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20.4101 · Interpellation · 2020-09-24

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Was würde mit den 20 Millionen Tonnen an Exkrementen geschehen, die jährlich von Nutztieren erzeugt werden, falls dungverzehrende Insekten und weitere Bodenorganismen verschwänden?

In seiner Antwort auf meine Interpellation 20.3863 hat der Bundesrat nur sehr allgemein geantwortet und namentlich auf Statistiken zur Ausbringung von Hofdüngern in landwirtschaftlichen Kulturen, Wiesen und Weiden zurückgegriffen. Das Ausbringen trägt entscheidend zur Überdüngung der Böden und der Gewässer bei. Es hat einen schädlichen Einfluss auf die Biodiversität, und die im Hofdünger enthaltenen Tierarznei- und Pflanzenschutzmittel bereiten zusätzliche Probleme.

Deshalb bitte ich den Bundesrat, die folgenden Fragen zu beantworten:

1. Müsste der Mist, der in der Schweiz pro Jahr bei Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen, Pferden und beim Geflügel anfällt - geschätzte 20 Millionen Tonnen - in 40-Tönner verladen werden, würde die Kolonne dieser Lastwagen von Bern bis San Francisco reichen (rund 9375 km). Wie würde sich die Lage präsentieren, wenn die Gemeinschaften der dungverzehrenden Insekten und weitere Bodenorganismen verschwänden?

2. Kann diese wichtige "Ökosystem-Dienstleistung" durch das Zutun des Menschen oder von Tieren oder durch technische Unterstützung ersetzt werden? Falls ja: Wie wirksam wäre ein solcher Ersatz? Falls nein: Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus für die Agrarpolitik ziehen?

3. Welche Auswirkungen haben Mittel gegen Parasiten, die dem Vieh verabreicht werden, auf die Gemeinschaften dungverzehrender Insekten und andere Organismen, welche die Bodenfruchtbarkeit gewährleisten?

4. Welchen Einfluss haben Pflanzenschutzmittel auf die genannten Insekten und Organismen?

5. Welche landwirtschaftlichen Praktiken haben einen negativen Einfluss auf die genannten Insekten und Organismen?

6. Wie würde ein zunehmender Verlust an dungverzehrenden Insekten und an anderen Bodenorganismen die Versorgung mit Nahrungsmitteln und die Ernährungssicherheit beeinflussen?

Stellungnahme des Bundesrates

Zu den Fragen 1 und 2: Die Umsetzung von Nährstoffen durch Koprophagen und andere Bodenorganismen ist essentiell für das Pflanzenwachstum und somit für das terrestrische Ökosystem. Es gibt keinen Ersatz zu Bodenorganismen, welcher die Nährstoffumsetzung auf natürliche Weise bewerkstelligen könnte. Technische Entsorgungspfade für Hofdünger wären die Verbrennung mit oder ohne vorgängige Vergärung, oder die Einspeisung in Abwasserreinigungsanlagen mit anschliessender Monoverbrennung der Rückstände, wobei einzelnen Nährstoffe in mineralischer Form zurückgewonnen werden könnten. Dies würde jedoch zu hohen Nährstoffverlusten und Treibhausgasemissionen führen, deren Vermeidung und Absenkung ein wichtiger Bestandteil der Agrarpolitik 22+ ist.

Zu Frage 3: Spezifische Studien zum Einfluss von antiparasitären Mitteln auf koprophage Bodenorganismen in der Schweiz gibt es nicht. Eine internationale Studie von 2017 kam zum Schluss, dass solche Zusätze ein vernachlässigbares Risiko für Pflanzen, Bodenorganismen und Menschen darstellen. In der Schweiz sind nur Futtermittelzusatzstoffe zugelassen, welche von der European Food Safety Authority (EFSA) begutachtet wurden. Die EFSA bewertet beim Zulassungsprozess unter anderem die Auswirkungen der Zusätze auf die Umwelt, wozu auch die Auswirkungen auf die Böden einschliesslich Bodenorganismen gehören.

Zu Frage 4: Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (PSM) kann sich kurzfristig auf die Zusammensetzung und Aktivität der Bodenfauna auswirken. Um mögliche unerwünschte mittel- bis langfristige Auswirkungen auf Nicht-Zielorganismen auszuschliessen, werden diese Effekte bei der Zulassung evaluiert und nur Produkte zugelassen, die keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Bodenorganismen haben.

Zu Frage 5: Landwirtschaftliche Praktiken, welche sich negativ auf Bodenorganismen auswirken können, sind unter anderem eine zu intensive Bodenbearbeitung, ein nicht fachgerechter Einsatz von Pestiziden und eine ausschliesslich mineralische Düngung. Da sich koprophage Organismen hauptsächlich von tierischen Exkrementen ernähren, fehlt durch das Ausbleiben von Hofdüngergaben ein wesentlicher Bestandteil ihrer Nahrungsgrundlage.

Zu Frage 6: Es liegen keine Messdaten aus Langzeitbeobachtungen vor, welche auf eine Abnahme von koprophagen Bodenorganismen hindeuten. Bodenbiologische Messdaten der Nationalen Bodenbeobachtung geben keinen Hinweis, dass sich die Produktionsfunktion von Böden in der Schweiz in eine Richtung verändert, welche sich langfristig negativ auf die Nahrungsmittelproduktion und damit auf die Ernährungssicherheit der Schweiz auswirken würde.

Antwort des Bundesrates.