22.3569 · Postulat · 2022-06-09
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, in einem Bericht aufzuzeigen, wie die Batterien von Elektrofahrzeugen als Lösung für die Energiespeicherung und den Ausgleich des Stromnetzes genutzt werden können, um die allgemeine Stabilität der Stromversorgung zu verbessern und sogar während einem begrenzten Zeitraum das Risiko einer Stromlücke zu begrenzen. Der Bericht soll den Wissensstand und die bisherigen Erfahrungen auf diesem Gebiet in der Schweiz und im Ausland, das Potenzial einer solchen Lösung sowie mögliche technische, finanzielle, gesetzgeberische und mit der Umsetzung verbundene Hindernisse darstellen. Ausserdem sollen Möglichkeiten dargelegt werden, wie diese Hindernisse überwunden werden können.
Begründung
Die zunehmende Elektrifizierung des Fahrzeugbestands bietet neue Möglichkeiten für die flexible Zwischenspeicherung von erneuerbarem Strom sowie für die Entlastung der Stromnetze. Da das Angebot an erneuerbarer Energie begrenzt ist, stellt diese Elektrifizierung jedoch auch eine Herausforderung für die Stromnetze dar, insbesondere wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt die Stromnachfrage sehr hoch ist, zum Beispiel durch den Betrieb von Wärmepumpen und/oder das gleichzeitige Aufladen sehr vieler Elektrofahrzeuge. Die Stabilität unserer Stromversorgung hängt also nicht nur vom Gesamtverbrauch ab, sondern auch von den Spitzenlasten zu einem bestimmten Zeitpunkt.
V2X- und "Smart Charging"-Technologien stellen potenzielle Lösungswege für dieses Problem dar. Elektrofahrzeuge sollten grundsätzlich dann aufgeladen werden, wenn im Netz ausreichend preisgünstiger und CO2-armer Strom zur Verfügung steht. Ausserdem würde V2X es diesen Fahrzeugen ermöglichen, Strom in das Energienetz einzuspeisen, indem sie bei Bedarf einen Teil ihrer Batterie in das Netz entladen, insbesondere zu Zeiten, in denen dies zur Stabilisierung des Netzes beitragen kann. Ab 2030 soll es in der Schweiz mehr als eine Million Elektroautos geben. Das theoretische Potenzial all dieser Fahrzeuge zusammen entspricht für einen begrenzten Zeitraum einer Leistungserbringung, die mit der der Schweizer Kernkraftwerke vergleichbar ist.
Da Privatfahrzeuge zu mehr als 95 Prozent der Zeit parkiert sind, wird es in nicht allzu ferner Zukunft eine echte Chance für diese Art von Massnahmen geben, da es für Autofahrerinnen und Autofahrer am wichtigsten ist, dass ihr Auto bei der Abfahrt ausreichend geladen ist. Diese bidirektionale Ladenutzung von elektrischem Strom erfordert spezielle Ladestationen und kompatible Autos. Viele der auf dem Schweizer Markt vertretenen Marken von Ladestationen und Autos haben kürzlich Modelle angekündigt, die V2X unterstützen oder bald unterstützen werden.
Das Bundesamt für Energie beschäftigt sich bereits seit einigen Jahren mit dieser Thematik und unterstützt verschiedene Forschungsprojekte sowie Pilot- und Demonstrationsprojekte zu diesem Thema, deren erste Ergebnisse ermutigend sind. Ein Beispiel für die Forschungsprojekte befindet sich am Standort des Vereins "Erlenmatt Ost", wo nachgewiesen wurde, dass der Einsatz von V2X positive Auswirkungen auf den Eigenverbrauch und die Reduktion von Spitzenlasten hat. Insbesondere konnte überschüssiger Solarstrom tagsüber in Autobatterien zwischengespeichert und abends wieder in das lokale Netz eingespeist werden.
Der Bericht soll den Wissensstand darstellen und das Potenzial dieser Technologien und ihres Einsatzes klären. Ausserdem sollen darin mögliche Schwierigkeiten auf technischer, finanzieller und gesetzgeberischer Ebene dargelegt werden. So sollten insbesondere die folgenden Fragen angegangen werden: Wie kann das "Smart Charging" gefördert werden? Welche Vor- und Nachteile haben Lösungen mit bidirektionalem Lade- und V2X-Speicher im Vergleich zu stationären Batteriespeichern? Wie hoch sind die Kosten für diese Lösungen und wie können sie finanziert werden? Wie können Fahrzeugbesitzerinnen und -besitzer dazu bewegt werden, sich an diesen Lösungen zu beteiligen? Wie sollen die Ladetarife und die Vergütung für die Rückspeisung des Stroms gestaltet werden? Wie können diese neuen Praktiken in das Stromnetzmanagement integriert werden? Welche Technologien sollten die beteiligten intelligenten Netze bei der Einführung von V2X begleiten? Wird die Lebensdauer der Batterien beeinflusst? Auf welcher Ebene des Verteilungsnetzes hat diese Flexibilität die grösste Zukunft? Welche rechtlichen Aspekte sollten für einen optimalen Einsatz angepasst werden?
Es könnte auch relevant sein zu untersuchen, wie Fahrzeugbatterien in ihrem "zweiten Leben" für vergleichbare Herausforderungen genutzt werden könnten, wenn sie nicht mehr leistungsfähig genug für den Einsatz in Fahrzeugen sind, aber noch eine Speicherkapazität bieten, die für andere Zwecke nützlich sein kann.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.