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preparatory:AB 202354

Markwalder Christa · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2016-09-12

Wortprotokoll

Liebe Kolleginnen und Kollegen, geschätzte Damen und Herren, die Herbstsession ist eröffnet.

Heute jährt sich das Inkrafttreten unserer ersten Bundesverfassung zum 168. Mal. Die traditionelle Ausstellung des Bundesarchivs zu diesem Tag nimmt heuer den kürzlich eingeweihten Gotthard-Basistunnel, den längsten Eisenbahntunnel der Welt, zum Anlass, um aufzuzeigen, wie unsere Verfassung die Schweiz dank der Eisenbahn in die Moderne geführt hat. Die Verfassung von 1848 schaffte bekanntlich gleiche Rechte für alle - ausser noch für die Frauen. Eben diese Rechtsgleichheit war es, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Eisenbahn Tür und Tor öffnete, sodass unser Land endlich seinen Rückstand auf diesem Gebiet aufholen konnte.

Im Jahr 1852 verabschiedete das Parlament das erste nationale Eisenbahngesetz. Dieses Gesetz verpflichtete die als Aktiengesellschaften organisierten Eisenbahnunternehmen, bei ihren Projekten und ihrem Betrieb auf Rentabilität zu achten. Die Kantone wurden befugt, Konzessionen zu erteilen. Finanziert wurden die Bahnen mit privaten Geldern sowie mit Subventionen von Kantonen und Gemeinden.

Die Eisenbahngesellschaften machten aus dem Mittelland einen grossen Handelsplatz. Die wichtigsten Linien verbanden die Hauptorte der Industrieregionen. Die kleineren Gemeinden und die ländlichen Gebiete nahmen grosse finanzielle Opfer auf sich, um sich ihre eigenen Lokalbahnen zu sichern.

Was den Nord-Süd-Verkehr anbelangt, stellten die Alpen ein massives Hindernis dar. Also mussten sie durchdrungen werden. Das geschah zwischen 1872 und 1882 beim Gotthard und zwischen 1896 und 1906 beim Simplon. Das Tessin und das Wallis hofften, dank der Eisenbahn aus der Isolation zu finden. Ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Diese beiden Tunnels aus dem 19. Jahrhundert sollten für den Schweizer Alpenverkehr, die gesamte Schweiz und den ganzen Kontinent von wesentlicher Bedeutung sein, erleichterten sie doch den Reiseverkehr in Europa ebenso wie den Gütertransport und den Kulturaustausch.

Hundert Jahre später, als es darum ging, diese Verbindungswege zu modernisieren, wagten sich das Parlament und das Volk an ein neues Projekt: an die Neue Eisenbahn-Alpentransversale Gotthard und Lötschberg, den sogenannten Alptransit. Einmal mehr wurde mit alpinen Eisenbahnprojekten die Mobilität in Europa verbessert und der Weg für grosse Fortschritte geebnet.

So weit meine kurze Präsentation der Ausstellung zum Thema "Die Bundesverfassung und die Eisenbahn", die während dieser Session in der Kuppelhalle zu sehen ist. Ich kann Ihnen nur empfehlen, vor den drei Eidgenossen einmal kurz haltzumachen und sich diese schöne Gesetzgebungsgeschichte zu Gemüte zu führen. Ich danke dem Bundesarchiv ganz herzlich für die Realisierung.