preparatory:AB 50098
Tschuppert Karl · Nationalrat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2003-06-19
Wortprotokoll
Mir wurde unlängst in der Sonntagspresse vorgeworfen, ich sei unhöflich und ein Rüpel, weil ich eine Kollegin daran erinnerte, dass es eigentlich anständig wäre, zu Beginn eines Votums eine Begrüssung auszusprechen. Wie es so geht im Leben - manchmal spielt Meister Zufall Regie -, können Sie heute mitentscheiden, ob ich diesbezüglich völlig daneben bin oder nicht.
Mein Antrag ist sehr human; als Grundlage habe ich nur unser tägliches Verhalten genommen. Es ist doch völlig normal, dass wir uns zu Hause, unter Freunden oder am Arbeitsplatz grüssen, wenn wir uns das erste Mal begegnen. Alles andere ist doch eine Geringschätzung gegenüber den Mitmenschen. Insofern ist eine fehlende Anrede in diesem Parlament eine Geringschätzung gegenüber unserem Vorsitzenden und den Magistratspersonen, die ja meistens bei unseren Beratungen anwesend sind. Ich verlange nicht einmal, dass die Kolleginnen und Kollegen begrüsst werden, sondern nur der Vorsitzende und die Magistratspersonen. [PAGE 1155]
Nun hat das Ganze einen Schönheitsfehler: So etwas müsste nicht unbedingt in ein Reglement geschrieben werden; es sollte eigentlich selbstverständlich sein, und das war auch fast 150 Jahre lang so, bis nun Einzelne das Gefühl haben, das sei ein alter Zopf und eine Floskel. Aber mein Antrag ist überhaupt nicht exotisch. Im Kanton Luzern beispielsweise ist das im Ratsreglement festgeschrieben, ich habe das also nicht aus der Luft gegriffen; es ist dort festgeschrieben, dass die Anrede mit "Herr Präsident, Kolleginnen und Kollegen, Herr Regierungsrat usw." beginnt.
Deshalb bitte ich Sie, meinem Antrag, der einer Selbstverständlichkeit des Anstandes im täglichen Umgang mit Mitmenschen entspricht, zuzustimmen.