26.3686 · Interpellation · 2026-06-17
Departement des Innern
Eingereicht
Wortlaut
Die psychische Belastung junger Menschen in der Schweiz hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen (kant. Aktionsprogramm psychische Gesundheit, Gesundheitsförderung Schweiz). Gleichzeitig bestehen in der psychiatrischen/psychologischen Versorgung seit Jahren eine strukturelle Unterversorgung, ein Mangel an Fachpersonal und lange Wartezeiten (nationaler Gesundheitsbericht 2020). In der Beantwortung der Postulate 21.3234,21.3457 wurde dies bestätigt. Seither hat sich die Lage weiter zugespitzt: Junge Menschen müssen aktuell monatelang auf einen Diagnostik- oder Therapieplatz warten.
Diese Entwicklung ist problematisch, da psychische Erkrankungen häufig im Jugendalter beginnen und unbehandelt chronisch verlaufen können. Eine frühzeitige Behandlung ist entscheidend für die soziale und berufliche Integration. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Unterversorgung in der psychologischen/psychiatrischen Versorgung bei jungen Menschen zu einer Invalidisierung beiträgt. Die Zahl der IV-Renten aufgrund einer psychischen Erkrankung steigt an, insbesondere bei jungen Erwachsenen. Obwohl die Gesundheitsversorgung primär in der Zuständigkeit der Kantone liegt, ist der Bund über die IV sowie bei Gesundheitsförderung und Prävention direkt von den Folgen der Unterversorgung betroffen.
Aus diesem Grund wird der Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:
Wie beurteilt der Bundesrat die aktuelle psychiatrische und psychologische Versorgungssituation von jungen Menschen und welche Erkenntnisse liegen insbesondere zu Wartezeiten, zum Fachkräftemangel sowie zu regionalen Unterschieden vor?
In welchen Bereichen sieht der Bundesrat angesichts der unklaren Ursachen der Zunahme psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen besonderen Handlungsbedarf?
Sieht der Bundesrat einen Zusammenhang zwischen Versorgungsengpässen im Jugendalter und der Zunahme von IV‑Neurenten bei jungen Menschen? Falls ja, welche Massnahmen erachtet er als besonders wirksam, um den Eintritt junger Menschen in die IV zu verhindern und ihre nachhaltige berufliche Eingliederung zu fördern?
Wie ist der Stand der Umsetzung der im Bericht zum Postulat 21.3234 aufgezeigten Massnahmen und welche weiteren Massnahmen plant der Bundesrat zur Vermeidung von Frühinvalidisierung aufgrund psychischer Erkrankungen z.B. durch verstärkte Prävention oder den Ausbau niederschwelliger Angebote?