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21.4617 · Interpellation · 2021-12-16

Finanzdepartement

Erledigt

Wortlaut

Ich bitte den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:

1. Über welche Daten und Informationen der Schweizer Finanzinstitute verfügt der Bundesrat betreffend die Entwicklung der finanziellen Risiken, die mit der Biodiversität verbunden sind, und betreffend den Umgang der Schweizer Finanzinstitute mit diesen Risiken, und welche Schlussfolgerungen zieht er daraus?

2. Ist der Bundesrat bereit, bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) zu intervenieren, damit diese die aufsichtsrechtlichen Erwartungen konkretisieren und veröffentlichen, die sie gegenüber den Finanzmarktakteuren haben in Bezug auf die Messung und die Verringerung der Biodiversitätsrisiken?

3. Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass die SNB und die FINMA gemäss dem Vorsorgeprinzip alle ihnen zur Verfügung stehenden mikro- und makroprudenziellen Instrumente einsetzen sollten, um das Finanzsystem vor den erheblichen Biodiversitätsrisiken zu schützen? Falls ja, welche Instrumente hält er für besonders wirksam?

Begründung

Mit dem rasch zunehmendem Biodiversitätsverlust sind finanzielle Risiken für den Finanzsektor verbunden, was bedeutet, dass der Biodiversitätsverlust die Stabilität des Finanzmarkts beeinflussen kann. Diese Tatsache wird von den Finanzmarktakteuren und den Regulierungsbehörden zunehmend anerkannt. Wie eine neue Analyse des WWF (SUSREG-Auswertung) zeigt, haben verschiedene Zentralbanken und Finanzmarktaufsichtsbehörden damit begonnen, die mit der Biodiversität verbundenen finanziellen Risiken zu analysieren und gegenüber den Finanzmarktakteuren entsprechende Erwartungen zu formulieren. Damit setzen sie auch die Empfehlungen des Network for Greening the Financial System (NGFS) um. Dabei handelt es sich um ein globales Netzwerk von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, das sich für ein nachhaltiges Finanzsystem einsetzt und dem auch die SNB und die FINMA angehören. Die Banque de France beispielsweise hat in einer Studie gezeigt, dass 42 Prozent der von französischen Finanzinstituten gehaltenen Wertpapiere von Unternehmen stammen, die stark von Ökosystemleistungen abhängig sind. In einer ähnlichen Studie schätzte die holländische Zentralbank, dass der niederländische Finanzsektor im Umfang von 510 Milliarden Euro exponiert ist im Zusammenhang mit Unternehmen, die stark vom natürlichen Kapital abhängig sind. Die SNB und die FINMA hingegen haben bislang keine eigenen Analysen zu den finanziellen Risiken im Zusammenhang mit der Biodiversität und zu ihrer Bedeutung für den Schweizer Finanzsektor durchgeführt. Auch haben sie ihre diesbezüglichen Erwartungen im Bereich der Aufsicht bislang nicht zum Ausdruck gebracht. Und dies, obwohl es der Bundesrat für sinnvoll hält (wie er in seinen Antworten auf die Interpellationen 20.3660 und 20.3818 festhält), dass die Finanzmarktakteure die Biodiversitätsrisiken auf ihre Tragweite hin prüfen und bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.

Stellungnahme des Bundesrates

1.-3.: Die Schweiz unterstützt die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) und ist Mitglied des "Stewardship Council", dem beratenden Organ der TNFD. Die TNFD ist eine international breit abgestützte Initiative, die am WEF 2019 ins Leben gerufen wurde. Während den nächsten drei Jahre soll ein Rahmenwerk ausgearbeitet werden, das es Unternehmen und Finanzinstitutionen ermöglicht, ihre naturbezogenen Risiken zu bewerten, verwalten und darüber zu berichten.

Im Rahmen ihrer Mandate befassen sich FINMA und SNB grundsätzlich mit allen wesentlichen potenziellen Risiken für Finanzinstitute und das Finanzsystem. Im Bereich der Umweltrisiken stehen aktuell die klimabezogenen Finanzrisiken im Vordergrund. Der Biodiversitätsverlust wird aber in der Finanzwelt auch vermehrt als Umweltrisiko thematisiert, das auch bei Finanzinstituten finanzielle Risiken hervorrufen kann.

Als Mitglieder des Networks for Greening the Financial System (NGFS) sind FINMA und SNB Teil des Austausches unter Aufsichtsbehörden und Zentralbanken über mögliche Finanzrisiken im Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust. Ein Occasional Paper des NGFS (Biodiversity and financial stability: building the case for action) zeigt auf, dass Auswirkungen des Verlustes von biologischer Vielfalt auf einzelne Finanzinstitute und Finanzsysteme möglich sind, jedoch noch weiter erforscht werden müssen, um die komplexen Übertragungsmechanismen auf das Finanzsystem besser zu verstehen. Die FINMA wird sich ihrerseits entsprechend ihrer strategischen Ziele bis 2024 verstärkt mit potenziellen, neu auftretenden oder zunehmenden Nachhaltigkeitsrisiken befassen und dabei auch die Risiken im Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust näher analysieren. Aufgrund der aktuellen Wissensgrundlage und des Fortschritts der genannten international abgestimmten Arbeiten sind spezifische Datenerhebungen zu diesem Risiko bei Finanzinstituten zurzeit noch verfrüht.

Der prinzipien- und risikobasierte Ansatz der Schweizer Finanzmarktregulierung ermöglicht bereits heute die Berücksichtigung aller wesentlichen Risikotreiber. Finanzinstitute stehen generell in der Pflicht, alle materiellen Finanzrisiken im Rahmen des Risikomanagements zu erfassen und diese angemessen zu bewirtschaften. Erhärten sich die Finanzrisiken im Zusammenhang mit dem Biodiversitätsverlust, so kommen die klassischen Aufsichtsinstrumente für diese Risiken zu tragen.

Antwort des Bundesrates.