen entgegenzuwirken.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat weiss um die Problematik des Mischkonsums. Die Bekämpfung dieser Problematik erfolgt im Rahmen der Umsetzung der Nationalen Strategie Sucht 2017 - 2024. Zusätzlich zu den bestehenden strukturellen Massnahmen, wie z. B. der Einschränkung der Erhältlichkeit von Alkohol und Medikamenten durch Altersbeschränkung und Rezeptpflicht, liegt der Schwerpunkt auf der Erfassung und Prävention des Mischkonsums unter Jugendlichen.
Die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog) führt eine Situations- und Bedarfsanalyse durch mit dem Ziel, Wissensgrundlagen zum Thema "Jugendliche und Mischkonsum" zusammenzustellen und Empfehlungen für Fachpersonen in der Prävention und Schadenminderung zu erarbeiten. Die Resultate der Analyse sollen bis Ende 2021 vorliegen. Um weitere Daten zu erhalten, ist in der HBSC-Erhebung (Schülerinnen- und Schüler-Befragung) 2022 zudem eine Frage zum Thema Mischkonsum geplant.
Über den Alkoholpräventionsfonds wird das Projekt "Wodka, Benzos & Co: Jugendliche und junge Erwachsene mit Mischkonsum" unterstützt, in dem durch den partizipativen Einbezug von Jugendlichen und jungen Erwachsenen Wissenslücken geschlossen und Interventionskonzepte zur Risikominimierung erarbeitet werden. Weiter erarbeitet Sucht Schweiz mit finanzieller Unterstützung durch den Alkoholpräventionsfonds einen Leitfaden für Eltern von Jugendlichen, da diese Schlüsselakteure in der Prävention von Risikoverhalten sind. Zudem intensiviert der Bundesrat zusammen mit den Kantonen - wie im Bericht in Erfüllung des Postulats Rechsteiner 17.4076 "Perspektiven der schweizerischen Drogenpolitik" (Massnahme 10) aufgezeigt - die Früherkennung und Frühintervention in Bezug auf gefährdete Jugendliche.
Mit diesen Aktivitäten sowie in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen und weiteren Akteuren verfolgt der Bund die Entwicklungen und kann - wenn nötig - weitere Massnahmen ergreifen. Ein Bericht würde diesbezüglich keine neuen Erkenntnisse liefern.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.