23.3233 · Postulat · 2023-03-16
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über die dringend notwendige Anpassung des Gesundheitssystems an die Auswirkungen der globalen Erwärmung vorzulegen, insbesondere im Hinblick darauf, dass Hitzewellen voraussichtlich immer häufiger und extremer werden.
Begründung
Laut den Schweizer Klimaszenarien CH2018, die auf den Berichten des Weltklimarats IPCC von 2014 basieren, werden die Temperaturen im Sommer bis Mitte dieses Jahrhunderts durchschnittlich um 2,5 °C bis 4,5 °C steigen. In Anbetracht der starken Beschleunigung der globalen Erwärmung müssen diese Szenarien im Jahr 2024 nach oben korrigiert werden. Es gibt immer mehr Extremereignisse und sie werden auch dann noch deutlich zunehmen, wenn das 1,5-Grad-Ziel nicht überschritten wird (was eine drastische Reduzierung der weltweiten Treibhausgasemissionen bis 2025 erfordern würde). Insgesamt treten Hitzewellen, die zwischen 1850 und 1900 nur einmal alle 50 Jahre vorkamen, heute fast fünfmal häufiger auf. Bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C werden sie 8,6-mal häufiger auftreten. Bei einem Temperaturanstieg von 2 °C wären sie 14-mal häufiger und bei einem von 4 °C könnten sie sogar 40-mal häufiger auftreten (IPCC-Bericht 2022).
Hitzewarnungen werden herausgegeben, sobald an drei aufeinanderfolgenden Tagen 30 °C am Tag erreicht werden und die Temperatur nachts nicht unter 20 °C sinkt. Jedoch gibt es in der Schweiz bereits jetzt und auch im bestmöglichen Szenario immer mehr Momente, in denen 40 °C am Tag und 30 °C in der Nacht erreicht oder sogar überschritten werden. Unter solchen Bedingungen, umso mehr bei hoher Luftfeuchtigkeit, sind die Anpassungsfähigkeiten des menschlichen Organismus an die Hitze überfordert. So sind im Sommer 2022 selbst in Regionen, die an starke Hitze gewöhnt sind, wie Spanien, mehrere tausend Menschen daran gestorben.
In der Schweiz hat die Hitzewelle von 2003 gezeigt, dass ältere Menschen und Menschen mit chronischen Krankheiten besonders gefährdet sind. Heute sind allerdings 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung älter als 60 Jahre und 42 Prozent übergewichtig. Auch bei Menschen mit niedrigem Einkommen war die hitzebedingte Übersterblichkeit höher. Das Phänomen von städtischen Wärmeinseln verschärft die meteorologischen Verhältnisse zusätzlich. Letztendlich ist bekannt, dass Hitzetage die Luftverschmutzung und ihre Auswirkungen auf die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System deutlich erhöhen.
Der Bundesrat hat ein Präventionssystem eingeführt, das sich auf ein besseres Hitzewarnkonzept für die Bevölkerung konzentriert, aber wie steht es um die Anpassung des Gesundheitssystems an diese neue Realität? Welche Massnahmen müssen jetzt ergriffen werden, um das Gesundheitssystem auf eine so radikale Veränderung der Gesundheitsrisiken durch starke Hitze vorzubereiten?
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) setzt aktuell zwei Forschungsvorhaben um, die sich mit der Resilienz des Gesundheitssystem bei Hitze auseinandersetzen. Zum einen im Rahmen des Netzwerks des Bundes für Klimadienstleistungen (National Centre for Climate Services (NCCS), angesiedelt bei Meteo Schweiz. Hier läuft aktuell das Forschungsprogramm "Entscheidungsgrundlagen zum Umgang mit dem Klimawandel in der Schweiz: Informationen zu sektorenübergreifenden Themen". Eines der sechs Projekte fokussiert auf die gesundheitlichen Auswirkungen mit einem Schwerpunkt auf die Hitzethematik. Das zweite Forschungsvorhaben wird im Rahmen des "Aktionsplans Anpassung an den Klimawandel 2020-2025" umgesetzt, angesiedelt beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Zusammenarbeit mit diversen Bundesstellen. Die Ergebnisse dieser beiden Forschungsvorhaben werden wichtige Antworten auf die Fragen des Postulats liefern und gestaffelt bis 2026 vorliegen. Das BAG wird die Erkenntnisse anschliessend in einem Kurzbericht im Sinne des Postulats zusammenfassen.
Für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung in Hitzeperioden sind jedoch die Kantone zuständig.
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.