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20.3308 · Interpellation · 2020-05-05

Finanzdepartement

Erledigt

Wortlaut

Der Umgang mit der Covid-19-Notlage hat allen Gesellschaftsschichten grosse Anpassungen abverlangt. Sehr deutlich zeigte sich dies bei der weit verbreiteten Nutzung des Homeoffice. Auch zahlreiche Bundesangestellte arbeiten zurzeit im Homeoffice. Diesbezüglich stellen die gegenwärtigen Umstände einen wichtigen Test dar, aus dem für die Zukunft Erfahrungen gesammelt werden können und der dazu genutzt werden kann, die Verbreitung des Homeoffice zu beschleunigen. Wie in anderen Bereichen könnte die Einführung von erleichterten Bedingungen für das Homeoffice auch in der Bundesverwaltung positive Auswirkungen auf verschiedene Bereiche haben, z. B. den Verkehr (weniger überfüllte öffentliche Verkehrsmittel und weniger Stau auf den Strassen), die Lebensqualität der Angestellten (bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben, weniger Stress) und die Arbeitsleistung (grössere Flexibilität und Produktivität, geringeres Risiko eines Burnout). Weiter könnten solche Massnahme sich auch positiv auf die Bundesfinanzen auswirken dank einer effizienteren Verwaltung der gemieteten Räumlichkeiten und einem gezielteren Ressourceneinsatz. Unterstrichen werden muss zudem, dass eine flexiblere und breitere Nutzung des Homeoffice sich beim Personal positiv auf die Vertretung der sprachlichen Minderheiten auswirken würde, was dazu beitragen würde, die im Bericht "Mehrsprachigkeit innerhalb der Bundesverwaltung" von 2019 aufgezeigten Lücken zu schliessen. Mit einem einfacheren Zugang zum Homeoffice würde der Bund als Arbeitgeber für Personen, die in Randregionen der Schweiz wohnen, an Attraktivität gewinnen.

1. Hat der Bundesrat in Zusammenhang mit Covid-19 für die Bundesangestellten Sondermassnahmen für ein erleichtertes Homeoffice eingeführt?

2. Wie viele Angestellte haben diese Möglichkeit wahrgenommen?

3. Sind für die einzelnen Departemente und in Bezug auf die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Sprachgemeinschaften Daten verfügbar?

4. Kann schon eine erste Bilanz bezüglich der Nutzung von Homeoffice in der Bundesverwaltung für diesen Zeitraum gezogen werden?

5. Welche Weichenstellungen sind aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen für die künftige Weiterentwicklung des Homeoffice denkbar?

6. In welchen Bereichen braucht es Investitionen, um die Rahmenbedingungen für das Homeoffice zu verbessen?

7. Stellt das Homeoffice eine Möglichkeit dar, um die Vertretung der Sprachminderheiten innerhalb der Bundesverwaltung zu fördern?

Stellungnahme des Bundesrates

Frage 1

Die Bundesverwaltung unterstützt Homeoffice seit mehreren Jahren und diese Arbeitsform wird bedarfsorientiert eingesetzt. Daher waren keine zusätzlichen Massnahmen erforderlich. Auf der technischen Seite wurden die bestehenden Kapazitäten der IKT-Infrastruktur laufend ausgebaut und optimiert.

Frage 2

Die Bundesverwaltung verfügt über keine zentrale Erhebung zur Anzahl der Mitarbeitenden im Homeoffice. Schätzungsweise arbeiteten aber bis zu 25'000 Mitarbeitende (von insgesamt 38'765 Mitarbeitenden) im Homeoffice. Dabei ist zu beachten, dass bereits vor der Corona-Krise Mitarbeitende der Bundesverwaltung ihre Arbeit teilweise im Homeoffice leisten konnten. Im Übrigen weist die Bundesverwaltung ein sehr breites Spektrum an Berufsprofilen auf, so dass ein namhafter Teil gar nicht im Homeoffice arbeiten kann.

Frage 3

Die Zugriffe werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht nach Personendaten ausgewertet. Daher gibt es nur anonyme Auslastungsstatistiken.

Frage 4

Für viele Mitarbeitende war der abrupte Wechsel zu Homeoffice in einer ersten Phase herausforderungsreich. Zudem musste teilweise auch eine entsprechende Büro-Infrastruktur bereitgestellt werden. In den ersten Wochen gab es Kapazitätsengpässe bei den IKT-Infrastrukturen für Fernzugriffe und Online-Konferenzen; diese konnten aber innerhalb von drei bis vier Wochen behoben werden. Aus zahlreichen Rückmeldungen kann geschlossen werden, dass das Arbeiten im Homeoffice seit April für die Mitarbeitenden ohne wesentliche Probleme funktioniert und sich eingespielt hat.

Frage 5

Die bestehenden Rahmenbedingungen zu "Mobilen Arbeitsformen" werden überprüft und je nach Bedarf angepasst. Homeoffice wird weiterhin als eine von verschiedenen Arbeitsformen in der Bundesverwaltung zum Einsatz kommen. Auch im Rahmen der Umsetzungsmassnahmen der Personalstrategie 2020-2023 wird die Digitalisierung in der Bundesverwaltung vorangetrieben. Die IKT-Infrastruktur des Bundes wurde für den breiten Einsatz von Homeoffice ausgebaut. Die während der Corona-Krise gesammelten Erfahrungen werden sich auch auf die künftigen Unterbringungskonzepte auswirken.

Frage 6

Ein Investitionsbedarf besteht für die Schaffung neuer Standard-Arbeitsplätze. Im Bereich der IKT wurden schon verschiedene Investitionen während der ausserordentlichen Lage getätigt. Schliesslich wird auch in die Unternehmenskultur bzw. die Ausbildung der Mitarbeitenden und Führungskräfte investiert werden müssen.

Frage 7

Das Homeoffice und die mobilen Arbeitsformen sind grundsätzlich wichtige und attraktive Massnahmen, um Fachkräfte für die Arbeit in der Bundesverwaltung zu gewinnen und langfristig an diese zu binden, unabhängig von deren Muttersprache. Falls aber diese Massnahmen die Vertretung der sprachlichen Minderheiten zu steigern vermag, ist dies natürlich ein willkommener Effekt.

Antwort des Bundesrates.