preparatory:AB 80051
Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2007-06-05
Wortprotokoll
Zunächst möchte ich Ihnen sehr herzlich für den Beginn dieses Tages danken. Das war eine sehr gute Unterhaltung, ich habe das genossen. Ich kam mir etwas vor wie das schweizerische Fernsehen; es kann seit längerer Zeit keine Formel-1-Rennen übertragen und kommentieren; umso intensiver verfolgt es jetzt diese Debatte. Es sind in der Tat gewisse Parallelen festzustellen. Beispielsweise ist der Lärmpegel hier zeitweise wirklich so hoch wie an einem Formel-1-Rennen gewesen, es sind teilweise auch gewisse Aggressionen befreiend abgebaut worden. Auch die Wendigkeit des einmal Links- und das andere Mal Rechtsüberholens wurde mir plastisch vor Augen geführt, vor allem, als Herr Füglistaller das Verbandsbeschwerderecht lobte und sagte, wir könnten uns ja darauf verlassen, wenn es um diese Rundstreckenrennen gehe - Kompliment, Herr Füglistaller! Auch als Sie Herrn von Weizsäcker zitiert und gesagt haben, der wahre geistige Wert bestehe nicht darin, eine Freiheit zu haben, sondern die Freiheit auch tatsächlich zu gebrauchen, da musste ich sagen: Hut ab vor dieser Einsicht! Es zeigt auch, dass Sie gewillt sind, die Freiheit solcher Autorennen dereinst zu nutzen. Ich frage mich, ob die potenziellen Sieger schon eine Champagnerflasche bereit haben und sich diese selbst über den Kopf giessen werden.
Sie haben es gesagt: Dieser Vorstoss hat, selbst wenn er angenommen wird, keine unmittelbaren Folgen. Wir sind auch überzeugt, dass Formel-1-Rennen wirtschaftlich kaum tragbar sind. Wenn wir ins Ausland schauen, sehen wir, dass in Hockenheim die entsprechende Gesellschaft verschuldet ist. Der dortige Bürgermeister sagte, man könne sich das schlicht nicht mehr leisten. In Spa in Belgien kam es zu öffentlichen Subventionen. Letztes Jahr musste das Rennen ausfallen. Ich bin nicht so sicher, dass diese Rennen tatsächlich rentabel sind. Auch die Befürworter haben selbst gesagt, es komme darauf an, ob man jemand finde, der solche Investitionen tätige. Von daher geht es eher um die symbolische Bedeutung.
Das haben Sie ja auch so gesehen. Da möchte ich Ihnen in Erinnerung rufen: Wir diskutieren hier darüber, wie wir dem Phänomen der Raser auf unseren Strassen beikommen können. Ist es da sinnvoll, jetzt ein Zeichen für Formel-1-Rennen zu setzen? Wir diskutieren hier stundenlang darüber, wie wir beim Feinstaub der Sache Herr werden können. Ist es denn da sinnvoll, jetzt Formel-1-Rennen zu beschliessen? Wir diskutieren tagelang über den CO2-Ausstoss und über die Klimapolitik. Ist es da sinnvoll, jetzt Formel-1-Rennen zu beschliessen? Wir möchten den Tourismus in unserem Land pflegen, einen nachhaltigen Tourismus. Wir wissen, auf lange Sicht kommen die Touristen zu uns, weil sie die Nachhaltigkeit, die Natur, die intakte Schweiz lieben. Von daher ist der Vergleich mit dem Tourismuskonzept in Bahrain oder in Singapur nicht unbedingt angebracht. Wenn Touristen zu Sportveranstaltungen zu uns kommen, dann kommen sie an Skirennen, an Schwing- und Hornusserfeste.
Pflegen Sie diese schweizerischen Wurzeln, und folgen Sie dem Bundesrat.