Zunahme des Strassengüterverkehrs am Simplonpass. Was gedenkt der Bundesrat zu unternehmen?
26.3339 · Interpellation · 2026-03-19
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Im Gegensatz zu den anderen Transitrouten durch die Alpen ist der Strassengüterverkehr am Simplon seit 2001 nicht zurückgegangen, sondern vielmehr deutlich gestiegen. Laut dem jüngsten Halbjahresbericht des Bundes haben im Jahr 2025 rund 104 000 Lastwagen den Simplonpass überquert (+13,8 % gegenüber 2024 und +37 % gegenüber 2001). Das ist ein neuer Rekord. Es handelt sich dabei grösstenteils um Transitverkehr, obwohl die Bundesverfassung (Art. 84 Abs. 2) vorschreibt, dass der alpenquerende Gütertransitverkehr auf der Schiene abgewickelt werden muss.
Die Lage am Simplon ist besonders problematisch, da ein Grossteil des Verkehrs über den Pass führt und es sich um den einzigen Alpenübergang handelt, über den auch Gefahrgut transportiert wird. Gleichzeitig ist ein massiver Rückgang des Schienengüterverkehrs auf der Lötschberg-Simplon-Achse zu verzeichnen (–33 % gegenüber dem Vorjahr). Mit der Abschaffung der rollenden Landstrasse, die hauptsächlich auf dieser Achse verkehrte, droht nun eine erneute Verlagerung auf die Strasse.
Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
Ist sich der Bundesrat bewusst, dass die Zunahme des Schwerverkehrs am Simplon besonders problematisch ist, da ein Grossteil der Fahrten über den kurvenreichen Pass führt, was die Bevölkerung, die Umwelt und die Sicherheit stärker belastet als auf anderen Transitachsen?
Wie erklärt der Bundesrat, dass die Zahl der alpenquerenden Lastwagenfahrten über den Simplon seit dem Jahr 2000 stark zugenommen hat? Und wie stellt er sicher, dass der in Artikel 84 der Bundesverfassung verankerte Verlagerungsauftrag auch auf der Lötschberg-Simplon-Achse konsequent umgesetzt wird?
Aus dem Halbjahresbericht geht hervor, dass die Bahn auf der Simplon-Achse zunehmend zugunsten alternativer Routen vernachlässigt wird. Inwieweit führt dies zu einer Verlagerung auf die Strasse? Und wie bewertet der Bundesrat diese Entwicklung unter verkehrspolitischen Gesichtspunkten und im Hinblick auf die Verkehrsverlagerung?
Wie stellt der Bundesrat sicher, dass der Güterverkehr, der aufgrund umfangreicher Sanierungsarbeiten an der Simplon-Bahnstrecke vorübergehend auf die Strasse verlagert wurde, nach Abschluss der Arbeiten wieder dauerhaft auf die Schiene verlagert wird?
Stellungnahme des Bundesrates
1. Der Bund ist sich der besonderen sicherheitstechnischen Anforderungen der Simplon-Passstrasse bewusst. Er investiert jährlich in den Ausbau der Sicherheit sowie in den Unterhalt der Passstrasse, so in den letzten fünf Jahren (2021 bis 2025) rund 20 Millionen Franken pro Jahr. Ergänzend wurden beidseits des Simplonpasses in den vergangenen Jahren zwei Schwerverkehrskontrollplätze in Gondo und in Brig in Betrieb genommen.In Zusammenarbeit mit dem Kanton Wallis hat das Bundesamt für Strassen 2025 am Simplonpass Messkampagnen zur Erfassung der Gefahrguttransporte durchgeführt und dabei festgestellt, dass die Anzahl der Gefahrguttransporte trotz des gestiegenen Verkehrsaufkommens stabil bleibt. 2. Anders als bei anderen Alpenübergängen ist die Entwicklung der Fahrtenzahl schwerer Güterfahrzeuge über den Simplonpass deutlich volatiler; unter anderem, da die Strecke insbesondere im Winterhalbjahr über mehrere Tage gesperrt werden muss – wie etwa in den Jahren 2024 und 2025. Zudem übernimmt die Simplon-Passstrasse eine komplementäre Funktion zum Grossen St. Bernhard sowie teilweise auch zur Mont-Blanc-Strecke. Dies betrifft insbesondere Verkehre mit Quelle oder Ziel in den Kantonen Genf und Teilen der Waadt, welche bei Sperrungen oder Behinderungen dieser Pässe auf den Simplon ausweichen.
Die Simplon-Passstrasse dient – anders als die Lötschberg-Simplon-Achse auf der Schiene – stärker dem Güteraustausch zwischen der Grossregion Genfersee bzw. dem Schweizer Mittelland und Norditalien. In der Grossregion Genfersee ist die Wirtschaft seit 2001 im gesamtschweizerischen Vergleich überdurchschnittlich stark gewachsen (+33 %), was sich auch in einer Zunahme des Warenaustauschs und somit der Lastwagenfahrten niederschlägt. Zudem verlässt ein signifikanter Anteil der Fahrzeuge, die den Simplon passieren, die Schweiz in Richtung Frankreich. Hinzu kommt, dass in der Genferseeregion leistungsfähige Umschlagsanlagen fehlen. Für beide Relationen bestehen somit keine leistungsfähigen Alternativen auf der Schiene. Die Verlagerung dieser Verkehre auf die Schiene – wie in der Bundesverfassung in Artikel 84 (Alpenschutzartikel) vorgesehen – ist entsprechend anspruchsvoll. 3./4. Der Lötschberg-Simplon-Achse als Teil der Neuen Eisenbahn-Alpentransversale kommt für den grossräumigen Güteraustausch zwischen den Benelux-Staaten und Norditalien eine international bedeutende Rolle zu.
Aktuell ist die Simplon-Achse von einer Vielzahl an Baustellen und Voll- oder Teilsperrungen von Bahnstrecken betroffen. Die für 2028 vorgesehene halbjährige Sperrung der Simplon-Achse bei Varzo ist durch einen zeitlich nicht mehr aufschiebbaren Neubau einer Brücke der Simplonlinie bedingt. Neben diesem regelmässigen Substanzerhalt ermöglichen die Bautätigkeiten zwischen Domodossola und Mailand die Erreichbarkeit wichtiger Umschlagsanlagen im Raum Mailand für grossprofilige Ladeeinheiten des kombinierten Verkehrs via die Lötschberg-Simplon-Achse. Diese Arbeiten schaffen also die Voraussetzungen für eine noch leistungsfähigere Lötschberg-Simplon-Achse und sind im Sinne eines wettbewerbsfähigen Güterverkehrs. Unabhängig davon setzt sich der Bund in bilateralen und internationalen Gremien dafür ein, dass die Bauarbeiten die operativen Bedürfnisse des Schienengüterverkehrs so wenig wie möglich beeinträchtigen.
Mit der Gotthard-Achse steht während der Totalsperrung für den Schienengüterverkehr eine sehr leistungsfähige Achse zur Verfügung, die über den Luino-Ast auch den Raum westlich von Mailand anbindet. Für die allermeisten Güterzüge sollte auf diesem Weg eine Umleitung möglich sein.