24.3189 · Interpellation · 2024-03-13
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Es gibt in allen Kantone Unterstützung für Personen, die im sich Erwachsenenalter (wieder) in die Arbeitswelt integrieren wollen. So steht in allen Kantonen mit viamia den über 40-Jährigen eine kostenlose berufliche Standortbestimmung zur Verfügung.
Vielfach werden aber Personen mit tiefer schulischer Ausbildung nicht durch diese Massnahmen erreicht. So steht im Evaluationsbericht von viamia vom 05.03.2024, verfasst im Auftrag des SBFI:
«In Bezug auf das Profil der Teilnehmenden von viamia-Beratungen kann festgestellt werden, dass bisher in erster Linie gut- und hochqualifizierte Personen viamia in Anspruch genommen haben. Personen, welche die obligatorische Schulzeit oder keine Ausbildung abgeschlossen haben (Geringqualifizierte) wurden hingegen unterdurchschnittlich gut erreicht. (…) Wiedereinsteiger/innen hingegen werden durch viamia (eher) besser erreicht als mit bisherigen Angeboten. Das ist insofern ein Erfolg des Programms, als durch das Erreichen dieser Zielgruppe Personen geholfen wird, die erneut in den Arbeitsmarkt eintreten möchten und so dem übergeordneten Ziel des Bundesrates entsprechen, das inländische Arbeitskräftepotenzial auszuschöpfen.»
Macht es Sinn, v. a. gut- und hochqualifizierten Personen eine kostenlose berufliche Standortbestimmung zu finanzieren?
Wie können geringqualifizierte Personen besser erreicht werden bzw. welche Massnahmen braucht es, damit das Zielpublikum (Geringqualifizierte) mehr von diesem Angebot viamia Gebrauch macht?
Wäre eine weitergehende Begleitung und Unterstützung (nach der Standortbestimmung durch viamia) hilfreich, um mehr Personen (wieder) in die Arbeitswelt zu integrieren?
Wäre eine weitergehende Begleitung und Unterstützung (nach der Standortbestimmung durch viamia) hilfreich, um mehr Personen durch Schulungen besser zu qualifizieren?
Wie müsste ein solches Begleitungs- und Unterstützungsangebot aussehen?
Wieviel würde es kosten, wenn Geringqualifizierte nach der Beratung für weiter Monate begleitet und unterstützt würden (bis sie eine Schulung angefangen oder eine Stelle angetreten haben)?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Eine berufliche Standortbestimmung, wie sie bei viamia geboten wird, ist aus Sicht des Bundesrats generell ein wirksames Mittel, um die eigene Laufbahn proaktiv gestalten zu können – unabhängig vom jeweiligen Bildungsniveau. Berufliche Veränderungen oder ein allfälliger Weiterbildungsbedarf können so rechtzeitig ermittelt und nötige Schritte zum Erhalt der Arbeitsmarktfähigkeit geplant werden. Ein hohes Bildungsniveau geht zudem nicht immer mit einer hohen Arbeitsmarktfähigkeit einher, insbesondere bei beruflichen Spezialisierungen.2. Zur Erreichung und Sensibilisierung geringqualifizierter Personen eignet sich insbesondere die direkte Ansprache über Mittlerinnen und Mittler, zu denen bereits ein Vertrauensverhältnis besteht. Der Bund hat deshalb die Kantone aufgerufen, über deren Netzwerke und Anlaufstellen vermehrt auch Geringqualifizierte für viamia zu gewinnen. Die Kantone können dabei kostenlos spezifische Kommunikationsinstrumente nutzen, welche der Bund in der Programmphase 2023-2024 hat entwickeln lassen. Wenn Kantone 2025-2028 zudem Projekte zur Erreichung von Geringqualifizierten umsetzen möchten, können sie auf Basis von Artikel 55 des Berufsbildungsgesetzes (SR 412.10) eine Unterstützung beantragen.3./4. Das Angebot von viamia soll Anstoss geben, sich mit der eigenen Laufbahn auseinanderzusetzen. Interessierten stehen im Anschluss bei Bedarf verschiedene vertiefende Beratungsangebote öffentlicher und privater Anbieter zur Verfügung. Für den Umstieg, Wiedereinstieg oder Verbleib im Beruf sind verschiedene Wege möglich; eine vorgängige Weiterbildung ist einer davon. Oftmals geht es auch darum, in einem Beruf Fuss zu fassen und sich danach weiterzubilden. Dies zeigt sich beispielsweise darin, dass gemäss Evaluation von viamia geringqualifizierte Kundinnen und Kunden durchschnittlich weniger Beratungszeit in Anspruch nehmen als besser qualifizierte, da diese Zielgruppe eher Unterstützung bei der Stellensuche als Aus- und Weiterbildungsberatung sucht.5./6. Die berufliche Weiterentwicklung Erwachsener ist sehr indivdiduell: Die Qualifizierungsmöglichkeiten reichen von Grundkompetenzen über nicht-formale Angebote wie Branchenzertifikate, Sprach- und IT-Kurse bis zu Berufsabschlüssen und Weiterbildungsangeboten an Hochschulen. Um den unterschiedlichen Lebensrealitäten Rechnung zu tragen, bestehen bereits breite Begleitungs- und Unterstützungsangebote sowie Qualifizierungsmöglichkeiten für Erwachsene. Für die Finanzierung stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung: Gemäss Bundesamt für Statistik wurden 2021 knapp 80 Prozent der beruflich orientierten Weiterbildungsaktivitäten durch Arbeitgebende mitgetragen. In vielen Branchen existieren Fonds für Weiterbildungen und Umschulungen. Die Unterstützung von Weiterbildung ist zudem in einer Vielzahl von Gesamtarbeitsverträgen vorgesehen. Je nach persönlicher Situation kommen zudem Beiträge der Sozialversicherungen oder Stipendien und Darlehen in Frage. Bund und Kantone unterstützen die Weiterbildung subsidiär. Die öffentliche Hand regelt und finanziert Weiterbildung dort, wo Mängel festgestellt werden oder eine Unterstützung zur Erfüllung staatlicher Aufgaben notwendig ist.