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AS 2006 3951

Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei

Verordnung zum Bundesgesetz über die Fischerei (VBGF)

Änderung vom 30. August 2006

Der Schweizerische Bundesrat verordnet:

I Die Verordnung vom 24. November 19931 zum Bundesgesetz über die Fischerei wird wie folgt geändert:

Ingress gestützt auf die Artikel 4 Absätze 1 und 2, 5 Absatz 1, 6 Absatz 3 und

21 Absatz 1 des Bundesgesetzes vom 21. Juni 19912 über die Fischerei (Gesetz),

Artikel 33 des Tierschutzgesetzes vom 9. März 19783, Artikel 53 Absatz 1 des Tierseuchengesetzes vom 1. Juli 19664, in Ausführung des Übereinkommens vom 19. September 19795 über die Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer natürlichen Lebens- räume (Berner Konvention), in Ausführung des Übereinkommens vom 12. April 19996 zum Schutz des Rheins,

Art. 1 Abs. 1

1 Die Schonzeiten für die unten aufgeführten Fische und Krebse betragen mindes-

tens: Forellen (Salmo trutta, alle Unterarten) Wochen – in fliessenden Gewässern und in Stauhaltungen 16 – in stehenden Gewässern 12 Seesaibling (Salvelinus alpinus) 8 Felchen (Coregonus spp.) 6 Äsche (Thymallus thymallus) 10 Alborella (Alburnus alburnus alborella) 4 einheimische Krebse (Reptantia) 40

2005-1247 3951

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Art. 2 Abs. 1

1 Die Fangmindestmasse betragen für:

Forellen (Salmo trutta, alle Unterarten) cm – in grösseren stehenden Gewässern unter 800 m Meereshöhe 35 – in den übrigen Gewässern 22 Seesaibling (Salvelinus alpinus) 22 Felchen (Coregonus spp.) 25 Äsche (Thymallus thymallus) 28 Edelkrebs (Astacus astacus) 12 Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) 9 Steinkrebs (Austropotamobius torrentium) 9

Art. 2a Fangverbote

1 Fische, die in Anhang 1 mit dem Gefährdungsstatus 0, 1 oder 2 bezeichnet sind

und für die keine Schonzeiten oder Fangmindestmasse nach den Artikeln 1 oder 2 bestehen, dürfen nicht gefangen werden.

2 Zurückversetzte oder beim Angeln festgestellte Lachse (Salmo salar) sind der

kantonalen Fischereifachstelle unverzüglich zu melden.

Art. 3 Sonderfänge Die Kantone können Sonderfänge durchführen oder durchführen lassen, insbeson- dere zum Abfischen vor technischen Eingriffen, zur Bekämpfung von Krankheiten, zur Laichgewinnung, zum Abfischen von Aufzuchtgewässern oder für fischereibio- logische Erhebungen. Dabei kann von den Schonzeiten, Fangmindestmassen und Fangverboten abgewichen werden.

Art. 5a Anforderungen an die Fangberechtigung Wer eine Berechtigung zum Fang von Fischen oder Krebsen erwerben will, muss nachweisen, dass er oder sie ausreichende Kenntnisse über Fische und Krebse und die tierschutzgerechte Ausübung der Fischerei hat.

Art. 5c Bekämpfung von Tierseuchen Die Kantone sorgen dafür, dass durch den Besatz von Fischen oder Krebsen keine Tierseuchen verbreitet werden.

Art. 6 Abs. 3 Bst. a, 4 und 5

3 Als Aquarienfische gelten Fische und Krebse, die:

a. ausschliesslich in Aquarien eingesetzt werden, deren allfälliger Auslauf in eine Kanalisation mit Anschluss an eine Abwasserreinigungsanlage mündet; und

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4 Als Gartenteiche gelten kleine künstliche Gewässer ohne Zu- und Abfluss, in

denen keine Fische oder Krebse gehalten werden, die als Köderfische oder als Spei- sefische oder -krebse genutzt werden.

5 Als Einsetzen gilt jedes Einbringen von Fischen und Krebsen in natürliche oder

künstliche, öffentliche oder private Gewässer, einschliesslich Fischzuchtanlagen, Gartenteiche und Aquarien.

Art. 7 Bst. c und d Die Voraussetzungen von Artikel 6 Absatz 2 des Gesetzes sind in der Regel erfüllt, wenn: c. landesfremde Fische, die in Anhang 3 nicht aufgeführt sind, als Speisefische in geschlossenen Fischzuchtanlagen, deren allfälliger Auslauf in eine Kana- lisation mit Anschluss an eine Abwasserreinigungsanlage mündet, eingesetzt werden; d. landesfremde Fische und Krebse nach Anhang 3 für öffentliche Ausstellun- gen und Zoos oder für die Forschung in Aquarien eingesetzt werden, aus denen sie nicht in ein anderes Gewässer entweichen können, und der allfäl- lige Auslauf des Aquariums in eine Kanalisation mit Anschluss an eine Abwasserreinigungsanlage mündet.

Art. 8 Abs. 1 sowie 2 Einleitungssatz und Bst. d 1 Ohne Bewilligung nach Artikel 6 Absatz 1 des Gesetzes dürfen eingeführt werden:

a. tote Fische und Krebse; b. Meerfische und -krebse, die in Süsswasser nicht überleben können; c. Fische zum Halten in Gartenteichen und Aquarienfische, die nicht in Anhang 3 aufgeführt sind. 2 Ohne Bewilligung nach Artikel 6 Absatz 1 des Gesetzes dürfen eingesetzt werden:

d. Fische, die nicht in Anhang 3 aufgeführt sind, in Gartenteiche und Aquarien.

Art. 13 Abs. 1 Bst. e Betrifft nur den französichen Text.

II Die Anhänge 1–3 erhalten die neue Fassung gemäss Beilage.

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III Die Verordnung vom 20. April 19887 über die Ein-, Durch- und Ausfuhr von Tieren und Tierprodukten wird wie folgt geändert:

Art. 25 Abs. 1 Bst. e

1 Tiere nach Artikel 1 Ziffer 1 dürfen nur mit einer Bewilligung des Bundesamtes

eingeführt werden. Keine Bewilligung ist erforderlich für: e. Aquarienfische und Fische zum Halten in Gartenteichen, die nicht in Anhang 3 der Verordnung vom 24. November 19938 zum Bundesgesetz über die Fischerei aufgeführt sind;

Art. 27 Abs. 1 Bst. e 1 Tiere nach Artikel 1 Ziffer 1 müssen grenztierärztlich untersucht werden. Keine grenztierärztliche Untersuchung ist erforderlich: e. für Aquarienfische und Fische zum Halten in Gartenteichen, mit Ausnahme jener Fische, die in Anhang 3 der Verordnung vom 24. November 19939 zum Bundesgesetz über die Fischerei aufgeführt sind.

IV

1 Diese Änderung tritt mit Ausnahme von Artikel 5a am 1. Januar 2007 in Kraft.

2 Artikel 5a tritt am 1. Januar 2009 in Kraft.

30. August 2006 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates Der Bundespräsident: Moritz Leuenberger Die Bundeskanzlerin: Annemarie Huber-Hotz

7 SR 916.443.11 8 SR 923.01; AS 2006 3951 9 SR 923.01; AS 2006 3951

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Anhang 1 (Art. 2a, 5, 5b, 6–8)

Einheimische Arten von Fischen und Krebsen

Name Wissenschaftliche Bezeichnung Einzugsgebietea Gefähr- deutsch/lokal dungs- statusb

Acipenseridae: Stör Acipenser sturio Hochrhein 0, E Mittelmeer-Stör Acipenser naccarii Ticino 0, S Anguillidae: Aal Anguilla anguilla Rhein, Rhone, Doubs, Ticino 3 Balitoridae: Schmerle, Barbatula barbatula Rhein, Rhone, Doubs, Inn NG Bartgrundel Blenniidae: Cagnetta Salaria fluviatilis Ticino 4, E Clupeidae: Agone Alosa agone Ticino 3, E Maifisch Alosa alosa Hochrhein 0, E Cheppia Alosa fallax Ticino 0, E Cobitidae: Steinbeisser, Cobitis taenia Rhein, Ticino 3, E Dorngrundel Schlammpeitzger, Misgurnus fossilis Raum Basel 1, E Moorgrundel Cottidae: Groppe Cottus gobio Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 4 Inn Cyprinidae: Blicke Abramis bjoerkna Rhein, Rhone, Doubs 4 Brachsmen Abramis brama Rhein, Rhone, Doubs NG Schneider Alburnoides bipunctatus Rhein, Rhone, Doubs, Inn 3, E Laube, Ukelei Alburnus alburnus Rhein, Rhone, Doubs NG Alborella Alburnus alburnus alborella Ticino 2, E Barbe Barbus barbus Rhein, Rhone, Doubs 4 Barbo canino Barbus caninus Ticino 3, E Barbo Barbus plebejus Ticino 3, E Nase Chondrostoma nasus Rhein 1, E Savetta Chondrostoma soetta Ticino 1, E Soiffe, Sofie Chondrostoma toxostoma Doubs 1, E Karpfen Cyprinus carpio Rhein, Rhone, Doubs, Ticino 3 Gründling Gobio gobio Rhein, Rhone, Doubs, Ticino NG Moderlieschen Leucaspius delineatus Rhein 4, E Alet Leuciscus cephalus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino NG Hasel Leuciscus leuciscus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino NG Strigione Leuciscus souffia muticellus Ticino 3, E Strömer Leuciscus souffia agassii Rhein, Rhone, Doubs 3, E Elritze Phoxinus phoxinus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, NG Inn Bitterling Rhodeus amarus Rhein 2, E Pigo Rutilus pigus Ticino 3, E Triotto Rutilus rubilio Ticino 3E

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Name Wissenschaftliche Bezeichnung Einzugsgebietea Gefähr- deutsch/lokal dungs- statusb

Rotauge Rutilus rutilus Rhein, Rhone, Doubs NG Rotfeder Scardinius erythrophthalmus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, NG Inn Schleie Tinca tinca Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, NG Inn Esocidae: Hecht Esox lucius Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, NG Inn Gadidae: Trüsche Lota lota Rhein, Rhone, Ticino NG Gasterosteidae: Stichling Gasterosteus aculeatus Rhein, Rhone 4 Gobiidae: Ghiozzo Padogobius bonelli Ticino 2, E Percidae: Kaulbarsch Gymnocephalus cernuus Rhein, Rhone NG Flussbarsch, Egli Perca fluviatilis Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, NG Inn Rhonestreber Zingel asper Doubs 1, S Petromyzontidae: Flussneunauge Lampetra fluviatilis Hochrhein 0, E Bachneunauge Lampetra planeri Rhein, Doubs, Ticino 2, E Salmonidae: Felchen (alle Taxa) Coregonus spp. seespezifisch 4, E Huchen Hucho hucho Inn 0, E Lachs Salmo salar Hochrhein 0, E Bachforelle Salmo trutta fario Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 4 Inn Seeforelle Salmo trutta lacustris seespezifisch 2 Trota marmorata Salmo trutta marmoratus Ticino 1 Meerforelle Salmo trutta trutta Hochrhein 0 Seesaibling Salvelinus alpinus seespezifisch 3 Äsche Thymallus thymallus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 3, E Inn Siluridae: Wels Silurus glanis Jurarandseen, Bodensee, 4, E Aare, Hochrhein Astacidae: Edelkrebs Astacus astacus Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 3, E Inn Dohlenkrebs Austropotamobius pallipes Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 2, E Inn Steinkrebs Austropotamobius Rhein, Rhone, Doubs, Ticino, 2, E torrentium Inn a Bei den Angaben «Rhein», «Rhone», «Doubs», «Ticino» und «Inn» handelt es sich jeweils um die schweizerischen hydrologischen Einzugsgebiete dieser Flüsse. Die Einzugsgebiete von Adda und Etsch werden nicht separat erwähnt; sie sind der Angabe «Ticino» gleichgestellt. b Gefährdungsstatus: 0 = ausgestorben, 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, 4 = potenziell gefährdet, NG = nicht gefährdet, E = europäisch geschützt nach Berner Konvention, S = europäisch stark geschützt nach Berner Konvention.

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Anhang 2 (Art. 7 und 8)

Fische, für welche die Bewilligungspflicht für das Einsetzen innerhalb des erlaubten Einsatzbereichs entfällt

Name Wissenschatliche erlaubter Einsatzbereich deutsch Bezeichnung

Regenbogenforelle Oncorhynchus mykiss Fischzucht- und Fischhälterungs- anlagen; Bergseen und alpine Stauseen ohne freie Fischwanderung in den Ober- und Unterlauf; künstliche stehende Gewässer, die speziell für fischereiliche Zwecke angelegt wurden Kanad. Seeforelle, Salvelinus namaycush Fischzucht- und Fischhälterungs- Amerik. Seesaibling anlagen; Bergseen und alpine Stauseen Bachsaibling Salvelinus fontinalis Fischzucht- und Fischhälterungs- anlagen; für Bachforellen ungeeignete Gewässer, in denen Bachsaiblinge bereits vorkommen und nicht zu unerwünschten Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt führen Zander Sander lucioperca Fischzucht- und Fischhälterungs- anlagen; Gewässer, in denen Zander bereits vorkommen und nicht zu unerwünschten Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt führen Koi, Spiegelkarpfen Cyprinus carpio und ähnliche Zucht- (Zuchtformen) formen Karausche Carassius carassius Fischzucht- und Fischhälterungs- Goldfisch, Silber- Carassius auratus auratus anlagen; kleine künstliche stehende karausche Gewässer Giebel Carassius auratus gibelio Goldorfe Leuciscus idus (Zuchtform)

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Anhang 3 (Art. 7 und 8)

Arten, Rassen und Varietäten von Fischen und Krebsen, deren Anwesenheit als unerwünschte Veränderung der Fauna gilt

Name Wissenschaftliche Bezeichnung deutsch

Hundsfische Umbra spp. Blaubandbärbling Pseudorasbora parva Weisser Amur, Graskarpfen Ctenopharyngodon idellus Silberner Tolstolob Hypophthalmichthys molitrix Gefleckter Tolstolob Aristichthys nobilis Katzenwels, Zwergwels Ameiurus spp. Sonnenbarsch Lepomis gibbosus Forellenbarsch Micropterus salmoides Schwarzbarsch Micropterus dolomieu Krebse ohne Edelkrebs, Dohlenkrebs und Reptantia ohne Astacus astacus, Austropota- Steinkrebs mobius pallipes, Austropotamobius torrentium

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