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19.3141 · Interpellation · 2019-03-19

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Ich bitte den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie interpretiert der Bundesrat den frappanten Rückgang der Anzahl Kandidatinnen und Kandidaten aus der französischen Schweiz für die schweizerische Maturitätsprüfung, den man in den letzten zehn Jahren feststellen konnte?

2. Ist der Bund bereit, Gegensteuer zu geben und sich in der Schweizerischen Maturitätskommission (SMK) für eine Information über die Lehrmittel oder für die Bereitstellung von Prüfungsbeispielen und Lösungen einzusetzen?

3. Falls nein: Welche anderen Massnahmen ist der Bundesrat zusammen mit der SMK zu ergreifen bereit, um die Organisation der schweizerischen Maturitätsprüfung zu verbessern?

Begründung

Die schweizerische Maturitätsprüfung wird von der Schweizerischen Maturitätskommission (SMK) durchgeführt, einer gemeinsamen Kommission von Bund und Kantonen. Die Hälfte der Mitglieder der SMK wird vom Eidgenössischen Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) bestimmt. Seit mehreren Jahren fordern die Westschweizer Privatschulen immer wieder, dass ihre Schülerinnen und Schüler die Prüfung unter guten Bedingungen absolvieren können, das heisst, dass sie mit einer gewissen Sicherheit wissen, welcher Prüfungsstoff sie erwartet.

Ich stelle nicht das System infrage, bin aber der Meinung, dass einfache Verbesserungen die Problematik entschärfen könnten. Vordringlich ist die Bestimmung von Referenzlehrbüchern (oder sonstigen Unterlagen) für jedes Fach. Dabei könnte es sich um Lehrmittel handeln, die in öffentlichen Schulen verwendet werden, oder um solche in den Privatschulen, die von der SMK auf einer Liste zusammengestellt werden. Mit dem heutigen System blosser Literaturlisten oder Richtlinien sind die Anforderungen zu offen bestimmt. Es sollte doch selbstverständlich sein, dass die Kandidatinnen und Kandidaten die Gewissheit haben, dass an den Prüfungen von ihnen das verlangt wird, was ihnen im Unterricht vermittelt wurde.

Eine andere Massnahme könnte sein, dass Prüfungsbeispiele mit Lösungen bereitgestellt werden, damit die Schülerinnen und Schüler besser abschätzen können, was von ihnen verlangt wird. Die Massnahme erlaubte es zudem den Lehrerinnen und Lehrern, zu erkennen, wie detailliert die Kenntnisse und Fähigkeiten sein müssen, die verlangt werden.

Es geht darum, eine vernünftige Lösung für die Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Letztlich steht auch der Stellenwert der schweizerischen Maturität auf dem Spiel. In der gegenwärtigen Situation müssen wir nämlich feststellen, dass immer mehr Westschweizer Privatschulen nicht mehr auf die schweizerische Maturität setzen, sondern stattdessen auf ausländische Abschlüsse hinarbeiten, zum Beispiel das französische Baccalauréat. So haben etwa in der Prüfungssession vom Sommer 2009 in der französischen Schweiz 463 Kandidatinnen und Kandidaten die schweizerische Maturitätsprüfung abgelegt; in der Prüfungssession vom Sommer 2018 waren es noch 230. Das heisst, die Zahl hat sich halbiert. Diese Entwicklung ist bedauerlich.

Stellungnahme des Bundesrates

Wer keine Schule besuchen kann oder will, deren Maturitätsausweise gesamtschweizerisch anerkannt sind, kann die von der Schweizerischen Maturitätskommission (SMK) organisierte schweizerische Maturitätsprüfung ablegen, mit oder ohne vorbereitenden Unterricht an einer Privatschule. Rund 3 Prozent der gymnasialen Maturitätsausweise werden in der Schweiz auf diesem Weg erworben. Die mit dem Abschluss der schweizerischen Maturitätsprüfung erlangten Ausweise gelten als gleichwertig zu den von den Kantonen gemäss der Verwaltungsvereinbarung (Eidgenössisches Departement des Innern und Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren) vom 16. Januar bzw. 15. Februar 1995 ausgestellten Maturitätsausweise.

Im Jahr 2009 stellte die SMK 605 gymnasiale Maturitätsausweise aus, 2018 waren es 468. Die Gesamtzahl der Maturandinnen und Maturanden, die die eidgenössische Maturität erlangen, ist um 23 Prozent gesunken. Der Rückgang betrifft vor allem die Westschweiz mit 32 Prozent weniger Ausweisen. In der deutsch- und in der italienischsprachigen Schweiz ist die Zahl um 10 Prozent beziehungsweise 5 Prozent gesunken.

Der Bundesrat beantwortet die Fragen des Interpellanten wie folgt:

1. Im Jahr 2018 gingen 53 Prozent der von der SMK ausgestellten Maturitätsausweise in die Westschweiz. Der Rückgang der Anzahl Ausweise in der Westschweiz in den vergangenen zehn Jahren ist zum grossen Teil auf die Anerkennung der Maturitätsausweise von zwei Genfer Privatschulen zurückzuführen. Die SMK vergab jährlich rund 80 Ausweise an Jugendliche, die diese beiden Schulen besucht hatten. Der restliche Rückgang lässt sich mit der angestrebten Verbesserung der Durchlässigkeit des Schweizer Bildungssystems erklären, insbesondere der Schaffung der Ergänzungsprüfung Passerelle für Personen mit einer Berufsmaturität und ab 2017 auch für Personen mit einer Fachmaturität.

2. Da die Lehrmittel und Lehrmethoden in den Bereich Pädagogik fallen, verlässt sich der Bundesrat auf die Einschätzung der SMK, die in der Frage entscheidet. Die SMK ist für die Organisation der Prüfung und die Erarbeitung der entsprechenden Richtlinien zuständig. Dabei stützt sie sich insbesondere auf das Wissen von Expertinnen und Experten sowie Fachleuten im Bereich der gymnasialen Maturität und Prüfende an öffentlichen Gymnasien und Hochschulen in der ganzen Schweiz. Im Übrigen stellt die SMK den Kandidatinnen und Kandidaten bereits heute Prüfungsbeispiele zur Verfügung, und sie organisiert Treffen zwischen Prüfenden und Lehrpersonen der Privatschulen.

3. Der Bundesrat ist überzeugt von der Qualität der von der SMK durchgeführten Prüfung und sieht keinen Handlungsbedarf.

Antwort des Bundesrates.

Schweizerische Maturitätsprüfung. Gleichbehandlung der Kandidatinnen und Kandidaten | Lexipedia | Lexipedia