24.4228 · Interpellation · 2024-09-27
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Ein guter Teil des erhöhten Strombedarfs im Winter stammt vom Wärmebedarf. Durch den vermehrten Einsatz von Wärmepumpen wird dieser Strombedarf noch steigen. Saisonale Wärmespeicher könnten deshalb wesentliche Beiträge zur Reduktion des Winterstrombedarfs leisten.
1. Hat der Bundesrat Abschätzungen, wie hoch das Potenzial von saisonalen Wärmespeichern ist und wie viel Winterstrom damit eingespart werden könnte?
2. Was braucht es, damit verschiedene Technologien zur saisonalen Wärmespeicherung mehr Beachtung finden und deren Einsatz erleichtert resp. gefördert werden können?
Ich bitte um Beantwortung der Fragen insbesondere bezüglich:
2.a. Grosse Erdbeckenspeicher
2.b. Eisspeicher
2.c. Sandbatterien
2.d. Thermochemische Speicher
Stellungnahme des Bundesrates
1. Der Wärmebereich macht heute in der Schweiz rund 50 Prozent des Energieverbrauchs aus und verursacht mehr als 35 Prozent der Treibhausgasemissionen. Gemäss Gesamtenergiebetrachtungen des Energy Science Centers (https://speicher.aeesuisse.ch > Positionen) könnte der Bedarf im Winter mithilfe von grossen, saisonalen Wärmespeichern an der Oberfläche um bis zu 4 TWh reduziert werden. Zudem schätzt der Geothermie-Verband (https://geothermie-schweiz.ch > Potential), dass im Schweizer Untergrund durch Niedrigtemperatur-Aquiferspeicher und Erdsondenfelder jährlich 4 bis 6 TWh zusätzlich eingespart werden könnten. Das Bundesamt für Energie BFE hat dieses Jahr eine Analyse des Bedarfs und der Rolle von Energiespeichern im Jahr 2035 und 2050 im Auftrag gegeben. Darin wird die potenziell zu erwartende Reduktion des Winterstromverbrauchs durch Nutzung saisonaler Wärmespeicher präzisiert werden. Die Ergebnisse werden in die geplante Aktualisierung der Energieperspektiven einfliessen. Aktuell befinden sich grosse thermische Langzeitspeicherprojekte in der Schweiz erst in der Planungsphase. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Anlagentypen sich hauptsächlich durchsetzen könnten. Auch wird sich zeigen, wie ein optimales Zusammenspiel zwischen thermischen Netzen und saisonalen Speichern für einen wirtschaftlichen Betrieb auszugestalten sin könnte. Die Höhe allfälliger Investitionen ist darum noch nicht bezifferbar. Die Planungs- und Bewilligungsverfahren bleiben eine grosse Herausforderung: Gewisse Planungsgrundlagen im Untergrund fehlen immer noch und viele Kantone betreten dabei Neuland. Deshalb bestehen zu den Bewilligungsverfahren erhebliche Unsicherheiten. 2. Durch den vermehrten Einsatz von Wärmespeichern ist eine Entlastung des Stromnetzes möglich (Substitutionseffekt). Grosse Erdbeckenspeicher und Sandbatterien nutzen Wasser oder Sand als Speichermedium, sind relativ gut erforscht und bereits marktfähig. Sandbatterien finden aufgrund der hohen gespeicherten Temperaturen in der Schweiz potenziell weniger Anwendung als Erdbeckenspeicher, die in Verbindung mit Wärmenetzen zur Fernwärmeversorgung von Gebäuden direkt eingesetzt werden können. Pilotprojekte weisen darauf hin, dass grosse Eisspeicher-Systeme in dicht bebauten Gebieten eine Lösung für die effiziente, erneuerbare und sichere Wärmeversorgung darstellen und zur Entschärfung einer Energiemangellage im Winter beitragen können. Jedoch bleiben sie im Vergleich zu anderen Lösungen noch teuer. Vielversprechend sind thermochemische Wärmespeicher aufgrund der sehr hohen erzielbaren Speicherdichten. Hierzu laufen derzeit vielfältige Forschungsaktivitäten. Eine Marktdurchdringung der Technologie wird voraussichtlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Für einen erleichterten Einsatz von saisonalen Wärmespeichern kann insbesondere eine ganzheitliche Energieplanung auf Stufe der Gemeinden und deren Verankerung in den raumplanerischen Instrumenten beitragen. Damit die Technologie die gewünschte Beachtung findet, sollten auch die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Angebote wie die Bereitstellung von überschüssiger Wärme durch private Einrichtungen, die Speicherung als Dienstleistung, oder die Vermarktung der äquivalenten gespeicherten Wärmemenge überhaupt in der Praxis möglich sind. Für die Förderung der thermischen Energiespeicherung im Untergrund wäre zudem eine finanzielle Unterstützung von Erkundungsprojekten zur Identifizierung potenzieller Standorte vorteilhaft. Das Klima- und Innovationsgesetz (KIG; BBl 2022 2403) hat spezifische Instrumente zur Förderung von thermischen Langzeitspeichern eingeführt, welche auf die Absicherung der Investitionsrisiken abzielen und einen Impuls für Wärmespeicherprojekte in der Schweiz auslösen sollen.