Totale Faktorproduktivität als ergänzende Wirtschaftskennzahl etablieren
26.3343 · Motion · 2026-03-19
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt, die Entwicklung der totalen Faktorproduktivität (TFP) der Schweiz jährlich systematisch zu erheben, auszuweisen und in die wirtschaftspolitische Berichterstattung des Bundes zu integrieren.
Insbesondere soll:
die TFP als eigenständige Kennzahl neben dem BIP-Wachstum in den wirtschaftspolitischen Berichten des Bundes ausgewiesen werden;
die Entwicklung der TFP pro Kopf und pro Arbeitsstunde dargestellt werden;
die wesentlichen Treiber und Hemmnisse der TFP-Entwicklung erläutert werden;
aufgezeigt werden, wie bestehende wirtschafts-, bildungs-, innovations- und regulierungspolitische Massnahmen zur positiven Entwicklung der TFP beitragen.
Begründung
Die wirtschaftspolitische Debatte in der Schweiz fokussiert sich nach wie vor stark auf das Bruttoinlandprodukt (BIP). Dieses misst jedoch primär das mengenmässige Wachstum einer Volkswirtschaft, sagt aber wenig über die Qualität, Nachhaltigkeit und Effizienz dieses Wachstums aus.
Gerade für eine hochentwickelte, flächen- und ressourcenbegrenzte Volkswirtschaft wie die Schweiz ist nicht das Wachstum über zusätzliche Arbeitskräfte oder Kapital entscheidend, sondern die Fähigkeit, mit bestehenden Ressourcen mehr Wertschöpfung zu erzielen. Die totale Faktorproduktivität (TFP) misst genau diesen Aspekt: den Beitrag von Innovation, technologischem Fortschritt, Organisation, Bildung, Digitalisierung und institutioneller Qualität zum wirtschaftlichen Wachstum.
Eine stärkere Berücksichtigung der TFP erlaubt:
eine differenziertere Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Schweiz;
eine bessere Einordnung von Wachstum im Verhältnis zu Bevölkerungsentwicklung, Flächennutzung und Infrastrukturbelastung;
eine wirtschaftspolitische Diskussion, die stärker auf Effizienz, Innovation und Qualität statt auf reines Mengenwachstum ausgerichtet ist.
Der Bundesrat verfügt bereits heute über umfangreiche statistische Grundlagen (u. a. BFS, SECO), um die TFP zu berechnen und zu analysieren. Die Motion verlangt keine neuen Zielvorgaben, sondern eine systematische, transparente und regelmässige Berichterstattung als Grundlage für evidenzbasierte wirtschaftspolitische Entscheidungen.
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass die Produktivitätsentwicklung für den Wohlstand der Schweiz zentral ist. Die von der Motion verlangte zusätzliche Berichterstattung ist jedoch nicht erforderlich. Die Entwicklung der Produktivität wird bereits heute regelmässig ausgewiesen und analysiert. Das Bundesamt für Statistik publiziert die Arbeitsproduktivität sowie die Multifaktorproduktivität. Der Bundesrat behandelt Fragen der Produktivität zudem in seinen Berichten zur Wachstumspolitik und im Lagebericht zur Schweizer Volkswirtschaft, in denen Produktivitätsentwicklung, strukturelle Treiber und wirtschaftspolitische Handlungsfelder dargestellt werden. Eine zusätzliche Pflicht, die TFP als eigenständige Kennzahl systematisch in die wirtschaftspolitische Berichterstattung des Bundes zu integrieren, würde daher vor allem zu Doppelspurigkeiten führen, ohne einen wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zu schaffen. Hinzu kommt, dass die TFP methodisch anspruchsvoll ist und als Residualgrösse stark von Annahmen zur Messung von Kapital- und Arbeitseinsatz abhängt. Auch die in der Motion verlangte Darstellung der TFP pro Kopf und pro Arbeitsstunde entspricht nicht der in der internationalen Statistik und der volkswirtschaftlichen Fachliteratur üblichen Abgrenzung. Der Bundesrat erachtet es deshalb als zweckmässig, die bestehende, bedarfsorientierte Berichterstattung beizubehalten.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.