Studie über die Auswirkungen neuer Arbeitsformen auf die Infrastrukturen mit dem Ziel, positive Veränderungen zu implementieren
20.3265 · Postulat · 2020-05-04
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Auswirkungen der neuen Arbeitsformen auf die Infrastrukturen zu untersuchen und einen Bericht vorzulegen, um die positiven Auswirkungen auf die Gemeinschaft zu implementieren. Untersucht werden sollen insbesondere folgende Aspekte:
1. Auf welche Art und in welchem Ausmass könnten neue Formen der Arbeit, des Studiums und der Versorgung, die während der Pandemie entwickelt wurden, dauerhaft implementiert werden, um die Infrastrukturen zu entlasten und um mobilitätsbedingte externe Kosten zu reduzieren?
2. Welche Rahmenbedingungen sollen umgesetzt werden, um die Weiterführung der Telearbeit für Unternehmen, Verwaltungen sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit entsprechender Absicht zu fördern?
3. Wie können die Infrastrukturen optimiert werden, sodass die Telearbeit attraktiver und effizienter wird?
4. Welche Folgen sind für die Gemeinschaft zu erwarten?
Begründung
Die Massnahmen im Zusammenhang mit dem Lockdown haben grossen Einfluss auf die Mobilität; der Rückgang ist sehr stark, neue Formen entstehen. Telearbeit, Fernunterricht, virtuelle Sitzungen, Online-Bestellungen und Lieferservices haben zugenommen. Einerseits ist die Schweiz seit Jahrzehnten mit einer Zunahme des Verkehrs konfrontiert und Wachstumsprognosen stellen uns vor grosse Herausforderungen; andererseits müssen die Auswirkungen der neuen Arbeitsformen auf die Infrastrukturen untersucht werden, um die positiven Auswirkungen auf die Gemeinschaft zu implementieren.
Durch die Zunahme der Mobilität von Personen und Gütern steht bezüglich Auslastung, Kosten und externen Auswirkungen viel auf dem Spiel. Mehrere Massnahmen wurden geprüft, um den Pendlerverkehr zu reduzieren, das Verkehrsaufkommen in Spitzenzeiten zu entlasten und die Infrastrukturen besser zu nutzen. Als Beispiele seien die Tarifgestaltung im Bereich des öffentlichen Verkehrs oder die Förderung der Telearbeit genannt.
Die Telearbeit wird zwar seit fast dreissig Jahren ausgiebig untersucht; genutzt wird diese Möglichkeit aber nach wie vor wenig. Das könnte sich nun ändern: 80 Prozent der Bevölkerung möchte in Zukunft vermehrt zu Hause arbeiten. Es sieht so aus, als hätten wir nun die Gelegenheit, diese Arbeitsform stärker zu implementieren. Auf die Gemeinschaft dürfte sich dies positiv auswirken. Es geht darum, rasch die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um die Arbeitsbedingungen für die Telearbeit und das Heimstudium zu verbessern.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat hat sich in der Vergangenheit wiederholt zu flexiblen Arbeitsformen geäussert, welche beispielsweise durch Telearbeit ermöglicht werden. Auf die Auswirkungen der Telearbeit und der damit verbundenen örtlichen und zeitlichen Flexibilisierung ging er im Bericht über die Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigung und Arbeitsbedingungen vom 8. November 2017 ein. Der Bundesrat unterstützt die flexiblen Arbeitsformen aus ökologischen, sozialpolitischen und wirtschaftlichen Gründen (vgl. Stellungnahme des Bundesrates zur Interpellation Egger Thomas 19.3628, "Work Smart und Village Office", vom 21.08.2019). Da flexible Arbeitsformen nicht für alle Tätigkeiten und Berufe gleichermassen geeignet sind, ist die Entscheidung über deren Einsatz aber grundsätzlich den Arbeitgebern und Arbeitnehmenden zu überlassen.
Schon vor dem Ausbruch der Pandemie erfreute sich die Telearbeit in der Schweiz einer zunehmenden Beliebtheit. Durch die Coronakrise und die damit verbundenen Empfehlungen betreffend Hygiene und soziale Distanz hat die Bedeutung von Telearbeit schlagartig stark zugenommen. Die Telearbeit hat in der Krise einen wertvollen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft geleistet und zu einem wichtigen Teil zur Eindämmung der Pandemie beigetragen. Die positive Bilanz bestätigt den Bundesrat darin, dass in der Schweiz gute Rahmenbedingungen für den Einsatz flexibler Arbeitsformen vorhanden sind. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist die gute Versorgung der Bevölkerung und der Wirtschaft mit digitalen Infrastrukturen.
Während der ausserordentlichen Situation haben zahlreiche Arbeitgeber und Arbeitnehmende neue Erkenntnisse über die Möglichkeiten und Herausforderungen der Telearbeit gewonnen. Es ist davon auszugehen, dass diese Erkenntnisse in künftige Entscheidungen für den Einsatz flexibler Arbeitsformen einfliessen werden. Wichtig bleibt, dass die Unternehmen vorgängig geeignete Rahmenbedingungen schaffen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO hat deshalb vergangenes Jahr eine Broschüre zu wichtigen Vorkehrungen für Telearbeit bzw. Homeoffice im Speziellen veröffentlicht (Arbeiten zu Hause - Homeoffice; www.seco.admin.ch > Publikationen). Diese zeigt auf, welche Faktoren für eine erfolgreiche Umsetzung von Homeoffice beachtet werden müssen und wie diese etabliert werden können.
Bis Ende 2022 wird der Bundesrat einen Monitoringbericht über die relevanten Entwicklungen im Kontext der Digitalisierung des Arbeitsmarktes verabschieden. Dabei wird er auch auf die Entwicklung der Telearbeit eingehen. Der Bundesrat sieht derzeit keinen Bedarf für einen zusätzlichen Bericht.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.