24.4458 · Interpellation · 2024-12-19
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
1999 eröffnete die Schweizerische Post drei neue Paketzentren in Daillens (VD), Härkingen (SO) und Frauenfeld (TG), die mit neuen Bahnanschlüssen ausgerüstet wurden. Damit wurde die Bedeutung eines vielseitigen Transportsystems bewiesen, das auf die Komplementarität von Schienen- und Strassenverkehr setzt.
Mehr als zwanzig Jahre später hat der Paketverkehr weiter zugenommen, insbesondere durch den rasanten Aufschwung des Online-Handels. Die Schweizerische Post hat logischerweise mit dem Bau neuer Sortierzentren begonnen.
Auftragskonform wurden die neuen Sortierzentren in unmittelbarer Nähe von Strassen- und Schienenverkehrsachsen errichtet. Dennoch wird von diesen neuen Zentren kein einziges Paket mehr per Zug ausgeliefert. Der Transport wird nur noch mit LKWs durchgeführt.
Es gibt aber in unmittelbarer Nähe dieser neuen Paketzentren sehr wohl Schienen. Vétroz (VS), Pratteln (BL), Cadenazzo (TI) und Untervaz (GR) sind Beispiele für die Strategie, alles mit LKWs zu transportieren.
Wie konnte es dazu kommen? Entspricht diese Abkehr von der Bahn der Politik des Bundes? Steht sie im Einklang mit der Strategie der Post, insbesondere mit der "Bahnoffensive 2022"?
Oder allgemein gefragt: Ist es logisch, dass der Transport von Briefen und Paketen zwischen Lausanne und dem französischsprachigen Wallis künftig ausschliesslich auf der Strasse erfolgt? Ist es zudem logisch, dass die Bahnzugänge zu den ehemaligen Laderampen der Bahnhöfe von Lausanne, Vevey, Sitten, Siders und anderen Orten endgültig aufgehoben wurden?
Stellungnahme des Bundesrates
Die Post setzt seit 175 Jahren auf den Transport mit der Bahn. Die Bahn ist für grosse Mengen und zeitlich präzise Transporte das richtige Verkehrsmittel. Für kleine Mengen ist der Lastwagen effizienter. Seit 2022 prüft die Post im Rahmen der sogenannten Bahnoffensive laufend, wo Verlagerungen auf die Schiene möglich sind. Sendungen werden auf der Schiene transportiert, sofern das Kundenbedürfnis erfüllt werden kann und sofern es wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll und logistisch machbar ist. Falls ein Bahnanschluss nicht genutzt wird, kann dies verschiedene Gründe haben. Für einen Gleisanschluss braucht es Platz auf dem Gelände, eine anschlussfähige Bahnlinie in der Nähe, ein genügendes Sendungsvolumen und passende Trassen auf dem Schienennetz. In Vétroz werden Pakete vom und ins Wallis sortiert, wobei die Mengen zu klein für einen ganzen Zug sind. Bei Untervaz wäre der Rangieraufwand zu gross, so dass zeitlich kein Schienentransport ab den grossen Zentren machbar wäre. Allerdings werden die Container teilweise ab Untervaz per Lastwagen nach Landquart transportiert und dort auf die Schiene umgeschlagen. Ab Pratteln wiederum werden die Wechselbehälter auf der Strasse nach Härkingen gefahren, wo sie teilweise auf die Bahn zum Weitertransport umgeschlagen werden. Aktuell betreibt die Post neun Standorte mit Schienenanschluss für Pakete (Genf, Daillens, Ostermundigen, Biel, Basel, Härkingen, Cadenazzo, Frauenfeld und St. Gallen) und sieben für Briefe (Genf, Éclépens, Härkingen, Chur, Zürich-Mülligen, Gossau und Viège). Zwischen den grossen Brief- und Paketzentren sowie den grossen Zustellstellen werden Briefe und Pakete auf 84 Bahnverbindungen pro Werktag transportiert. Die Hälfte aller Briefe und Pakete legt heute mindestens eine Teilstrecke auf der Schiene zurück. Gemäss Post wurden 2024 im Vergleich zum Vorjahr über 15 % mehr Sendungen per Bahn transportiert. Gleichzeitig konnten die Strassentransporte zwischen den grossen Standorten um rund 9 % reduziert werden. Bereits 2023 wurden 1.3 Millionen Dieselkilometer auf die Bahn verlagert.