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Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-11-28
Wortprotokoll
Madame l'ancienne présidente du Conseil national, chère Christa, cari colleghi del Consiglio nazionale, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren, merci pour votre confiance, vielen, vielen Dank für das Vertrauen, das Sie mir mit meiner Wahl soeben entgegengebracht haben und mit dem Sie mich für ein Jahr mit der Leitung dieses Ihres Rates betrauen. Bedanken möchte ich mich vor allem bei meiner Vorgängerin Christa Markwalder, die mich in den vergangenen zwölf Monaten sehr gut vorbereitet, mir viele Freiheiten und Aufgaben gegeben hat und mich eng an ihrem Präsidialjahr hat partizipieren lassen. Ich freue mich, gemeinsam mit Ihnen ein erfolgreiches Jahr erfüllen zu dürfen. Der Dank gilt aber auch meiner Fraktion unter der Leitung von Adrian Amstutz, die mir vor zwei Jahren das Vertrauen ausgesprochen und mir mit der Nomination zum zweiten Vizepräsidenten diese Aufgabe zugetraut hat. Ebenso bedanken möchte ich mich für die Präsenz der Regierungen meines Heimatkantons Zürich, meiner Heimatstadt Winterthur und meiner Gemeinde Brütten.
Als 1972 Bernhard Russi Olympiagold gewann und ich als damals Vierjähriger gleich schnell Ski fahren wollte, als ich im Frühjahr 1984 meine Lehre als Drogist begann, als ich im kalten Februar 1989 - ein gutes halbes Jahr vor dem Fall der Berliner Mauer - meine Rekrutenschule als Fallschirmaufklärer in Magadino antrat und als ich am 6. Dezember 1999 zum ersten Mal in diesem Saal als Nationalrat vereidigt wurde, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich einmal als Präsident des Nationalrates vor Ihnen sitzen würde.
Auf meinen Lebensstationen habe ich immer wieder versucht, eine gute Leistung zu erbringen, was einem ja nicht immer gelingt. Und heute darf ich das Amt des Nationalratspräsidenten antreten. Mein Respekt vor dieser Aufgabe ist gross; noch grösser ist jedoch mein Respekt vor der Freiheit, der Demokratie, vor unserem Land, vor den Errungenschaften und vor den Tausenden von Menschen in unserem wunderbaren Land. Sie, die Menschen, machen dieses Land aus, indem sie jeden Tag Gutes leisten und mit ihrer Schaffenskraft zum Erfolgsmodell Schweiz beitragen. Sie stehen nicht [PAGE 1851] so sehr im Vordergrund wie wir in diesem Saal. Darum denke ich an diese vielen kleineren und grösseren Zahnräder, die das so gut funktionierende Uhrwerk Schweiz tagtäglich antreiben und ausmachen. An unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erinnern ist mir ein wichtiges Anliegen; sie sind ein Teil meines Präsidialjahres.
Ich freue mich aber auch darauf, zusammen mit Ihnen dieses Land weiter zu gestalten, einiges zu bewegen und vieles zu erleben. Als jemand, der im Team viel besser funktioniert als im "Allein-Modus", möchte ich Sie deshalb auffordern, in diesem meinem Team mitzuarbeiten und zu helfen, unser Land für die Herausforderungen fit zu machen; es gibt genügend Herausforderungen. Dazu gehört auch, dass wir die politischen Auseinandersetzungen hart - sie müssen ja nicht immer so hart sein wie mein Nachname -, aber fair und mit der nötigen Gelassenheit austragen.
Demokratie und Freiheit sind keinesfalls selbstverständlich. Sie müssen immer wieder als höchstes Gut in das Tagesgeschäft einfliessen. Es ist unbestritten, dass es diese Auseinandersetzungen für solide, weitsichtige Lösungen braucht.
Damit alles reibungslos funktionieren kann, ist auch hier im Nationalratssaal Disziplin notwendig. Ich komme nicht darum herum, dieses Wort im Zusammenhang mit unserem Wirken zu nennen. Ich bin mir sicher, Sie teilen meine Überzeugung, dass es sich einfacher arbeiten lässt, wenn der Lärmpegel tief ist, wenn wir einander Aufmerksamkeit schenken und uns mit Respekt begegnen. Jede und jeder kann zu einem konstruktiven Politikklima beitragen. Und wenn das alle tun, so klappt es auch. Hier meine ich nicht nur den Konsens: Auch im Dissens kann man das tun. Schliesslich sitzen vor mir über 10 000 Jahre an Lebenserfahrung - über 10 000 Jahre! 3582 Jahre davon sind Ihre Jugend- und Kindheitsjahre. Darum bin ich mir sicher, dass Sie diese Lebenserfahrung anwenden können und ich Sie nicht häufig ermahnen muss - aber Sie können ebenso sicher sein, dass ich es tun werde, wenn ich es tun muss!
Ich wünsche den Menschen in unserem Land den Mut, Unspektakuläres und Bewährtes vorzuleben und zu geniessen, ohne dabei die Baustellen und Schattenseiten auszublenden. Letztlich ist es vor allem das Alltägliche, das uns erdet und Halt gibt. Und Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, wünsche ich die Motivation und die Freude, an der Erfolgsgeschichte Schweiz weiterzuschreiben, den Menschen in unserem Land Gutes zu tun, damit sie der Demokratie, der Freiheit sowie der Institution Parlament und ihren Akteurinnen und Akteuren Vertrauen schenken können.
Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich an all jene erinnern, die mich in meinem Leben auf wichtigen Abschnitten begleitet und geprägt haben, leider aber nicht mehr unter uns sind: an meinen Papi, mon papa, der leider vor über zwanzig Jahren viel zu früh verstorben ist; an politische Freunde und Wegbegleiter wie This Jenny und Bruno Zuppiger; an meinen fast gleichaltrigen Cousin und Jugendfreund, der im letzten Juli von einer Velotour nicht mehr zurückgekehrt ist; oder an Viktor Gertsch, einen vorbildlichen Menschen und Freund, der vorgestern verstorben ist.
Viele Menschen haben mich bis heute begleitet. Ihnen allen möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen: meiner Familie und meinen Freunden, Berufskollegen, Jugendtrainern, Lehrerinnen und Lehrern, meinem Lehrmeister, meinen OK-Kollegen, Professoren, Direktionskollegen, Sportfunktionären, politischen Freunden, Vorgesetzten, Mitarbeitenden und Lernenden. Sie alle haben in den vergangenen 48 Jahren in irgendeiner Form - mehr oder weniger erfolgreich - versucht, positiv auf mich einzuwirken, auf dass es gut herauskommen soll.
Ein Sprichwort prägt mein Handeln jedoch bis heute: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem. - Was auch immer du tust, tue es klug und bedenke das Ende. - Quoi que tu fasses, fais-le avec prudence, sans perdre de vue la fin. - Qualunque cosa tu faccia, falla con prudenza e sta attento alle conseguenze.
In diesem emotionalen Moment möchte ich mich speziell bei meiner Frau Sabine für all die Liebe, Wärme und Unterstützung bedanken; bei meiner Tochter Valérie, die mich seit einem Jahr und 17 Tagen nicht nur verzaubert und in Trab hält, sondern tagtäglich vermeintlich Wichtiges wieder relativiert. Ein grosses Dankeschön geht an mein Mami für die uneingeschränkte Herzlichkeit und Unterstützung in guten wie auch in schwierigen Zeiten.
Sie, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Nationalrates, haben mich vor zehn Minuten beauftragt, Ihren Rat und die Bundesversammlung in den kommenden 52 Wochen zu präsidieren und zu repräsentieren. Sie können auf mich zählen, ich zähle auch auf Sie!
Jetzt lade ich Sie ein, mit Rhythmus in ein erfolgreiches Jahr zu starten, mit Rhythmus, Genuss und Lebensfreude die kommenden Minuten zusammen mit mir zu geniessen.
Danke, merci, grazie, grazia fitg! (Beifall)
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Elvis Presley [GZ]
Shake, rattle and roll [GZ]
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MG Grace [GZ]
Manuel Steck, Gitarre und Gesang [GZ]
Felix Widmer, Piano [GZ]
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Kunstturnen [GZ]
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Drei Turner führen Übungen am Pferdpauschen vor.
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