24.3382 · Postulat · 2024-03-15
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, einen Bericht über die Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln in der Luft auf die Umwelt und die Biodiversität vorzulegen. Er prüft, ob es zweckmässig ist, entweder einen Entwurf für einen Erlass der Bundesversammlung vorzulegen oder Massnahmen zu ergreifen. Der Bericht sollte sich auf Herkunft, Auswirkungen und mögliche Massnahmen zur Verringerung ihres Vorkommens konzentrieren.
Begründung
2020 führte EBP im Auftrag des Bundesrates eine Studie über "Plastik in der Schweizer Umwelt" durch [1]. Sie hatte festgestellt, dass Mikro- und Makroplastik potenziell Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier haben können. Es bestünde jedoch noch ein grosser Forschungsbedarf in diesem Bereich.
Das zunehmende Vorkommen von Mikro- und Nanopartikeln aus Kunststoff in unserer Umwelt stellt eine grosse Sorge für die Erhaltung der Biodiversität dar. Während die Auswirkungen von Plastikmüll auf marine Ökosysteme umfassend dokumentiert wurden, sind die Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln, die in der Luft schweben, noch relativ wenig erforscht.
Diese Mikropartikel, die häufig aus der Fragmentierung grösserer Kunststoffe oder aus Quellen wie Kunstfasern stammen, können durch den Wind über große Entfernungen transportiert werden und möglicherweise Regionen kontaminieren, die weit entfernt von direkter menschlicher Aktivität liegen. Eine kürzlich durchgeführte Studie untersuchte die Menge an Nanoplastik, die über die Atmosphäre transportiert wird [2]. Sie kam zu dem Schluss, dass in der Schweiz, selbst in abgelegenen Gebieten wie den Alpen, die Verschmutzung durch Nanoplastik besorgniserregend ist, wobei signifikante Konzentrationen im Oberflächenschnee beobachtet wurden.
Die Schweiz als Hüterin ihrer wertvollen alpinen Umwelt und ihrer einzigartigen Biodiversität muss bei der Bewertung und dem Verständnis dieser aufkommenden Problematik proaktiv sein. Es ist von entscheidender Bedeutung, die Herkunft dieser Mikropartikel, ihre Auswirkungen auf terrestrische und aquatische Ökosysteme sowie mögliche Massnahmen zur Verringerung ihres Vorkommens und zur Abschwächung ihrer Auswirkungen zu bestimmen.
[1] https://www.ebp.ch/de/projekte/plastik-der-schweizer-umwelt
[2] https://www.empa.ch/de/web/s604/nanoplastik-in-den-alpen
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat hat die Problematik von Kunstoffen in der Umwelt bereits umfassend behandelt. In seinem Bericht vom 23. September 2022 in Erfüllung der Postulate Thorens Goumaz (18.3196), Munz (18.3496), Flach (19.3818) und Mitte-Fraktion (19.4355) wurde unter anderem der Wissensstand zu den Auswirkungen von Mikroplastik auf Umwelt und Gesundheit dargelegt. Dabei wurde auf den begrenzten Wissensstand hingewiesen. Untersuchungen über Auswirkungen befassen sich bisher hauptsächlich mit aquatischen Ökosystemen, und es wurde festgestellt, dass es in Schweizer Gewässern keine Hinweise auf eine Gefährdung von Wasserorganismen gibt. Allerdings gelangen viel mehr Kunststoffe in die Schweizer Böden als in die Gewässer und die Luft. Die bisher festgestellten Effekte auf Bodenorganismen wurden unter Laborbedingungen gemessen, da es immer noch schwierig ist, Kunststoffmengen in den Böden zu bestimmen. Inwieweit Auswirkungen unter Umweltbedingungen auftreten, ist bisher noch nicht bekannt. Im Rahmen seines Berichts vom 23. August 2023 in Erfüllung des Postulats Schneider Schüttel (19.3559) hat der Bundesrat den Reifenabrieb als grösste Quelle von Mikroplastik evaluiert und Massnahmen zur Schliessung von Wissenslücken und zur Entschärfung des Problems vorgeschlagen. Um die Auswirkungen auf die Umwelt und die Biodiversität weiter untersuchen und einschätzen zu können, braucht es gute Kenntnisse über die Belastung durch Mikroplastik. Zur Bestimmung der Belastungssituation in der Schweiz werden in Zusammenarbeit mit Agroscope, Eawag und der Empa Methoden zur Charakterisierung und Quantifizierung von Mikroplastik in der Luft, in Fliessgewässern, im Abwasser und im Boden entwickelt. Diese Arbeiten laufen noch bis Anfang 2026. Die Resultate der genannten Forschungsarbeiten gilt es abzuwarten, bevor weitere Untersuchungen eingeleitet werden. Aus diesem Grund erachtet der Bundesrat die Erarbeitung eines zusätzlichen Berichts zurzeit als nicht notwendig.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.