19.4358 · Interpellation · 2019-09-27
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Neue Medien ermöglichen den Zugang zu Wissen und den Austausch mit anderen Menschen. Sie bergen aber auch die Gefahr der problematischen Nutzung und Online-Sucht. Immer mehr Eltern und Fachpersonen zeigen sich besorgt über Kinder und Jugendliche, die einen Grossteil ihrer Tage und Nächte mit digitalen Technologien verbringen. Das Suchtproblem wird oft zu spät erkannt. Experten und Expertinnen schätzen, dass in der Schweiz etwa 10 Prozent der Jugendlichen suchtgefährdet sind oder bereits Abhängigkeitsverhalten zeigen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat letztes Jahr die Computerspielsucht (Gaming Disorder) in die neueste Ausgabe des Diagnosehandbuchs ICD-11 aufgenommen.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
1. Welche Anstrengungen hat der Bund bereits unternommen, um problematischer Internetnutzung und Online-Sucht von Kindern und Jugendlichen vorzubeugen?
2. Wie viele junge Menschen gelten heute als süchtig oder gefährdet?
3. Welche Präventionsmassnahmen sind geplant?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Im Jahr 2011 wurde in Erfüllung der Postulate Forster-Vannini 09.3521 und Schmid-Federer 09.3579 die Expertengruppe Online-Sucht konstituiert, um die Entwicklung im Bereich Online-Sucht beobachten zu können. Im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erstellte Syntheseberichte (2014, 2016, 2018; www.bag.admin.ch/bag/de/home/gesund-leben/sucht-und-gesundheit/verhaltenssuechte/internetsucht.html) zeigen die Entwicklungen im Bereich der problematischen Internetnutzung auf. Der nächste Synthesebericht folgt im Jahr 2020. Dabei werden Veränderungen in den Bereichen Problemlast, Betroffene, technologischer Fortschritt, Prävention, Früherkennung und Frühintervention, Schadenminderung sowie Behandlung und Beratung erfasst und dokumentiert.
Seit 2011 entwickelt das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) Massnahmen zur Förderung der Medienkompetenz, um Kinder und Jugendliche vor den Risiken der digitalen Medien zu schützen. Die Online-Sucht ist Teil der Themen, die auf der Website www.jugendundmedien.ch, in Broschüren und in anderen Massnahmen für Eltern und Bildungsfachleute behandelt werden. 2016 haben das BSV und das BAG gemeinsam ein Mandat von Sucht Schweiz über die Online-Sucht finanziert.
2. Gemäss den Resultaten der EU-Studie Kids Online Schweiz 2019 stellt ein Drittel der befragten Jugendlichen zwischen 11 und 16 Jahren fest, dass ihre Internetnutzung negative Auswirkungen auf ihren Alltag hat. Rund ein Viertel der Jugendlichen hat bereits erfolglos versucht, weniger Zeit online zu verbringen. 9 Prozent der befragten Jugendlichen berichten von mehreren klar negativen Folgen. Dieser Anteil nimmt mit dem Alter der Jugendlichen zu: Er steigt von 2 Prozent bei den 11- bis 12-Jährigen auf 16 Prozent bei den 15- bis 16-Jährigen.
Gemäss Suchtmonitoring 2015 ist in der Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren 1 Prozent von einer problematischen Internetnutzung betroffen. Mit 7,4 Prozent sind die Zahlen in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen wesentlich höher. Frauen und Männer sind zu gleichen Teilen betroffen.
3. Das BAG hat den Fachverband Sucht (FS) und das Groupement Romand d'études des addictions (GREA) mit der Erarbeitung eines Konzeptes für die Beratung der Eltern und Angehörigen beauftragt. Damit sollen Fachstellen bei der Arbeit mit Angehörigen und Eltern von Jugendlichen, die eine problematische Internetnutzung zeigen, unterstützt werden. Die nationale Plattform Jugend und Medien des BSV befasst sich im Rahmen ihres Auftrags weiterhin mit dem Thema der Online-Sucht.
Antwort des Bundesrates.