19.3194 · Motion · 2019-03-21
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, eine neue Studie des Staatssekretariates für Wirtschaft (Seco) zum Thema Stress mit aktuellen Daten ausarbeiten zu lassen.
Begründung
Der Druck auf die Arbeitnehmenden ist anhaltend hoch, und psychosoziale Belastungen wie Stress oder emotionale Erschöpfungszustände nehmen stetig zu. 2010 hat das Seco eine Studie zu "Stress bei Schweizer Erwerbstätigen" durchgeführt, um die aktuelle Situation zu Stress zu erfassen. Seitdem wurde keine Studie in dieser Form mehr gemacht, obwohl die Studie häufig zitiert wird. Ein aktualisiertes Stressmonitoring hilft, die Entwicklung im Auge zu behalten und darauf aufbauend geeignete Schutzmechanismen für die Arbeitnehmenden zu entwickeln.
Sowohl die Politik wie auch die Wirtschaft sind gemeinsam gefordert, ein möglichst stressfreies Arbeitsklima zu schaffen. Gemäss eben dieser Seco-Studie betrugen die durch Stress verursachten jährlichen Kosten, welche von der Gesellschaft getragen werden, 10 Milliarden Franken (Stand 2011). Zehn Jahre früher lag dieser Wert noch bei 4 Milliarden. Demnach ist davon auszugehen, dass die Kosten bis heute erneut gestiegen sind.
Eine Art Monitoring über die Veränderungen in der Bewertung von einzelnen Aspekten der Arbeitsbedingungen ist für eine sich wandelnde Wirtschaft sicherlich sinnvoll und gewinnbringend und ermöglicht, auf negative Tendenzen zeitgerecht zu reagieren für die langfristige Gesundheit und Zufriedenheit aller Arbeitnehmenden und zuletzt der ganzen Schweizer Bevölkerung.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Arbeitsbedingter Stress ist ein wichtiges Thema im Bereich Gesundheit am Arbeitsplatz. Deshalb muss das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) als Oberaufsichtsbehörde über den Vollzug des Arbeitsgesetzes über Informationen zu diesem Phänomen und insbesondere zu seiner Entwicklung im Laufe der Zeit verfügen. Gleichzeitig ist dieses Thema auch in einem breiteren Kontext zu betrachten, nämlich im Rahmen des Monitorings von Gesundheitsrisiken für Arbeitnehmende.
Als Kompetenzzentrum für diese Fragen führt das Seco regelmässig nationale und internationale Erhebungen zu den Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Belastungen durch. Dies geschieht insbesondere in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Statistik, der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, Eurofound) sowie mit der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA).
Seit 2002 enthält die Schweizerische Gesundheitsbefragung (SGB) spezifische Fragen zu arbeitsbedingten Belastungen. Dabei geht es sowohl um physische als auch um psychische Belastungen (die SGB von 2017 wird zurzeit ausgewertet). Ausserdem beteiligt sich die Schweiz regelmässig an der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen (European Working Conditions Survey, EWCS; nächste Durchführung im Jahr 2020) sowie an der Esener-Studie (Europäische Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken der EU-OSHA; Datenerhebung im Jahr 2019). Bei beiden Erhebungen werden auch Fragen zu arbeitsbedingtem Stress gestellt. Alle drei Erhebungen werden alle fünf Jahre durchgeführt.
Zu diesen verschiedenen Monitoring-Instrumenten kommen weitere Informationen von externen Stellen hinzu. Die Gesamtheit dieser Daten wird von den Fachpersonen beim Seco regelmässig analysiert. Zeigt die Auswertung der Daten, dass zusätzliche Informationen notwendig sind, wird ein entsprechender Auftrag ausgelöst.
Momentan werden die dem Seco zur Verfügung stehenden Daten über arbeitsbedingten Stress als ausreichend betrachtet. Aus diesen Gründen scheint es dem Bundesrat nicht notwendig, eine zusätzliche Studie zu diesem spezifischen Thema in Auftrag zu geben.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.