24.3028 · Interpellation · 2024-02-26
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Die Schweiz verfügt wohl über das weltweit beste Gebärmutterhalskrebs-Screening. Kein anderes Programm hat eine ähnlich niedrige Inzidenz (6,1) oder Mortalität (1,7) (pro 100k Frauen). Der Erfolg beruht auf einer in der Regel jährlichen zytologischen Diagnostik.
In einigen europäischen Ländern wurde ein HPV-Primärscreening eingeführt. Obwohl der HPV-Test sensitiver als der Pap-Test ist, erreicht keines dieser Länder die hiesige Screening-Qualität. Zudem sind dort eine Abnahme der Teilnehmerrate sowie ein Anstieg der Anzahl von Nachfolgeuntersuchungen (z.B. Kolposkopien) zu beobachten. Die Unsicherheit zwischen HPV-Screening und finaler Diagnostik wird oft als psychisch belastend wahrgenommen. Um diese Zeit kurz zu halten, muss die Anzahl an Kolposkopie-Plätzen mit hoher Qualität ausgebaut werden.
Das Schweizer Cancer Screening empfiehlt nun für Frauen zwischen 30 und 70 Jahren den HPV-Test mit einem Intervall von drei Jahren sowie die Kostenübernahme für HPV-Tests.
1. Soll eine Veränderung des Screening-Programms auf einem insgesamt besseren klinischen Outcome beruhen mit ganzheitlicher Betrachtung? Falls nein, warum nicht?
2. Ist zur Kostenabschätzung ein gesundheitsökonomisches Modell nötig, das auch Folgekosten für Abklärungsdiagnostik (mit erheblichen Kosten), organisiertes Screening und spezielle Schweizer Situation berücksichtigt? Falls nein, warum nicht? Die CH würde nicht vom konventionellen Pap-Test, sondern von Dünnschichtzytologie auf HPV-Tests wechseln.
3. Soll man nur dann von einer zu erwartenden Verbesserung der Gesundheitsversorgung sprechen, wenn Modelle nahelegen, dass die Krebsinzidenz weiter abgesenkt wird, ohne viele Frauen durch falsch-positive Ergebnisse psychisch zu belasten und ohne allenfalls potenziell fertilitätsschädigende Untersuchungen durchzuführen? Falls nein, warum nicht?
4. Sollen bei einem Antragsverfahren neben der Arbeitsgemeinschaft für Kolposkopie auch die Gynäkologen und Zytologen ihre Expertise einbringen? Falls nein, warum nicht?
5. Ca. 80% der Krebsfälle treten bei den 20% Frauen auf, die nicht oder selten am Screening teilnehmen. In den Niederlanden zeigte sich, dass ein Umstieg auf primäre HPV Diagnostik mit einer kleineren Teilnahmerate (trotz Möglichkeit der Selbstentnahme) einhergehen kann. Wäre primär eine Steigerung der Teilnehmerrate an aktuellen Programmen sinnvoller? Falls ja: warum? Falls nein: warum nicht?
Begründung
Die Schweiz verfügt wohl über das weltweit beste Gebärmutterhalskrebs-Screening. Kein anderes Programm hat eine ähnlich niedrige Inzidenz (6,1) oder Mortalität (1,7) (pro 100k Frauen). Der Erfolg beruht auf einer in der Regel jährlichen zytologischen Diagnostik.
In einigen europäischer Länder wurde ein HPV-Primärscreening eingeführt. Obwohl der HPV-Test sensitiver als der Pap-Test ist, erreicht keines dieser Länder die hiesige Screening-Qualität. Zudem sind dort eine Abnahme der Teilnehmerrate sowie ein Anstieg der Anzahl von Nachfolgeuntersuchungen (z.B. Kolposkopien) zu beobachten. Die Unsicherheit zwischen HPV-Screening und finaler Diagnostik wird oft als psychisch belastend wahrgenommen. Um diese Zeit kurz zu halten, muss die Anzahl an Kolposkopie-Plätzen mit hoher Qualität ausgebaut werden.
Das Schweizer Cancer Screening empfiehlt nun für Frauen zwischen 30 und 70 Jahren den HPV-Test mit einem Intervall von drei Jahren sowie die Kostenübernahme für HPV-Tests.
Stellungnahme des Bundesrates
1-3 und 5. Die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) übernimmt aktuell die Kosten für die Früherkennung des Gebärmutterhalskrebs mittels Papanicolau-Test (Pap-Test) oder Dünnschicht-Zytologie für die ersten beiden Untersuchungen im Jahresintervall und danach alle drei Jahre (Art. 12e Bst. b Krankenpflege-Leistungsverordnung [KLV]; SR 832.112.31). Der Nachweis des Humanen Papilloma Virus (HPV-Test) zwecks Früherkennung des Gebärmutterhalskrebs ist bisher von der Kostenübernahme explizit ausgeschlossen.Neue Technologien und Evidenzgrundlagen haben grundsätzlich das Ziel, die medizinische Versorgung zu verbessern. Dies ist auch das Ziel bei einer Weiterentwicklung des Screenings auf Gebärmutterhalskrebs. Das Expertengremium Krebsfrüherkennung (Cancer Screening Committee) hat im 2021 nach einer wissenschaftlichen Analyse der international vorhandenen Evidenzgrundlagen die Aufnahme des HPV-Test in die Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses empfohlen. Im Anschluss an die Empfehlung des Expertengremiums Krebsfrüherkennung stellen sich die Fragen der Organisation, Qualitätssicherung sowie der Kostenfolgen eines angepassten Screenings, das einen HPV-Test verwenden würde. Es ist grundsätzlich die Aufgabe der Fachkreise, die Screeningprogramme weiterzuentwickeln und Anträge zur OKP-Kostenübernahme zu stellen. Insbesondere sollte ein allfälliger Antrag konkretisieren, wie das Screening organisiert, welche Art von HPV-Test verwendet und wie dieser im Screening-Ablauf eingesetzt werden soll. Auch Daten bezüglich der Wirksamkeit des angepassten Screenings (beispielsweise Auswirkungen auf die Häufigkeit des Gebärmutterhalskrebs und der Krebsvorstufen) sind zu berücksichtigen. Auch ist es Sache der Antragsstellenden, mit den geeigneten Methoden den Nachweis zu erbringen, dass ein angepasstes Screening das Kriterium der Wirtschaftlichkeit erfüllt. Ebenso ist darzulegen, wie eine angemessene Teilnahmerate erreicht und eine Fehlversorgung vermieden werden können. Anhand eines entsprechenden Antrags einerseits und dem Bericht des Expertengremium Früherkennung anderseits wird die Eidgenössische Kommission für allgemeine Leistungen und Grundsatzfragen (ELGK) ein angepasstes Screening auf die Erfüllung der Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit (WZW) nach dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG; SR 832.10) prüfen und eine Empfehlung an das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) abgeben. Das EDI wird danach den Entscheid hinsichtlich Leistungspflicht durch die OKP fällen. 4. Die Antragsstellung liegt in der Verantwortung der interessierten Kreise. Der Bundesrat geht davon aus, dass sich die verschiedenen Fachgesellschaften gegenseitig austauschen und informieren.