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Altherr Hans · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion · 2011-12-05
Wortprotokoll
Leider müssen wir die Session auch mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Ständeratspräsidenten Markus Kündig, der am 13. November 80-jährig verstorben ist.
Markus Kündig wurde 1974 von der Zuger Bevölkerung als Vertreter der CVP in den Ständerat gewählt. Er war dort Nachfolger von Hans Hürlimann, der in den Bundesrat gewählt worden war. Markus Kündig vertrat seinen Kanton während 20 Jahren, bis Ende 1994, im Ständerat. Zuvor war er bereits im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug und danach auch im Zuger Kantonsrat politisch aktiv gewesen.
Der gelernte Buchdrucker stieg schon früh in den väterlichen Betrieb ein und übernahm als 33-Jähriger den elterlichen Druckereibetrieb, den er als erfolgreicher Unternehmer jahrzehntelang leitete.
Unseren Rat präsidierte Markus Kündig im Amtsjahr 1984/85 auf souveräne Art. Trotz seiner äusserlichen Gelassenheit ist es ihm in diesem Präsidialjahr gemäss eigener Aussage manchmal schwergefallen, nicht selbst in die Debatte einzugreifen. Markus Kündig war eine prägende und einflussreiche Figur im Ständerat. Er hatte die Gabe, komplizierte Zusammenhänge einfach, klar und präzise zu formulieren. Er suchte stets den Ausgleich und das gemeinsame Interesse. Sein Auftreten war dabei ruhig und sachlich. Er wusste: C'est le ton qui fait la musique. Nicht von ungefähr pflegte er in seiner knappen freien Zeit das Cellospiel.
Als profunder Kenner der Wirtschaft brachte er ein vielseitiges Interesse für das politische Leben mit, besonders für das Gebiet der sozialen Vorsorge. Er präsidierte umsichtig und kompetent die ständerätliche Kommission, die das Gesetz von 1982 über die berufliche Vorsorge erarbeitete. Es war ihm ein Anliegen, für diese zentrale Vorlage praxistaugliche Lösungen zu finden. Zu Recht gilt er als "Vater der zweiten Säule".
Er war in zahlreichen weiteren Kommissionen aktiv, so als Präsident der Kommission für die 10. AHV-Revision, als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission, der Finanzkommission, der Aussenpolitischen Kommission und der Aussenwirtschaftskommission. Zudem wirkte er in über 190 Ad-hoc-Kommissionen mit. Dies zeugt von seiner äusserst intensiven und umfangreichen parlamentarischen Tätigkeit. Als Mitglied der Delegation Efta/Europäisches Parlament und der Delegation bei der Interparlamentarischen Union leistete er überdies einen wesentlichen Beitrag zur internationalen Politik.
Markus Kündig war ein überzeugter Föderalist. In seiner Rede nach der Wahl zum Ständeratspräsidenten betonte er die Rolle der Kleinen Kammer, welche "die autonomen Kantone, unsere kleingliedrigen Staatsstrukturen, in der Gemeinschaft unseres Bundesstaates" vertrete. Dabei sei der Ständerat der Verteidiger des Subsidiaritätsgedankens. Markus Kündig verstand es als grosse Ehre und Freude, den Kanton Zug in Bern vertreten zu dürfen.
Markus Kündig war von 1982 bis 1991 Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Er nahm zudem viele bedeutende Mandate wahr; so war er unter anderem Verwaltungsrat der Schweizerischen Bankgesellschaft und Präsident des Schweizerischen Verbands graphischer Unternehmen. Seine Erfahrungen aus der Welt der Wirtschaft wusste er in die politische Debatte einzubringen. Gleichzeitig gelang es ihm, unabhängig und eigenständig zu politisieren.
Ehemalige Kollegen beschreiben Markus Kündig nicht nur als kompetenten, entschlossenen und markanten Politiker, sondern auch als bodenständigen, vermittelnden, guten und geselligen Kollegen. Wir werden Markus Kündig als grossartige Persönlichkeit und liebenswürdigen Kollegen in bester Erinnerung bewahren.
Im Namen des Ständerates möchte ich seiner Familie von Herzen unser tiefstes Beileid aussprechen. Ich bitte Sie und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.
[VS]
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
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