24.4592 · Postulat · 2024-12-20
Departement des Innern
Überwiesen an den Bundesrat
Wortlaut
Der Bundesrat wird gebeten aufzuzeigen, wie er Kinder und Jugendliche vor übermässigem und schädlichem Konsum von Sozialen Medien schützen kann: Wie stellt er sich zu einem Smartphone-Verbot an Schulen oder zu einem Verbot des Zugangs zu Medienplattformen wie TikTok oder Instagram für unter 16-Jährige?
Begründung
In den letzten Jahren häufen sich die wissenschaftlich basierten Anzeichen, dass das Smartphone nicht nur die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen negativ beeinflusst, sondern auch ihre psychische Gesundheit beeinträchtigt und ihre Konzentrations- und Lernfähigkeit massiv reduziert.
Jonathan Haidt und Jean Twenge haben in ihren Forschungen darauf hingewiesen, dass seit der Einführung von Smartphones die Raten von Depressionen, Angstzuständen und Selbstmordgedanken bei Jugendlichen deutlich angestiegen sind.
Auch Pro Juventute empfiehlt klare Regeln zu Bildschirmzeit und veröffentlicht Empfehlungen. Kürzlich hat die australische Regierung als erstes Land ein Verbot des Zugangs zu Plattformen wie TikTok und Instagram an unter 16-Jährige beschlossen.
In verschiedenen Ländern gibt es zudem an Schulen ein Verbot oder Einschränkungen des Smartphonegebrauchs, zum Beispiel in Italien und in Frankreich schon seit 2018. In den Niederlanden gilt es seit September 2024 für alle Schulstufen. Erste Studien zeigen positive Auswirkungen auf das Lernverhalten und das soziale Miteinander der Schülerinnen und Schüler. In seinem Buch “Digitale Demenz” beschreibt Gehirnforscher Prof. Manfred Spitzer, dass die permanente Verfügbarkeit von Smartphones im Klassenzimmer den Lernerfolg mindert, da sie die Fähigkeit zu fokussiertem Denken und nachhaltigem Lernen beeinträchtigen. Die Verwendung von Social Media und Spielen führt zu Dopaminausschüttungen im Gehirn (dem sog. Belohnungseffekt), unterstützt also suchtgenerierendes Verhallten und fördert Aufmerksamkeitsdefizite durch ständige Anreize zum Multitasking. Dauersurfen führt zu Schlafmangel und Gesundheitsschäden gerade bei Kindern und Jugendlichen in der körperlich-geistigen Entwicklung. Kinder lernen weniger, Konflikte zu lösen oder persönliche Beziehungen aufzubauen,
Aktuell befürworten laut einer vorzeitig teilveröffentlichten Studie des Forschungsinstituts Sotomo vom 15.12. 2024 82% der Schweizer:innen ein Handyverbot an Schulen.
Antrag des Bundesrates
Annahme
Stellungnahme des Bundesrates
Die Frage eines Verbots oder einer Einschränkung der Nutzung sozialer Netzwerke für Kinder unter 16 Jahren wird diskutiert. Die Auswirkungen der Nutzung sozialer Netzwerke auf die psychische Gesundheit junger Menschen sind umstritten. Der Bundesrat ist bereit, die Situation in einem Bericht genauer zu analysieren.
Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.