Lexipedia

22.1053 · Anfrage · 2022-09-28

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

"Die Buchung für Ihre Reise kann nicht vorgenommen werden. Der Zug ist bereits ausgebucht oder fällt infolge einer Baustelle aus. (...)

Wir empfehlen Ihnen, eine andere Verbindung auszuwählen.

Bei Umsteigeverbindungen: Eventuell ist ein Kauf möglich, wenn Sie die Buchung in Teilstrecken aufteilen."

Diese Meldung erscheint auf der Internetseite der SBB, wenn man versucht, eine Reise Neuenburg-Paris via Frasne (F) für ein Datum nach dem Fahrplanwechsel (11.12.2022) zu buchen. Dieses Problem tritt systematisch auf. Es scheint daran zu liegen, dass die Strecke Neuenburg-Frasne im Regionalverkehr (RE in der Schweiz, TER in Frankreich) zurückgelegt wird, bevor dann ab Frasne wieder ein Fernverkehrszug benützt wird. Dadurch werden verschiedene französische Buchungssysteme aufgerufen. Die SNCF hat ihr System offenbar noch nicht für Buchungen von Reisen im Regionalverkehr nach dem 11. Dezember geöffnet, wodurch eine Buchung unmöglich ist. Dasselbe Problem tritt auch bei Buchungen für Reisen via Biel/Bienne-Delle-Belfort/Montbéliard auf. Für Verbindungen via Lausanne, Basel oder Genf (die eine Stunde länger dauern) hingegen ist die Buchung möglich. Hinzu kommt ein Programmfehler, der die Buchung in der zweiten Klasse zwischen Neuenburg und Frasne teilweise verunmöglicht.

Als aber die Direktverbindung Paris-Bern via Neuenburg Ende 2013 aufgehoben wurde, versprach man, das Angebot würde unverändert bleiben, ja sogar verbessert werden, indem bis Frasne schlicht anderes Rollmaterial eingesetzt würde. Zudem sei daran erinnert, dass im Rahmen des HGV-Anschluss-Gesetzes rund 100 Millionen Franken in die Verbesserung der Verbindung BernNeuenburgPontarlierFrasneDijon investiert wurden.

Dass aber simple Buchungen nicht möglich sind und der Eindruck vermittelt wird, der Zug sei ausgebucht oder falle aus, macht nicht gerade Werbung für diese Verbindung, ganz im Gegenteil!

Ich stelle dem Bundesrat daher die folgenden Fragen:

- Ist er über diese wiederholt auftretenden Buchungsprobleme auf dem Laufenden?

- Ist er im Austausch mit den SBB oder den französischen Behörden, damit die Situation verbessert wird?

- Ist er andernfalls bereit, sich bei den SBB und französischen Partnern dafür einzusetzen, dass dieses Problem gelöst und auf dieser Linie, die eine ganze Region mit der französischen Hauptstadt verbindet, eine qualitativ hochwertige Dienstleistung sichergestellt wird?

- Ist er bereit, in Zukunft ein Kapitel über die Kundinnen und Kunden in die internationalen Abkommen über den Eisenbahnverkehr einzubauen?

Stellungnahme des Bundesrates

1. Dem Bundesrat waren die genannten Mängel nicht bekannt. Er hat bei der SBB folgende Informationen eingeholt: Am 11. Dezember 2022 findet der Fahrplanwechsel statt. Seitens der SBB wurden die Fahrpläne für diese neue Periode erst am 26. September in das Buchungssystem geladen. Bezüglich des RE Neuenburg-Frasne speiste die SBB die Daten bis zur Landesgrenze in das System. Kurz darauf kümmerte sich die SNCF auch um die französische Teilstrecke.

Zudem bestand tatsächlich das Problem, dass die Reservierung eines Sitzplatzes in der zweiten Klasse im RE Neuenburg-Frasne aufgrund eines IT-Bugs nicht möglich war. Dieses Problem wurde inzwischen behoben.

2. Eine gute Information über die internationalen Verbindungen sowie einfache Buchungs- und Reservierungsmöglichkeiten sind für die Kunden zentral. Die SBB ist an entsprechenden Initiativen der europäischen Bahnen für die Etablierung von einfachen und kundenfreundlichen Systemen beteiligt.

Die Schweiz steht mit den EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission im Rahmen einer Plattform zur Stärkung des internationalen Schienenpersonenverkehrs in Kontakt. Sie engagiert sich besonders in den Arbeitsgruppen zum internationalen Ticketing und zum internationalen Schienenpersonenverkehrsnetz.

Der Bundesrat will zudem die Nutzung von Mobilitätsdaten und den Informationsfluss zwischen Infrastrukturbetreibern, Verkehrsunternehmen, privaten Anbietern sowie Verkehrsteilnehmenden verbessern. Dazu soll eine staatliche Mobilitätsdateninfrastruktur aufgebaut werden, über die sich die verschiedenen Akteure auch international einfacher vernetzen sowie Daten bereitstellen können. Zu diesem Gesetzesvorschlag hat er im Frühjahr 2022 eine Vernehmlassung durchgeführt.

3./4. Der Bund steuert die SBB mit strategischen Zielen. In diesem Rahmen erwartet der Bundesrat von der SBB im internationalen Personenverkehr eine Stärkung ihrer Marktstellung durch Kooperationen. Ziel ist es, den Zugang zum europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz und gute Verbindungen zu wichtigen Wirtschaftszentren sicherzustellen.

Antwort des Bundesrates.