24.3891 · Interpellation · 2024-09-17
Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport
Erledigt
Wortlaut
Gemäss einer Prognose in der Schweiz und im Ausland drohen die Folgen von Cyberrisiken noch vor dem Ende des Jahrzehnts ein Ausmass anzunehmen, das nicht toleriert werden kann. Diese Risiken betreffen nicht nur die Wirtschaft und den Staat, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger. Unsere Fähigkeit, darauf zu reagieren, ist jedoch zu gering und zu langsam. Wir bleiben verwundbar.
Eine der Möglichkeiten, die es zu prüfen gilt, ist das Einführen von Cyberpatrouillen. Diese wären vor Ort aktiv und würden im Alltag mit der Bevölkerung in Kontakt treten, sei es am Arbeitsplatz, in der Schule, im öffentlichen Verkehr oder bei Kultur- und Sportanlässen. Es würde sich dabei um «Botschafterinnen und Botschafter» handeln, deren Auftrag darin bestehen würde, die Bevölkerung angesichts der verschiedenen Cyberrisiken zu sensibilisieren und zu warnen sowie an ihr Verantwortungsbewusstsein zu appellieren. Frankreich hat kürzlich 1500 solcher «Wächterinnen und Wächter des Digitalen» eingesetzt.
Um das Hilfs- und Unterstützungsangebot für die Bevölkerung zu vergrössern, die betroffenen Akteure zusammenzubringen, die Praktiken zu vereinheitlichen und Synergien zu schaffen, könnte eine öffentlich-private Partnerschaft in Betracht gezogen werden. Die Schweiz könnte sich beispielsweise vom Konzept inspirieren lassen, das die Stiftung digiVolution entwickelt hat.
Das Bundesamt für Cybersicherheit erfreut sich zwar eines guten Rufs, doch seine Mittel bleiben bescheiden. Und Sensibilisierungskampagnen, die lediglich online erfolgen, haben ihre Grenzen. Wenn sie, wie der Bundesrat in seiner Antwort auf meine Interpellation 24.3586 andeutet, tatsächlich wirksam wären, wäre es nicht zu einem rasanten Anstieg von Cyberangriffen und anderen Betrügereien mit rund 50 000 gemeldeten Fällen im Jahr 2023 gegenüber 34 500 Fällen im Jahr 2022 gekommen. Es ist festzustellen, dass das Internet und seine sozialen Netzwerke je länger je mehr als Medium und Verstärker von böswilligen Taten, Propaganda und Belästigungen jeglicher Art fungiert.
Die Schweiz muss sich proaktiv und konstruktiv zeigen, indem sie insbesondere auf ein kollektives Engagement setzt, wie es dies beispielsweise Cyberpatrouillen ermöglichen würden.
Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
1) Was sind die messbaren Ergebnisse der Kampagne S-U-P-E-R.ch und anderer Projekte, die darauf abzielen, die Bevölkerung auf Cyberrisiken zu sensibilisieren?
2) Unterstützt der Bundesrat die Idee, Cyberpatrouillen einzuführen?
3) Ist der Bundesrat dazu bereit, ein Pilotprojekt im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft zu unterstützen?
Stellungnahme des Bundesrates
Zu 1) Das Sensibilisierungsprogramm S-u-p-e-r.ch, welches das BACS gemeinsam mit der Schweizerischen Kriminalprävention, den Polizeikorps und weiteren Partnern durchführte, lief von 2021 bis 2024 über vier jährliche Kampagnen. Jene von 2021 fand während Covid nur online statt, alle weiteren wurden durch Anlässe und Plakataktionen ergänzt. Der Vorteil von breit ausgerichteten Kampagnen ist die sehr hohe Reichweite. Der online Auftritt ist dabei nur ein Faktor. 2022 wurde beispielsweise die dazugehörige Website innerhalb von sieben Wochen durch 20'000 verschiedene Nutzer besucht. Zugleich wurden die Inhalte der Kampagne in 430 Medienbeiträge aufgenommen wodurch ein Publikum von mehreren Millionen (die gemessene Reichweite betrug 17 Mio Medienkonsumierende) erreicht wurde. Das BACS führt weitere Kampagnen durch, die spezifischer auf ein Zielpublikum ausgerichtet sind. Es arbeitet dazu eng mit fachkompetenten Verbänden zusammen. Das Netzwerk von Organisationen, welche die Sensibilisierung vorantreiben ist eines der wichtigsten Ergebnisse der gemeinsamen Kampagnen. Eine repräsentative Studie von gfs-zürich zeigt, dass diese Anstrengungen erfolgreich sind. Während 2019 58% der befragten Personen angaben, gut oder sehr gut über Schutzmassnahmen vor Cyberbedrohungen informiert zu sein, stieg dieser Wert 2023 auf 68%. Die Studie zeigt auch, dass die gestiegene Kompetenz zu Verhaltensänderungen führen. Zum Beispiel verwendeten Personen, die ihre Kompetenz höher einschätzen, seltener das gleiche Passwort für verschiedene Angebote. Zu 2) und 3) Der Bundesrat begrüsst die Idee der Cyberpatrouilleurs. Es ist unbestritten, dass der direkte Kontakt zwischen Fachpersonen und dem Zielpublikum die effektivste Methode ist, um Informationen zu Cyberbedroungen und Gegenmassnahmen zu vermitteln. Die Herausforderung des Konzepts der Cyberpatrouilleurs besteht jedoch im hohen Personalaufwand. Der Bundesrat ist bereit, die Initiative mit Fachwissen und beim Aufbau eines Netzwerks von Fachexpertinnen und Fachexperten zu unterstützen. Die Finanzierung eines solchen Projekts im Rahmen einer Public-Private Partnership sieht er aber nicht als Aufgabe des Bundes.