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preparatory:AB 300354

Kälin Irène · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion · 2022-05-30

Wortprotokoll

Leider müssen wir die Session mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Franz Eng, der am 17. März im Alter von 93 Jahren verstorben ist.

Franz Eng wurde 1971 auf der Liste der FDP des Kantons Solothurn in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1987 angehörte. Schon vorher war Franz Eng politisch aktiv. So wurde er 1964 zum Gemeindeammann im solothurnischen Günsberg gewählt. Diese Aufgabe erfüllte er bis 1977. 1965 gelang ihm die Wahl in den Solothurner Kantonsrat. Beruflich war der promovierte Jurist als Anwalt mit eigener Kanzlei tätig. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft übernahm der Freisinnige Verantwortung und amtierte als Verwaltungsrat in verschiedenen grösseren Unternehmen.

In seiner Zeit im Nationalrat arbeitete Franz Eng in über fünfzig der damals üblichen Ad-hoc-Kommissionen mit, ebenso wie in der Aussenwirtschaftskommission, der Finanzkommission und der Finanzdelegation sowie in der Geschäftsprüfungskommission und in der Verkehrskommission. Von 1978 bis 1982 leitete er die Fraktion der FDP. In der Wintersession 1982 wählte ihn der Nationalrat zu seinem Präsidenten.

Franz Eng betonte in seiner Eröffnungsrede, dass es wichtig sei, dass im Parlament die verschiedenen Meinungen der Bevölkerung zum Ausdruck kommen, dass man sich dann aber zu einem mehrheitsfähigen Kompromiss zusammenraufen müsse. Richtschnur müsse dabei neben dem Wählerwillen stets auch die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl sein. Franz Eng schätzte in seinem Präsidialjahr die vielen interessanten persönlichen Kontakte, nicht nur mit ausländischen Politikern, sondern auch mit unterschiedlichen Bevölkerungskreisen, deren Anliegen ihm wichtig waren. Sein Nachfolger im Amt, André Gautier, rühmte ihn als perfekten und gewissenhaften Präsidenten, der die Debatten zugleich mit Autorität und Souplesse leitete, quasi mit eiserner Hand im Samthandschuh, wie er es ausdrückte.

Franz Eng war ein profilierter und einflussreicher Politiker, ein politisches Schwergewicht. Er war auch ein typischer Vertreter des volksverbundenen Solothurner Freisinns, wo unter dem Dach des Liberalismus alle Bevölkerungsschichten ihren Platz fanden. Für ihn war Liberalismus mehr als eine politische Haltung. Er sei auch eine Lebensphilosophie, wie er einmal in einem Interview erklärte, die Toleranz, [PAGE 786] Humanismus und auch die Freiheit beinhalte, sich selber verwirklichen zu können.

Von seinen Kolleginnen und Kollegen wurde er für seine offene, unkomplizierte, ruhige und bescheidene Art geschätzt. Er ist in dem Jahr aus dem Nationalrat ausgeschieden, als ich zur Welt kam. Unsere Wege haben sich nie gekreuzt. Als ich aber seinem Enkel an der Trauerfeier zuhörte, ihn aus dem reichen Leben seines Grossvaters erzählen hörte, wusste ich, dass ich ihn wohl genauso geschätzt und gemocht hätte wie seine Weggefährtinnen und Weggefährten. Wir werden Franz Eng als hochgeachteten und liebenswürdigen Menschen und Politiker in Erinnerung behalten.

Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.

Ich bitte sowohl Sie, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, wie auch die Besucher auf der Tribüne, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment der Stille zu gedenken.[GZ]

[VS][GZ]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen [GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt