21.4521 · Postulat · 2021-12-16
Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen über die verschiedenen Arten der Unterstützung von Sportlerinnen und Sportlern, die die Schweiz an Sportgrossanlässen wie den Olympischen Spielen, den Paralympics oder Weltmeisterschaften vertreten. Um die Studie gezielt zu fokussieren, wird vorgeschlagen, darin nur die Kategorien 1-3 der von Swiss Olympic erstellten Einstufung der Sportarten zu behandeln. Dieses Steuerungsinstrument wird in Sportkreisen anerkannt und ermöglicht eine effiziente Zuteilung der verschiedenen Ressourcen. Der Bericht soll insbesondere die folgenden Punkte behandeln:
- die verschiedenen Arten der Unterstützung, insbesondere finanzieller Art, die für Athletinnen und Athleten vorgesehen sind, die in Nationalmannschaften oder als Einzelpersonen in einer Sportart aktiv sind;
- etwaige Unterschiede bei Prämien, Pauschalen oder Preisgeldern, die an Frauen und die an Männer gezahlt werden;
- die Frage, ob es angebracht ist, neue Instrumente zu entwickeln, um eine "sozioökonomische Auswahl" von Talenten zu verhindern.
Begründung
Es wird gerne betont, dass die Schweizer Bevölkerung sportlich ist und sich für Sport interessiert. Man sieht, wie sehr internationale Wettkämpfe das Interesse von breiten Teilen der Bevölkerung wecken; in den verschiedenen Medien finden sich unzählige Artikel über die Nati oder Leistungsanalysen anhand der Anzahl gewonnener Medaillen an den Olympischen Spielen. Der im Juni 2021 veröffentlichte Bericht über den Schweizer Spitzensport macht deutlich, dass die Finanzierung des Schweizer Spitzensports sehr komplex ist. Die Daten zeigen, dass bei Mannschafts- oder Teamsportarten der Verein der wichtigste Arbeitgeber und der nationale Verband der zweitwichtigste ist, gefolgt von verschiedenen anderen Einnahmequellen (private Mannschaften, Schweizer Armee). Einnahmen aus Sponsoring ergänzen die Finanzierungsquellen, und sehr häufig tragen die Familie oder das Umfeld wesentlich zu einem ausgeglichenen Budget der Athletinnen und Athleten bei.
Die öffentlichen Gelder haben seit 2010 erheblich zugenommen, sei es über die Landeslotterien, das Bundesamt für Sport, Swiss Olympic, die Schweizer Sporthilfe oder die Spitzensportförderung der Schweizer Armee. Der Spitzensport ist eine persönliche Entscheidung, und in bestimmten Sportarten können vielversprechende Karrieren zu einem äusserst komfortablen Einkommen führen. Doch es ist problematisch, dass die geplante Teilnahme an den Olympischen Spielen bei zahlreichen Athletinnen und Athleten das Budget aus dem Gleichgewicht bringt, was gewissermassen zu einer sozioökonomischen Auswahl der Talente führt.
So hat zum Beispiel eine Hockeyspielerin, die in einer Schweizer Mannschaft in der National League spielt, oft nicht die gleichen Möglichkeiten wie ihr männlicher Kollege. Wenn sie gegen eine geringe Vergütung im Ausland spielt, profitiert sie nicht von den Entschädigungen, die der Verband ihrem Verein zahlt. Die Beiträge, die der Verband für die Vorbereitungslager zahlt, sind mit 250 Franken für 6 Tage in Basel oder 1500 Franken für 24 Tage in Calgary höchst bescheiden.
Zwar haben sich die Spitzensportlerinnen und Spitzensportler dafür entschieden, viele Opfer zu bringen, um ihr Ziel zu erreichen; es ist allerdings fragwürdig, dass sie sich in finanzielle Schwierigkeiten bringen oder sogar verschulden müssen, während ihre Leistungen dazu beitragen, das Schweizer Sportsystem in seiner Gesamtheit aufzuwerten.
Sportliche Erfolge tragen zu einem positiven und dynamischen Bild der Schweiz bei, die Medienpräsenz des Sports fördert den Nachwuchs, der Breitensport ist eng mit dem Spitzensport verbunden und es stehen umfangreiche öffentliche Finanzmittel zur Verfügung. Deshalb ist es notwendig, dass man über dokumentierte Angaben über die an die Athletinnen und Athleten gezahlten Entschädigungen verfügt.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Spitzensport in der Schweiz ist grundsätzlich privatrechtlich organisiert. Das von Athletinnen und Athleten mit ihren Leistungen erzielbare Einkommen - darin enthalten auch Preis- und Startgelder sowie Prämien - ist in erster Linie vom Kommerzialisierungspotenzial der Sportart abhängig. Deren Popularität in der Bevölkerung, die Möglichkeiten der medialen Inszenierung und das Werbe- und Sponsoringinteresse spielen dabei zusammen und beeinflussen dieses Potenzial massgeblich. Aus Sicht des Bundesrates ist es nicht die Aufgabe des Staates, in diese Marktmechanismen einzugreifen und so auf die Einkommensmöglichkeiten im privaten Sektor Einfluss zu nehmen. Aufgabe der öffentlichen Hand ist es, den Spitzensport durch subsidiäre Förderleistungen und -instrumente, zu welchen alle Athletinnen und Athleten gleichermassen Zugang haben, gesamtheitlich zu unterstützen.
Swiss Olympic, die Sporthilfe und der Bund haben in den letzten Jahren erhebliche, eng aufeinander abgestimmte Anstrengungen unternommen, um den Spitzensport in der Schweiz weiterzuentwickeln. Diese Unterstützungs- und Fördertätigkeit erfolgt geschlechtsneutral.
Der vom Bund mitfinanzierte Dachverband des Schweizer Sports Swiss Olympic sorgt durch die finanzielle Unterstützung der nationalen Sportverbände für möglichst optimale Ausbildungs- Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten im Nachwuchs- und Elitebereich, sowohl bei den Männern als auch den Frauen. Darüber hinaus haben Swiss Olympic und die Sporthilfe 2021 rund 500 Athletinnen und Athleten (Frauenanteil knapp 50%) mit durchschnittlich je 15'000 Franken unterstützt. Für die Bestimmung der Beitragshöhe sind die Einkommensverhältnisse sowie die Kosten für die Ausübung der Sportart massgebend. Athletinnen und Athleten, die weniger kommerzialisierte Sportarten betreiben, profitieren damit von höheren Beiträgen. Zudem verfügt die Sporthilfe über einen zusätzlichen Fonds zur Unterstützung von Athletinnen und Athleten in Härtefällen.
Auf Stufe Bund ist aus Sicht der Athletinnen und Athleten die Spitzensportförderung der Armee ein zentrales Instrument zu ihrer Unterstützung. Dieses Instrument wird stetig ausgebaut, damit noch mehr Spitzensportlerinnen und -sportler davon profitieren können. Aktuell leisten rund 800 Athletinnen und Athleten rund 40'000 Diensttage jährlich und erhalten dafür Sold und Erwerbsaufallentschädigung. Bei der Spitzensportförderung der Armee geniesst die Frauenförderung einen hohen Stellenwert. Entsprechend hat der Anteil der Frauen in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen und liegt seit 2019 in der Spitzensport-RS konstant über 20 Prozent.
Der Bundesrat ist überzeugt, dass sich das Zusammenspiel zwischen privaten Akteuren und der öffentlichen Hand bei der Unterstützung des Spitzensports von Frauen und Männern bewährt. Entsprechend unterstützt er die Weiterentwicklung der bestehenden Fördermöglichkeiten und sieht keinen Bedarf, im Rahmen eines Berichts zusätzliche Massnahmen im Zusammenhang mit dem Ausgleich von Einkommensmöglichkeiten zu prüfen.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.