21.3839 · Postulat · 2021-06-17
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Abschreibungsantrag liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht vorzulegen über die Ursachen der Stagnation der Anzahl Studierenden in den Bereichen Architektur, Bauwesen und Geomatik an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen und über die Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen.
Begründung
Innerhalb von zehn Jahren hat sich die Anzahl Studierende an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen von 25 000 auf 35 000 erhöht. Das ist erfreulich. In den Bereichen Architektur, Bauwesen und Geomatik sind es aber gleiche viele Studierende wie vor zehn Jahren.
Zurzeit beklagen sich viele Ingenieur- und Bau-Unternehmen über einen Ingenieurmangel in diesen beiden Disziplinen.
Es wäre zu wünschen, dass unsere Hochschulen Ingenieure und Ingenieurinnen ausbilden, die die Industrie braucht.
Eine Informations- und Förderkampagne wäre nötig, um junge Leute für diese Studiengänge und die späteren Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu sensibilisieren.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat teilt die Ansicht des Postulanten, dass es wichtig ist, an den Schweizer Hochschulen Fachkräfte in den genannten Disziplinen auszubilden. Neben den beiden ETH bieten auch die Fachhochschulen und die Università della Svizzera italiana (USI) entsprechende Studiengänge an.
Seit 2012/2013 verzeichnen die ETH eine Stagnation der Studierendenzahlen in den Fachgebieten Architektur sowie "Bauwesen und Geomatik". Diese erfolgt allerdings nach einer Periode mit hohen Zuwachsraten (2000 bis 2012/2013: +66 Prozent in Architektur, +110 Prozent in "Bauwesen und Geomatik"). Nachdem der starke Anstieg an Studierenden insbesondere in Architektur auch logistische und betreuungstechnische Herausforderungen mit sich brachte, ermöglicht die Stabilisierung eine qualitativ hochstehende und verbesserte Betreuung der Studierenden.
In Bezug auf das Fachgebiet "Bauwesen und Geomatik" wurde das Studienprogramm "Geomatik und Planung" der ETH Zürich in "Raumbezogene Ingenieurwissenschaften" umbenannt und die Kommunikation zum Programm gezielt auf die gesellschaftliche Relevanz der Inhalte ausgerichtet.
Das Studienprogramm erfreut sich seither einer steigenden Nachfrage. Die Hochschule prüft zudem, ihren Master in Bauingenieurwissenschaften auf Englisch anzubieten, um mehr Studierende für diese Fachrichtung zu gewinnen und sie optimal auf ihre berufliche Karriere im In- und Ausland vorzubereiten. Der Rückgang bei den Studierenden an der EPFL ist zu einem grossen Teil auf veränderte Zulassungsbedingungen für Inhaberinnen und Inhaber eines französischen Baccalauréat zurückzuführen, wonach die erforderliche Abschlussnote erhöht wurde.
Im Gegensatz zu den ETH sind an den Fachhochschulen im Fachbereich Architektur, Bau- und Planungswesen die Studierendenzahlen weiter gestiegen (+5 Prozent seit 2016/2017). Die Szenarien des Bundesamtes für Statistik lassen bis 2029 ein weiteres Wachstum bei den Erstabschlüssen im Bildungsfeld Architektur und Bauwesen von 5 Prozent für die universitären Hochschulen (ETH und USI) bzw. von 4 Prozent für die Fachhochschulen erwarten.
Die beiden ETH sind sich der Fachkräfteproblematik bewusst und führen ihre Bemühungen fort, Studierende für Fächer aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT-Fächer) zu gewinnen. So investieren sie in Kommunikationsmassnahmen, welche sich an potenzielle Studierende richten. Neben klassischer Informationsbereitstellung auf diversen Kanälen umfassen diese beispielsweise auch Studieninformationstage, thematische Tage wie etwa den Tag der Geomatik, welchen die ETH Zürich zusammen mit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) organisiert, regelmässige Besuche an Gymnasien von Wissenschaftlern und Studierenden, in deren Rahmen sich die Schülerinnen und Schüler aktiv beteiligen können, Schnupperangebote und Workshops insbesondere auch in Architektur, zudem Summer Schools und Studienberatungsforen.
Der Bundesrat hat den ETH-Bereich in den strategischen Zielen 2021-2024 beauftragt, mit geeigneten Massnahmen weiterhin das Interesse von Schülerinnen und Schülern an allen MINT-Fächern zu fördern und in Bezug auf die Entwicklung bei den Studierenden- und Doktorierendenzahlen eine Strategie zu erarbeiten. Angesichts der bereits laufenden Bemühungen sieht er keinen Bedarf für eine vertiefte Prüfung.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.