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24.3785 · Interpellation · 2024-06-14

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

Schweizer Atomkraftwerke werden aktuell im Dauerbetrieb bei Volllast zur Deckung der sogenannten Grundlast eingesetzt. Die Einspeisung von Strom aus Photovoltaik und Windkraft ist hingegen tages- und jahreszeitlichen Schwankungen ausgesetzt. Je höher der Anteil fluktuierender erneuerbarer Stromeinspeisung, desto wichtiger wird es, dass die Grosskraftwerke flexibel gefahren werden können, um auf die Netzlastschwankungen zu reagieren. In Frankreich werden die Druckwasserreaktoren seit Jahren im Lastfolgebetrieb eingesetzt. Auch die deutschen AKW wurden vor deren Abschaltung in den Lastfolgebetrieb umgeschaltet.

1) Welches sind die technischen Voraussetzungen für einen Lastfolgebetrieb von Atomkraftwerken?

2) Welche Auswirkungen hat ein Lastfolgebetrieb auf die Sicherheit und die Lebensdauer eines AKW sowie auf die Lebensdauer des Brennmaterials?

3) Bei welchen Schweizer Atomkraftwerken ist ein Lastfolgebetrieb technisch möglich? Könnten sie auf einen flexiblen Betrieb umgerüstet werden?

4) Bis zu welcher Minimalleistung (in Prozent der Nennleistung) könnten die vier Schweizer Atomkraftwerke im Rahmen eines Lastfolgebetriebs grundsätzlich heruntergeregelt werden (bitte einzeln für jedes der vier Atomkraftwerke angeben)? In welcher Zeitspanne?

5) Welchen Beitrag könnten die einzelnen Schweizer Atomkraftwerke, insbesondere die Atomkraftwerke Gösgen und Leibstadt, zur Primär- und Sekundärregelung leisten?

6) Auf wie viele Laständerungen (Lasttransienten) sind die einzelnen Schweizer Atomkraftwerke während ihrer angenommenen Lebensdauer ausgelegt? Wurde die zugelassene Anzahl Lasttransienten schon ausgeschöpft bzw. wie viele zulässige Lasttransienten verbleiben noch (bitte um Aufschlüsselung nach AKW)?

7) Mit welcher Leistung wurden die vier Schweizer Atomkraftwerke in den vergangenen drei Jahren in den Zeiträumen betrieben, in denen es zu negativen Strompreisen an der Strombörse kam?

8) Welche Vorteile hätte ein Lastfolgebetrieb der Atomkraftwerke für die erneuerbaren Energien und deren Ausbau?

9) Ist geplant, gewisse Schweizer Atomkraftwerke auf einen Lastfolgebetrieb umzurüsten und sie in Zukunft flexibel zu betreiben? Wenn ja: wann? Wenn nein: warum nicht?

Stellungnahme des Bundesrates

Zu den Fragen 1 und 3:Grundsätzlich können sowohl Druckwasserreaktoren (Kernkraftwerke Beznau und Gösgen), als auch Siedewasserreaktoren (Kernkraftwerk Leibstadt) für einen Lastfolgebetrieb projektiert und eingesetzt werden, da ihre elektrische Leistung entsprechend regelbar ist. Bei den Kernkraftwerken Gösgen und Leibstadt sind die Voraussetzungen für einen Lastfolgebetrieb in besonderem Masse erfüllt. Das Kernkraftwerk Beznau ist hingegen nicht primär für einen flexiblen Betrieb ausgelegt. Zur Frage 2:Ein Lastfolgebetrieb führt tendenziell zu einer Ermüdung und damit zu einer kürzeren Lebensdauer von Kraftwerkskomponenten. Der Ermüdungsgrad hängt dabei von der Art und Häufigkeit der Lastwechsel ab. Nach bisherigen Erfahrungen ist die Auswirkung der Lastwechsel auf den Ermüdungsgrad allerdings gering. Brennelemente sind grundsätzlich gegen transiente Beanspruchungen ausgelegt und können für den Lastwechselbetrieb optimiert werden. Durch die kontinuierliche Alterungsüberwachung in den Kernkraftwerken kann frühzeitig und gezielt reagiert werden. Bei einem entsprechenden Antrag eines Kernkraftwerkes würde sich das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) im Aufsichtsverfahren vergewissern, dass der beabsichtigte Lastfolgebetrieb und die damit einhergehenden Anpassungen der Anlage keinen negativen Einfluss auf die Sicherheit haben. Zu den Fragen 4-6: Diese Informationen liegen dem Bund nicht vor. Zur Frage 7:Der Bund erhebt diese Daten nicht. Der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) sammelt diese Daten jedoch für den europäischen Raum. Nach einer Registrierung können sie dort kostenlos eingesehen werden. Unter https://transparency.entsoe.eu/dashboard/show > «Transmission» > «Day-ahead Prices» können die stündlichen Grosshandelspreise und unter > «Generation» > «Actual Generation per Production Type» kann die aggregierte Stromproduktion der Schweizer Kernkraftwerke abgerufen werden. Weil die Kernkraftwerke ihre Stromproduktion in der Regel im Voraus verkaufen, kann daraus nicht abgeleitet werden, dass deren Strom in Zeiträumen mit negativen Preisen auch zu negativen Preisen abgenommen wurde. Zur Frage 8:Strom aus erneuerbaren Energien hat beim Netzzugang immer Vorrang (Art. 13 Abs. 3 des Stromversorgungsgesetzes [StromVG; SR 734.7]). Somit ist immer das Maximum des Stroms aus erneuerbaren Energien im Netz und ein Lastfolgebetrieb der Kernkraftwerke hätte keine Auswirkung auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Zur Frage 9:Eine allfällige Planung eines Lastfolgebetriebs liegt in der Zuständigkeit der Kernkraftwerksbetreiber. Dem Bundesrat liegen keine entsprechenden Informationen vor.