22.4522 · Interpellation · 2022-12-16
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Im Bericht "Ernährungssicherheit der Schweiz 2022", welcher von Agroscope im Auftrag des Bundesamtes für wirtschaftliche Landesversorgung BWL erstellt wurde, steht, dass die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft stark von Produktionsmitteln aus dem Ausland und von funktionierenden Infrastrukturen abhängig ist. Als Beispiel werden die Versorgung mit Energie, die Beschaffung von Düngemittel, Verpackungsmaterial sowie Informations- und Kommunikationstechnologien genannt. Diese Aufzählung ist jedoch lückenhaft. Aus diesem Grund ist die Verwendung des Begriffes der Selbstversorgungsgrades, wenn er im Kontext der Nahrungsmittelkrise als Argument für eine Produktionsausweitung angeführt wird, für die Öffentlichkeit irreführend. Er misst nämlich nur, wie viele Kalorien die Schweizer Bauern in normalen Zeiten produzieren. Da die starke Auslandabhängigkeit der Schweizer Landwirtschaft (auch für Futtermittel, Saatgut, Jungtiere) nicht in diesen Wert hineingerechnet ist, kann der Selbstversorgungsgrad keine Aussage darüber machen, was die heimische Landwirtschaft in einer Krisensituation, in der sie völlig autark operieren müsste, hervorbringen könnte.
Der Bundesrat wird gebeten, folgende Fragen auf Basis der Zahlen 2021 zu beantworten:
1. Beschaffung von Düngemittel: Agroscope nennt im Ernährungssicherheitsbericht 2022 folgende Herkunftsländer für Düngemittel: Deutschland (49,3 %), Niederlanden (17,8 %), Belgien (8,8 %), Frankreich (7,7 %) und Russland (7,3 %). Wie gross ist der prozentuale Anteil der Düngemittelimporte Om Vergleich zur insgesamt benötigten Menge)? Wie wären die im Agroscope-Bericht genannten Prozente der Düngemittel-Lieferantenländer bezüglich diesem Verhältnis anzupassen?
2. Beschaffung Vorleistungen für Dauerkulturen: Welche Vorleistungen wurden für die Produktion von Dauerkulturen wie Kern- und Steinobstbaumkulturen, mehrjährige Beeren, übrige Obstbaumkulturen wie Kiwi, Holunder, Nüsse und Reben importiert? In welchem Verhältnis stehen diese Importe zu den allenfalls bereits im Inland vorhandenen Vorleistungen?
3. Beschaffung Vorleistungen für Brot- und Futtergetreideanbau: Welche Vorleistungen wurden für die Produktion von Brot- und Futtergetreide (Weizen, Roggen, Dinkel, Körnermais, Gerste, Hafer, Triticale u.a.) importiert? In welchem Verhältnis stehen diese Importe zu den allenfalls bereits im Inland vorhandenen Vorleistungen?
4. Beschaffung Vorleistungen für Gemüseanbau: Welche Vorleistungen wie Saatgut, Setzlinge oder Bodensubstrate wurden für die Produktion von Freiland- und Gewächshausgemüse (v.a. Karotten, Zwiebeln, Eisbergsalate, Broccoli, Blumenkohl, Nüsslisalat, Radieschen, Salatgurken, Kopfsalat und Tomaten) importiert? In welchem Verhältnis stehen diese Importe zu den allenfalls bereits im Inland vorhandenen Vorleistungen?
5. Beschaffung Vorleistungen für Eiweisspflanzen: Welche Vorleistungen wurden für die Produktion von Eiweisspflanzen (wie Ackerbohnen oder Lupinen) importiert? In welchem Verhältnis stehen diese Importe zu den allenfalls bereits im Inland vorhandenen Vorleistungen?
6. Beschaffung Vorleistungen für Haltung von Nutztieren: Welche Vorleistungen wie z.B. Jungtiere, Futtermittel/-zusatz, Arzneimittel, Stalleinrichtungen, Melkvorrichtungen, Einstreumaterial wurden für die Haltung von Nutztieren (Geflügel, Rindvieh und Schweine) importiert? In welchem Verhältnis stehen diese Importe zu den allenfalls bereits im Inland vorhandenen Vorleistungen?
7. Welche Vorleistungen für landwirtschaftliche Produktionsmethoden wurden sonst noch importiert und in welchem Verhältnis zu allenfalls vorhandenen inländischen Leistungen?
Stellungnahme des Bundesrates
Wie andere Wirtschaftsbereiche benötigt die landwirtschaftliche Produktion teils Vorleistungen, die im Inland nicht verfügbar sind. Es liegen keine detaillierten Statistiken über die Vorleistungen nach Kulturen vor. Grössenordnungen lassen sich teils von den Aussenhandelsdaten und der Inlandproduktion ableiten. Eine Auflistung der verfügbaren Daten findet sich in der Tabelle unten.
1. Den Nährstoffbedarf im Pflanzenbau decken grösstenteils im Inland anfallende Hofdünger. Darin enthalten sind ausgeschiedene Nährstoffe aus importierten Futtermitteln. Bei den Hauptnährstoffen reichen die Inlandanteile von 76 Prozent für Stickstoff, 84 Prozent für Phosphor bis 91 Prozent für Kali.
2. Jährlich werden rund 8'300 Tonnen Gehölze geniessbarer Früchte mit nackten Wurzeln oder in Töpfen importiert. Über den Anteil im Inland vermehrter Gehölze geniessbarer Früchte liegt keine Zusammenstellung vor.
3. Die Anteile im Inland vermehrten Getreidesaatguts reichen von 24 Prozent für Mais, 39 Prozent für Roggen, 78 Prozent für Hafer, 93 Prozent für Gerste bis 98 Prozent für Weichweizen.
4. Der Inlandanteil an Gemüsesaat- und Gemüsepflanzgut wird auf rund 10 Prozent geschätzt. Teils erfolgt die Saat für die spätere Auspflanzung in Bodensubstrat, wozu zur Erreichung der erforderlichen Festigkeit Torf verwendet wird. Jährlich werden 70'000 Tonnen Torf importiert, das teils im Hobbybereich als Bodenverbesserer eingesetzt wird. Bundesrat und Branchen arbeiten auf eine schrittweise Reduktion hin.
5. An Eiweisspflanzen werden im Inland Erbsen, Lupinen, Sojabohnen und Ackerbohnen vermehrt. Allerdings weist die Aussenhandelsstatistik Saatgut für Erbsen und Lupinen nicht gesondert aus, weshalb sich der Inlandanteil nicht beziffern lässt. Für Sojabohnen erreicht der Inlandanteil 59 Prozent.
6. Gemäss der Futtermittelbilanz von Agristat liegt der Inlandanteil beim Raufutterverbrauch nahe bei 100 Prozent. Die begrenzte inländische Ackerfläche in Verbindung mit dem Konsum von Erzeugnissen aus Schweizer Tierhaltung bedingen die Ergänzungsimporte von Kraftfutter. Nutztiere werden mit Ausnahme von Equiden zu Hobby- und Sportzwecken nur wenige importiert. Bei Rindern und Schweinen wird ein kleiner Anteil von Zuchttieren importiert. Die auf die Nahrungsmittelproduktion ausgerichtete Geflügelzucht wurde Mitte der 1960er-Jahre in der Schweiz eingestellt. Deshalb erfolgt die Basiszucht ausschliesslich im Ausland, während die Vermehrungszucht überwiegend im Inland erfolgt. Tierarzneimittel, Maschinen und Geräte zur Haltung von Nutztieren werden zum grössten Teil importiert.
7. Maschinen, Geräte und Pflanzenschutzmittel werden zum überwiegenden Teil und Saatgut für Raps, Sonnenblumen und Zuckerrüben sowie fossile Energieträger vollumfänglich importiert.
Übersichtstabelle(Mittelwerte 2019-2021)ImportmengeAnteil der Inlandproduktion am GesamtangebotQuelle
Dünger
Stickstoffdüngerin Tonnen Stickstoff (N)44'13376%1SES/SBVPhosphordüngerin Tonnen Phosphorpentoxid (P2O5)9'56784%1SES/SBVKalidüngerin Tonnen Kaliumoxid (K2O)16'60091%1SES/SBV
Gehölze geniessbarer Früchtein Tonnen8'295keine AngabenBAZGGetreidesaatgut2
Weichweizen/Dinkelin Tonnen36198%BAZG, swisssemRoggenin Tonnen59135%BAZG, swisssemGerstein Tonnen27493%BAZG, swisssemHaferin Tonnen23278%BAZG, swisssemMaisin Tonnen1'44824%BAZG, swisssem
Gemüsesaat-/-pflanzgutin Tonnenkeine Angabenca. 10%Schätzung BLWTorf (Bodensubstrat)in Tonnen70'0310%BAZGEiweisspflanzensaatgut
Sojabohnenin Tonnen12259%BAZG, swisssemAckerbohnen3in Tonnen3650%BAZG, swisssem
Futtermittel, Einstreu
Raufutter2in Tonnen Trockensubstanz184'20697%SES/SBVKraftfutter2in Tonnen Trockensubstanz892'04042%SES/SBVStrohin Tonnen359'81957%BAZG, SES/SBV
Pflanzenschutzmittelin Tonnen4'371keine AngabenSES/SBVTreibstoffein MJ je Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche4'9570%SES/SBV
1 im Inland anfallende Hofdünger
2 Mittelwerte 2018-2020
3 einzig 2020 geringe verwertbare Inlandproduktion, wegen Schädlingsbefall
Die Vorstösse mit Tabellen und Grafiken können heruntergeladen werden unter: Ratsbetrieb / Curia Vista / Vorstösse mit Tabellen und Grafiken, die in der Geschäftsdatenbank nicht abgebildet werden können.
Antwort des Bundesrates.