26.3746 · Interpellation · 2026-06-18
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Eingereicht
Wortlaut
Der Entscheid des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) vom 17. Dezember 2025, der auf dessen Website kommuniziert wurde, hat zur Folge, dass sich seine Förderung von Buchpublikationen für Open Access auf Forschungsschriften beschränken wird, die aus einem vom SNF finanzierten Projekt hervorgehen, sowie auf Dissertationen und Habilitationen. Zudem begrenzt der SNF seine Vergütung der Publikationsgebühren. Dieser Entscheid sorgt sowohl bei Forschenden als auch bei Verlagen, insbesondere im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften, für grosse Besorgnis.
Ich bitte den Bundesrat daher um die Beantwortung folgender Fragen:
Der SNF hatte bislang und seit vielen Jahrzehnten den Auftrag, die Finanzierung sämtlicher Publikationen von Forscherinnen und Forschern sicherzustellen, insbesondere die Publikation von wissenschaftlichen Büchern. Dies wird gemäss der neuen Regelung ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr der Fall sein. Wie bewertet der Bundesrat diesen Entscheid?
Der SNF erhält jährlich rund 1,4 Milliarden Franken vom Bund, wovon im Jahr 2024 6,2 Millionen Franken für die Publikation von Monographien vorgesehen waren, was weniger als 0,5 Prozent des Budgets des SNF entspricht. Welche Einsparungen erhofft sich der SNF durch diese Sparmassnahme?
Zahlreiche Forschende hatten Publikationen mit dem Förderinstrument «Open-Access-Buchpublikation» geplant; dies ist nun nicht mehr möglich, insbesondere für einen Teil des wissenschaftlichen Nachwuchses. Kann der Bundesrat abschätzen, wie viele Forscherinnen und Forscher infolge des Entscheids des SNF, das Reglement über die Open-Access-Publikationsförderung zu ändern, keine Publikationsmöglichkeit mehr haben werden?
Besonders Nachwuchsforschende müssen regelmässig qualitativ hochwertige Arbeiten veröffentlichen, um auf eine Anstellung an einer Universität oder Hochschule hoffen zu können. Eine ganze Generation junger Forscherinnen und Forscher (Assistentinnen und Assistenten sowie wissenschaftliche Mitarbeitende, Oberassistentinnen und -assistenten sowie Maîtres d’enseignement et de recherches) wird Schwierigkeiten haben, Publikationsmöglichkeiten zu finden. Dies schränkt die Karriereentwicklung der Forschenden ein, insbesondere im Vergleich zur ausländischen Konkurrenz bei Bewerbungsverfahren. Wie beurteilt der Bundesrat die Auswirkungen dieses Entscheids des SNF auf die Karriereentwicklung des Schweizer Wissenschaftsnachwuchses?
Die heute für die Vergütung der Verlagsleistungen geltenden Kostenansätze beruhen auf einer zweijährigen Studie, in deren Rahmen die Verlage dem SNF ihre gesamten Produktionskosten und sämtliche Rechnungen transparent offengelegt haben. Der SNF hielt im Schlussbericht zur SNF-Studie OAPEN-CH vom April 2018 zur Höhe der Book Processing Charges (BPC) fest: «Die neue Publikationspolitik stützt sich auf die Ergebnisse von OAPEN-CH. Die Höhe der BPC orientiert sich an den durchschnittlichen Herstellungskosten von Open-Access-Monographien. Ihre Ausgestaltung stellt nicht nur auf die Kosten der Verlagsleistungen ab, sondern berücksichtigt auch die gestiegenen Anforderungen an die Qualitätssicherung und die Metadaten.» Im Basismodul wurde die BPC-Pauschale daher auf bis zu 15 000 Franken festgelegt. Der Entscheid des SNF vom Dezember 2025, die Vergütung für Verlagsleistungen auf maximal 12 000 Franken zu reduzieren, steht somit in völligem Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen sowie zu den Ergebnissen seiner gemeinsam mit den Verlagen über zwei Jahre hinweg durchgeführten Studie. Wie erklärt der Bundesrat einen so offensichtlichen Widerspruch?
Mehrere Schweizer Institutionen, darunter swissuniversities, haben im Rahmen von «Read and Publish»-Vereinbarungen Abkommen mit grossen ausländischen Verlagsgruppen geschlossen. In diesem Zusammenhang werden den Verlagen Beträge für die Veröffentlichung von Open-Access-Artikeln gezahlt; die pro Artikel bezahlten Beiträge belaufen sich auf etwa 2000 Franken und liegen oftmals sogar noch darüber. Aufgrund der geänderten Politik des SNF werden zumindest einige Forschende, die ihre Bücher derzeit mithilfe des Open-Access-Förderinstruments des SNF veröffentlichen, dies künftig nicht mehr tun können. Es besteht die Gefahr, dass sie sich an grosse internationale Verlagsgruppen wenden, um ihre Sammelbände als Sonderausgabe einer Fachzeitschrift zu veröffentlichen. Heute kosten zehn Artikel mit jeweils 30 000 Zeichen, die mit dem derzeitigen Förderinstrument des SNF bei einem Schweizer Verlag veröffentlicht werden, 15 000 Franken. Dieselben zehn Artikel würden bei grossen internationalen Verlagsgruppen 20 000 Franken oder mehr kosten. Ist der Bundesrat der Ansicht, dass diese Kostensteigerung einem verantwortungsvollen Umgang mit den finanziellen Ressourcen und den Steuergeldern der Bürgerinnen und Bürger entspricht?
Hat der SNF im Vorfeld dieses raschen Kurswechsels die Universitäten und Hochschulen oder andere Akteure der Forschungslandschaft, insbesondere die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften oder die Schweizer Verlage selbst, angehört und sich mit ihnen ausgetauscht?
Die vom SNF beschlossene Änderung der Regelung wurde im Dezember 2025 im Zusammenhang mit dem Entlastungspaket 2027 angekündigt. Nun, da das Entlastungspaket vom Parlament abgeschwächt wurde, sollte der SNF seinen Entscheid nicht noch einmal überdenken?
Die Schweizer Verlage spielen eine äusserst wichtige Rolle zur Verbreitung wissenschaftlicher Arbeiten, die sich an Schweizer Fachpersonen richten und einen Bezug zur schweizerischen Gesetzgebung oder zu schweizerischen Besonderheiten aufweisen (z. B. im Bereich Rechtswissenschaft, Bildung, Pflege, Soziale Arbeit, Geschichte, Wirtschaft usw.). Dabei übernehmen sie eine wichtige Vermittlungsfunktion, die von ausländischen Verlagen nicht in gleicher Weise wahrgenommen werden kann, um die betroffenen Fachpersonen zu erreichen. Wie beurteilt der Bundesrat die Bedeutung der Arbeit dieser Verlage? Wird der Verlust an Fachgebieten, die über Verlage verfügen, welche die Forschungsergebnisse an die entsprechenden Fachpersonen vermitteln, nicht die Berufsausübung in diesen Bereichen beeinträchtigen? Und wird dadurch nicht auch die Wirkung der an den Hochschulen und Universitäten unseres Landes stattfindenden Forschung geschwächt?