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21.3723 · Interpellation · 2021-06-15

Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport

Erledigt

Wortlaut

In der Vergangenheit wurde die Armee oft als Schlüssel des gesellschaftlichen Zusammenhalts zwischen den verschiedenen Regionen, den verschiedenen Kulturen und den verschiedenen sozialen Schichten unseres Landes angesehen. Der grosse Bestand der Milizsoldaten - Staatsbürgern in Uniform - ermöglichte einen echten Austausch zwischen ebendiesen Regionen, Kulturen und sozialen Schichten. Mit dem drastischen Rückgang der Anzahl Dienstleistenden, die regelmässig zum Militärdienst aufgeboten werden, wurde dieser Effekt natürlich zunichtegemacht. Dabei war es die Gelegenheit, dass sich Menschen von einem Ende der Schweiz zum anderen, von West bis Ost und von Nord bis Süd, kennenlernen. Praktisch jeder Soldat hatte die Gelegenheit, sich mit einem Staatsbürger aus einer anderen Sprachregion auszutauschen. Das Gefühl, dem gleichen Land anzugehören, ein gemeinsames Schicksal zu teilen, die gleichen Sorgen zu haben, war allgegenwärtig.

Nach verschiedenen Volksbefragungen nimmt das Gefühl einer geteilten Gesellschaft zu, immer häufiger auch das Gefühl einer Trennung zwischen Stadt und Land.

Ausserdem wird häufig bedauert, dass die Kenntnis der anderen Landessprachen abnimmt. Trotz der Bemühungen der Kantone, Programme für den Sprachunterricht zu entwickeln, und trotz der Förderung von Sprachaustauschen muss festgestellt werden, dass die "soziale Mischung" leider fehlt.

Hier kann die Armee einen Beitrag leisten. Sie bleibt eine Milizorganisation, die Schweizerinnen und Schweizer aller geografischen, kulturellen und sozialen Hintergründe zusammenbringt. Heute richtet sich die Truppenorganisation, auch in den Rekrutenschulen, jedoch meist nach der sprachlichen Herkunft der Soldatinnen und Soldaten. Wieso ist dies so und wie soll der Austausch, der für den Zusammenhalt unseres Landes so wichtig ist, gefördert werden?

Der Bundesrat wird gebeten, die folgenden Fragen zu beantworten:

1. Hat die Armee bereits in Betracht gezogen, die Soldatinnen und Soldaten in Bezug auf ihre geografische Herkunft zu mischen, um ein besseres Verständnis der Sprache und der Kultur der anderen zu fördern?

2. Könnte die Armee Sprachkurse in den ersten Wochen der Rekrutenschule anbieten, um für die jungen Rekrutinnen und Rekruten einen Anreiz für einen Sprachaufenthalt während ihrer Grundausbildung zu schaffen? Wenn ja, in welchem Ausmass?

3. Ist es möglich, für die erworbenen Sprachkenntnisse spätestens am Ende der Rekrutenschule ein Zertifikat auszustellen, um die Rekrutinnen und Rekruten zusätzlich zum Sprachenlernen zu motivieren?

Stellungnahme des Bundesrates

Die Annäherung zwischen den Sprachregionen unseres Landes ist nach wie vor ein zentraler Bestandteil der Erfahrungen, die im Militärdienst gemacht werden. Während den Schulen, Wiederholungskursen, Übungen und Verlegungen lernen die jungen Bürgerinnen und Bürger in Uniform die verschiedenen Landesteile kennen und schliessen Freundschaften mit Kameradinnen und Kameraden aus allen Sprachregionen. In der Schweizer Armee wird der Grundsatz "jede und jeder spricht die eigene Sprache und wird von den anderen verstanden" gelebt.

1. Die verschiedenen Schulen sind über das ganze Land verteilt, so werden die Soldatinnen und Soldaten nicht unbedingt in ihrer Herkunftsregion und ihrer Muttersprache ausgebildet. Zudem umfassen die meisten Rekrutenschulen gemischtsprachige (zwei- oder dreisprachige) Kompanien oder Züge. Die Zuteilung einer Funktion erfolgt entsprechend dem persönlichen Leistungsprofil der Rekrutin oder des Rekruten. Nur wenn die für eine Funktion erforderlichen sprachlichen Fähigkeiten nicht ausreichen, kann die Rekrutin oder der Rekrut die Rekrutenschule in einer anderen Funktion in der eigenen Muttersprache besuchen. Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass das bisherige, bewährte Verfahren beibehalten werden sollte.

2. / 3. Während der Rekrutenschule wird bereits jetzt sehr viel Wissen vermittelt, dies ist nur schwer mit der Einführung zusätzlicher Lektionen zur Verbesserung der individuellen Sprachkompetenzen vereinbar. Es ist deswegen kaum möglich, innerhalb der vorgesehenen Dauer der Grundausbildung eine Fremdsprache auf dem für die Armee erforderlichen Niveau zu erlernen. Entsprechend können die im Militärdienst erworbenen Sprachkenntnisse nicht zertifiziert werden.

Die Armee weist aber schon heute die im Dienst erworbenen Sprachkompetenzen von Milizkadern, die eine mehrsprachige Einheit führen, im Bildungs- und Kompetenznachweis aus.

Die Armee ist eine Organisation, wo man sich über die Sprachgrenzen hinweg trifft, austauscht, zusammenarbeitet, wo jede und jeder die Gelegenheit nutzen kann, das eigene Sprachniveau in der Praxis zu verbessern. Nach Abschluss der Schulen und dem Abverdienen können Milizkader, die Sprachkurse belegen oder ihre erworbenen Kenntnisse zertifizieren lassen wollen, ausserdem die von der Armee gewährten Ausbildungsgutschriften in Anspruch nehmen. So wurden in der Zeitspanne zwischen dem ersten Januar 2018 und dem 23. Juni 2021 17 Prozent aller Anfragen für Ausbildungsgutschriften für Sprachkurse eingesetzt.

Antwort des Bundesrates.