26.3112 · Interpellation · 2026-03-16
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Auf den öffentlichen Schlachtviehmärkten wird das privatrechtliche Abrechnungsprogramm «Markt-DB» eingesetzt. Das Programm ist auf Unterstützung durch das Login System «CH – Login oder AGOV angewiesen, um auf Daten der Tierverkehrsdatenbank (TVD), welche durch die Identitas AG betrieben wird, zugreifen zu können. Das Login in Agate erfolgt über «CH-login» oder AGOV. Im Jahr 2025 kam es zu vier Totalausfällen der «Markt-DB», weil die Login Systeme nicht funktioniert hat (gemäss Aussagen aus der Branche am 14.01 / 01.04. / 29.07 / 18.12). Bei einem solchen Totalausfall der TVD können die Schlachtviehmärkte nicht oder nur mit manueller Datenerfassung durchgeführt werden. Ausserdem können für die Preisfindung wichtige Daten (Tier Status, Alter des Tieres usw.) nicht abgefragt werden. So entsteht für die Marktteilnehmer und insbesondere den Marktorganisator ein erheblicher Mehraufwand. Zudem können beträchtliche finanzielle Schäden für den Landwirt, den Käufer oder den Marktorganisator entstehen und die Tierrückverfolgbarkeit ist nicht gewährleistet.
Dieser oben beschriebene Fall ist ein Beispiel aus der der Wertschöpfungskette Fleisch, wenn das «CH – Login, respektive «AGOV» bzw. nachfolgend Agate/TVD oder die «Markt DB» nicht wunschgemäss funktionieren. Weitere Themen sind generelle Zugriffe auf die Plattform Agate, E-Transit, das Erstellen der Begleitdokumente, Zollrückerstattungen, Informationen über Tierseuchen usw.
Ich bitte den Bundesrat daher um die Beantwortung der folgenden Fragen:
- Waren die Login System «CH – Login» oder AGOV ausschlaggebend für die oben erwähnten Ausfälle der Applikation «Markt - DB»?
- Welche Bundesstelle ist für den Betrieb des Bundessystems verantwortlich?
- Wie oft war in den Jahren 2024 und 2025 der Zugang zu Agate und nachfolgend zur TVD oder der «Markt - DB» nicht gewährleistet. (Auflistung nach Tagen und Dauer der jeweiligen Störung).
- Was war der Grund für die Ausfälle des Bundessystems?
- Müsste nicht eine Verfügbarkeit von Agate angestrebt werden, dass 4 Ausfälle mit einer Ausfallzahl von z.B. mehr als 10 Min. pro Jahr praktisch ausgeschlossen werden können?
-Welche Verfügbarkeit wird angestrebt?
-Wie vergleicht sie diese mit anderen Anwendungen in der Privatwirtschaft, z.B. dem e-banking?
- Was unternimmt der Bundesrat damit solche Ausfälle in Zukunft minimiert werden?
Stellungnahme des Bundesrates
Frage 1: Die Login Funktionen CH-Login und AGOV waren in keinem der genannten Fälle die Ursache für Störungen der Anwendung «Nationale Marktdatenbank» (Markt DB). Die jeweiligen Unterbrechungen hatten unterschiedliche Hintergründe: Am 14. Januar 2025 trat kein Ausfall der Markt DB auf. Am 1. April 2025 entstanden Probleme im Domain Name System (DNS), von denen die Login Funktionen CH-Login und AGOV ebenfalls betroffen waren. In der Nacht vom 29. auf 30. Juli 2025 löste eine Netzwerkstörung Störungen beim CH LOGIN aus. Am 18. Dezember 2025 lag kein Markt DB Ausfall vor. Frage 2: Der Service eIAM, der u.a. die Login Funktionen CH LOGIN und AGOV bereitstellt, wird von der Bundeskanzlei (BK) verantwortet. Das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) stellt die Entwicklung und den operativen Betrieb sicher. eIAM bildet die zentrale Login Infrastruktur des Bundes und ermöglicht Bürgern sowie Mitarbeitenden den Zugriff auf Bundesanwendungen. Das Fachsystem Agate wird vom ISCeco betrieben.Frage 3 und 4: Im Zeitraum 2024‑2025 traten rund 20 überwiegend kleine Vorfälle auf, die den Zugriff auf Agate über AGOV oder CH‑LOGIN vorübergehend verhinderten. Die Ursachen waren vielfältig und umfassten Applikationsverhalten, Netzwerkunterbrechungen, infrastrukturelle Störungen sowie Datenbank-Ausfälle und DDoS-Attacken. Ein grundsätzliches Fehlverhalten der IAM‑Plattform konnte dabei ausgeschlossen werden. Im Jahr 2026 ist bisher keine Störung aufgetreten.Frage 5 und 6: Die Anwendung «Markt DB» ist der Verfügbarkeitsklasse 3 (VK 3) zugeordnet. Höhere Verfügbarkeitsansprüche würden zusätzliche Redundanz erfordern und damit die Systemkomplexität sowie die Kosten erhöhen. Gegenwärtig laufen Bestrebungen, die Verfügbarkeit der IAM Systeme schrittweise zu steigern, wobei kurzfristig verfügbare Massnahmen genutzt werden, um die Zuverlässigkeit zu verbessern, ohne die Gesamtkosten signifikant zu steigern.Frage 7: Die IAM‑Infrastruktur des Bundes ist ein komplexes System, das in über 1 000 Anwendungen von Bund und Kantonen eingesetzt wird und aktuell über 20 Identitätsanbieter und Login‑Methoden (AGOV, CH‑LOGIN, kantonale Logins) umfasst. Dabei verbindet es verschiedene Datenquellen und Vertrauensstufen. Im Vergleich zu Industrielösungen, etwa im E‑Banking, wo meist ein einziges, klar abgegrenztes System mit einem zentralen Anbieter und einheitlichen Nutzerprofilen zum Einsatz kommt, ist das Bundes‑eIAM strukturell deutlich anspruchsvoller. Es koordiniert mehrere Identitätsanbieter auf verschiedenen Verwaltungsebenen, die jeweils eigene Vorgaben und Sicherheitsbedürfnisse haben. Die Anwendungen reichen von einfachen Informationsportalen bis zu hochsensiblen Fachsystemen, wodurch besonders Datenschutz, Nachvollziehbarkeit und verwaltungsübergreifende Anerkennung von Identitäten ohne zentrale Steuerung im Vordergrund stehen. Es lässt sich feststellen, dass das föderierte eIAM des Bundes nicht weniger sicher ist als die IAM‑Lösungen im E‑Banking. Die Sicherheitsarchitektur entspricht den gleichen («state‑of‑the‑art») Standards (MFA, Verschlüsselung, Audits). Der Unterschied liegt in der Komplexität und in der breiteren Anwendungslandschaft, die eine Föderierung der Identitäten erfordert. Dies erklärt, warum die angestrebte Verfügbarkeit (99,9 %) etwas niedriger liegt als bei typischen reinen Privat‑Bankenanwendungen, die von einem einzigen Anbieter betrieben werden.Frage 8: Ziel ist es, die Verfügbarkeit der IAM Systeme, insbesondere deren Resilienz gegen Störungen und Cyber-Attacken, zu erhöhen. Nachdem im Jahr 2025 einige Ausfälle aufgetreten sind, wurden umfassende Anpassungen vorgenommen und die Ausfallsicherheit wurde erhöht. Zusätzlich sind weiterführende Optimierungen in Netzwerk, Load Balancer und Cluster Infrastruktur vorgesehen, um Unterbrechungen weiter zu reduzieren und AGOV sowie das CH-Login laufend zu verbessern.