Lexipedia

Umfassende Analyse der Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Berufe, in denen über 75 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz Frauen sind

24.4120 · Postulat · 2024-09-26

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz (KI) auf die sogenannten Frauenberufe in der Schweiz, das heisst Berufe, in denen mehr als 75 Prozent der Beschäftigten Frauen sind, zu prüfen und einen detaillierten Bericht dazu vorzulegen. Der Bericht soll auch konkrete Massnahmen zum Schutz dieser Berufe und zur Unterstützung der Arbeitskräfte angesichts dieses technologischen Wandels vorschlagen. Er soll insbesondere:

  • die in der Schweiz am stärksten gefährdeten Berufe genau identifizieren,
  • die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung, die Arbeitsbedingungen und das Einkommen kurz-, mittel- und langfristig bewerten,
  • untersuchen, welche Kompetenzen für die Anpassung an diesen technologischen Wandel erforderlich sind,
  • gezielte Weiterbildungs- und Umschulungsmassnahmen vorschlagen,
  • Anreizsysteme für Unternehmen und Institutionen prüfen, die mit Blick auf die KI in die Ausbildung und Unterstützung ihrer weiblichen Angestellten investieren.

Begründung

Das Aufkommen der KI verändert den Arbeitsmarkt rasant. Jüngste Beobachtungen legen nahe, dass sogenannte Frauenberufe von der KI-bedingten Automatisierung besonders stark betroffen sein könnten. Dies zeigt beispielsweise die Goldman-Sachs-Studie «The Potentially Large Effects of AI on Economic Growth» von März 2023, in der es heisst, dass in den USA 8 von 10 Frauen (gegenüber 6 von 10 Männern) einen Beruf ausüben, der durch KI ersetzt werden könnte. Derzeit liegen nur sehr wenige umfassende Studien zu diesem speziellen Thema vor, was dieses Postulat umso dringlicher und wichtiger macht. Diese Entwicklung könnte nämlich die bestehenden geschlechtsspezifischen Ungleichheiten auf dem Schweizer Arbeitsmarkt noch verschärfen.

Dieses Postulat zielt darauf ab, die möglicherweise diskriminierenden Auswirkungen der KI frühzeitig zu erkennen und abzuschwächen und gleichzeitig die weiblichen Arbeitskräfte in der Schweiz auf die Risiken und Chancen der digitalen Wirtschaft vorzubereiten. Es steht in Einklang mit den Bemühungen der Schweiz, die Gleichstellung der Geschlechter, eine verantwortungsvolle Innovation und den Schutz der verletzlichen Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Antrag des Bundesrates

Ablehnung

Stellungnahme des Bundesrates

Künstliche Intelligenz (KI) ist als Grundlagentechnologie ein wesentlicher Bestandteil der fortschreitenden Digitalisierung. Die Auswirkungen der Entwicklungen im Bereich der KI auf den Arbeitsmarkt sind in den vergangenen Jahren verstärkt ins Blickfeld geraten. Die KI unterscheidet sich von anderen Automatisierungstechnologien, z.B. industriellen Robotern, dahingehend, dass sie das Spektrum von potenziell automatisierbar erscheinenden Tätigkeiten erweitert. KI-gestützte Anwendungen verfügen damit über das Potenzial, Berufe zu verändern, die von bisherigen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung vergleichsweise wenig betroffen waren.Der Einsatz von KI bringt sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich. Die OECD weist im Employment Outlook 2023 darauf hin, dass die aktuellen und insbesondere die künftigen Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt schwierig abschätzbar sind. Unsicherheiten bestehen auch in Bezug auf unterschiedliche Auswirkungen auf Frauen und Männer. Eine Analyse von Avenir Suisse anhand von Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) kam kürzlich zum Schluss, dass Frauen häufiger als Männer in Berufen tätig sind, die von KI wenig tangiert sein dürften (z.B. personenbezogene Dienstleistungstätigkeiten). Ebenso sind Frauen in Berufen, die von KI potenziell betroffen sind und in denen eine Automatisierung von Tätigkeiten denkbar ist, leicht übervertreten (z.B. Büro- und Sekretariatsberufe). Hingegen sind sie weniger häufig als Männer in Berufen tätig, in denen KI voraussichtlich unterstützend wirkt. Die Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte wird in einer Arbeitswelt mit zunehmender Durchdringung von KI-Anwendungen ein zentraler Erfolgsfaktor bleiben und könnte noch weiter an Bedeutung gewinnen. Diesbezüglich ist die Schweiz gut aufgestellt. Berufe und Tätigkeiten veränderten sich in den vergangenen Jahrzehnten laufend, ohne dass sich daraus negative Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung oder die Qualität der Beschäftigungsverhältnisse ergaben. Der Bericht «Bedürfnisse des Arbeitsmarktes und der Arbeitskräfte – nachhaltige Berufsentwicklung» des Bundesrates vom 8. Dezember 2023 bestätigte die Fähigkeit des Bildungswesens, bedarfsgerechte Bildungsgefässe anzubieten und bei Bedarf zeitnah an Veränderungen anzupassen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) erstellt zuhanden des Bundesrates regelmässig Monitoring-Berichte über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Der nächste Monitoring-Bericht wird voraussichtlich im Jahr 2027 erscheinen. Dieser Bericht wird sich mit den Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt auseinandersetzen und allfälligen Handlungsbedarf evaluieren. Dabei sollen auch Unterschiede nach dem Geschlecht berücksichtigt werden. Der Bundesrat erachtet das Erstellen eines zusätzlichen Berichts aus heutiger Sicht als nicht zielführend.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Umfassende Analyse der Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf Berufe, in denen über 75 Prozent der Beschäftigten in der Schweiz Frauen sind | Lexipedia | Lexipedia