Psychische Gesundheit. Eine Strategie zur Prävention, Erkennung und Orientierung von Menschen in einer psychischen Notlage
24.4566 · Postulat · 2024-12-20
Departement des Innern
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Zweckmässigkeit von Massnahmen zu prüfen und eine Strategie zur Prävention, Erkennung und Hilfe für Menschen in einer psychischen Notlage zu auszuarbeiten, die beispielsweise die Information der Bevölkerung ab dem frühen Kindesalter und die Schaffung von spezialisierten Interventions- und Versorgungsstrukturen umfasst.
Begründung
Die psychische Gesundheit ist heutzutage ein grosses Thema. Laut dem BAG sind 18 Prozent der Bevölkerung von psychischen Störungen betroffen, und 50 Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens einmal an einer Depression. Junge Menschen sind besonders betroffen. 80 Prozent der schweren psychiatrischen Störungen manifestieren sich vor dem 25. Lebensjahr. Soziale Isolation, Krankheit, Verlust eines Angehörigen, Sucht, Diskriminierung oder auch das Umfeld, in dem wir aufwachsen (Krieg, Klimawandel), können die Gründe dafür sein. Einige Gewohnheiten, die während den COVID-Lockdowns aufgekommen sind, haben sich durchgesetzt. Mit der Allgegenwart des Bildschirms reduziert sich der reale Austausch immer mehr. Darunter leiden in einem von Angst geprägten Klima vor allem viele junge Menschen (29 % der Frauen zwischen 15 und 24 leiden unter psychischer Belastung). Selbstmord und Selbstmordversuch können die Folge sein. Psychische Störungen kosten das öffentliche Gesundheitswesen laut dem BAG mehr als 7 Milliarden Franken pro Jahr. Zudem waren bereits zwei Millionen Menschen schon einmal Vertrauensperson einer Person mit einer psychischen Erkrankung.
Die Jugendsession 2024 befasste sich mit der Frage der psychischen Gesundheit. Sie schlägt vor, Jugendlichen unter anderem Kurse zur Erkennung solcher Erkrankungen anzubieten. Entgegen der weit verbreiteten Meinung sagen Fachleute für Suizidprävention, dass Angehörige, das Umfeld, medizinische Fachkräfte und sogar Fremde einen Suizid auch im letzten Moment noch verhindern können. Viele Menschen, die einen Selbstmordversuch überlebt haben, berichten, dass sie nicht sterben wollten, aber hofften, dass jemand auf ihre Notlage aufmerksam wird und eingreift.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, eine Strategie der Prävention und Früherkennung einzuführen, die auf folgenden Grundlagen beruht:
- eine umfassende Information der Bevölkerung zum Thema psychische Gesundheit, Anfälligkeit, aber auch die sehr hohe Widerstandsfähigkeit, und dies schon in der Schule
- eine allgemeine Interventionsstruktur für Jugendliche im Bereich Gesundheit, die eine umfassende Versorgung gewährleistet
- sekundäre oder tertiäre Strukturen der spezialisierten Versorgung.
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat teilt die Ansicht des Postulanten, dass die Bevölkerung für die psychische Gesundheit sensibilisiert werden muss. Insbesondere die Verschlechterung der psychischen Gesundheit bei Mädchen und jungen Frauen, erfordert ein verstärktes gemeinsames Handeln. Ziel ist es, dass die Menschen in ihrer psychischen Gesundheit gestärkt sind und mit belastenden Situationen besser umgehen können. Zur Erreichung dieses Ziels wurden bereits verschiedene Massnahmen umgesetzt oder werden derzeit erarbeitet. Im August 2024 hat der Bundesrat beschlossen, die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD) 2017–2024 und die Nationale Strategie Sucht 2017–2024 zu verlängern, und zwar bis 2028 (www.admin.ch> Medienmitteilungen > Der Bundesrat verlängert die Nationale Strategie Prävention nichtübertragbarer Krankheiten und die Nationale Strategie Sucht bis 2028). Die Stärkung der psychischen Gesundheit ist eine der Prioritäten, die in den angepassten Massnahmenplänen für die Jahre 2025–2028 gesetzt wurden. Damit wird der thematische Zusammenhang zwischen NCD, psychischen Erkrankungen, Sucht, Demenz und Suizid bekräftigt. Die Massnahmenpläne umfassen verschiedene Aktionen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention bei Kindern und Jugendlichen, wie Aktivitäten im schulischen oder ausserschulischen Bereich, kantonale Aktionsprogramme (KAP), die von Gesundheitsförderung Schweiz (GFCH) mit 25 Kantonen umgesetzt werden, sowie Vorkehrungen zur Früherkennung und Frühintervention. Zudem unterstützt GFCH seit 2018 die Kampagnen «Wie geht’s dir?» und «SantéPsy.ch», welche die Bevölkerung sensibilisieren und die psychische Gesundheit fördern sollen. Die beiden Kampagnen unterstützen die im Rahmen der kantonalen Aktionsprogramme durchgeführten Aktivitäten im Bereich der psychischen Gesundheit. Ferner setzt das BAG seit 2016 gemeinsam mit verschiedenen Akteuren den Aktionsplan Suizidprävention um. Dieses Engagement wird, abgestimmt auf die Laufzeit und die Aktivitäten der NCD-Strategie, bis 2028 fortgesetzt. Bis dahin wird zusammen mit den Akteuren in der Gesundheitsförderung und Prävention eine strategische Nachfolgelösung (welche die genannten Themenbereiche umfasst) erarbeitet. Ausserdem enthält die vom Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) betriebene nationale Plattform «Jugend und Medien» (www. jugendundmedien.ch) Informationen und Tipps, um Eltern und Fachpersonen dabei zu helfen, Kinder und Jugendliche bei der kompetenten Nutzung digitaler Medien zu begleiten. Das Thema psychische Gesundheit und digitale Medien wird von der Plattform in den nächsten Jahren vertieft. Überdies werden digitale Kompetenzen in die Lehrpläne aller Schulstufen aufgenommen. Der Unterricht umfasst auch die Sensibilisierung für die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie die Risikoprävention bei der Nutzung digitaler Tools, um einen verantwortungs- und respektvollen Umgang damit zu fördern. Der Bundesrat hat das BAG im Rahmen des Berichtes in Erfüllung der beiden Postulate 21.3234 Hurni «Wie steht es um den psychischen Gesundheitszustand der Schweizerinnen und Schweizer?» und 21.3457 der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrates «Psychische Gesundheit unserer Jugend stärken» beauftragt, in Absprache mit den Kantonen und den betroffenen Akteuren ein institutionalisiertes Austauschgefäss zur Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung insbesondere von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufzubauen. Zudem hat das EDI die Agenda Grundversorgung im November 2024 lanciert (www.bag.admin.ch > Strategie & Politik > Nationale Gesundheitspolitik > Agenda Grundversorgung). Die Agenda hat zum Ziel, dass alle Menschen in der Schweiz weiterhin Zugang zu einer guten Grundversorgung von hoher Qualität haben. Dazu gehört auch die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Die Gesundheitsversorgung – dazu gehört auch die Versorgung von Menschen mit einer psychischen Erkrankung – obliegt primär den Kantonen. Der Bund unterstützt im Rahmen seiner Zuständigkeit und ist dabei bestrebt, die Situation zur psychischen Gesundheit in der Schweiz laufend zu analysieren, die Akteure zu koordinieren und ihnen verschiedene Grundlagen zur Verfügung zu stellen.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.