26.3600 · Interpellation · 2026-06-10
Departement des Innern
Eingereicht
Wortlaut
Die amyotrophe Lateralsklerose (ALS), auch Charcot-Krankheit genannt, ist eine seltene, schwere und meist tödlich verlaufende neurodegenerative Erkrankung. In etwa 90 Prozent der Fälle lässt sich keine genetische Ursache feststellen, was auf eine mögliche Rolle von Umweltfaktoren hindeutet.
In der Schweiz leben schätzungsweise 500 bis 700 Menschen mit ALS und jedes Jahr treten 100 bis 150 neue Fälle auf. Diese mit den internationalen Zahlen übereinstimmenden Daten basieren jedoch auf Schätzungen und lassen keine Rückschlüsse auf mögliche regionale Unterschiede zu. Bislang gibt es kein umfassendes nationales Register, das eine feinmaschige epidemiologische Überwachung ermöglicht.
Jüngste Untersuchungen in Frankreich haben jedoch Gebiete mit einer erhöhten Inzidenz und einer Übersterblichkeit bei Motoneuron-Krankheiten (MND) aufgezeigt, wobei mehrere geografische Cluster identifiziert wurden.
Zudem werden in der internationalen Literatur SLA-Cluster auch in den Vereinigten Staaten, Kanada, Italien, Chile, Japan und im westlichen Pazifikraum beschrieben. Aus diesem Grund sollte untersucht werden, ob ähnliche Phänomene in der Schweiz auftreten, und es sollten epidemiologische Instrumente zur Verfügung stehen, mit denen SLA-Cluster erkannt werden können.
Diese Beobachtungen werfen Fragen hinsichtlich der Ursachen einer solchen Verteilung auf, insbesondere was die Exposition gegenüber Umwelt- oder Arbeitsplatzrisiken betrifft (Pestizide, Schwermetalle, Umweltverschmutzung durch die Industrie, Arbeitsplatzbelastungen in der Landwirtschaft oder beim Militär).
Auf internationaler Ebene stützt sich die Identifizierung dieser Cluster auf strukturierte Bevölkerungsregister, die unerlässlich sind, um mögliche Häufungen zu erkennen, deren Ursachen zu analysieren und Präventionsmassnahmen zu steuern.
Ich bitte deshalb den Bundesrat, folgende Fragen zu beantworten:
Wie hoch ist aktuell die Inzidenz von ALS in der Schweiz und wie entwickelt sie sich?
Verfügt der Bundesrat über Daten, die auf eine ungleichmässige geografische Verteilung der Fälle hindeuten?
Wurden in der Schweiz Cluster oder Fallhäufungen gemeldet oder untersucht?
Beabsichtigt der Bundesrat, ein strukturiertes nationales MND-Register einzuführen?
Gibt es geplante oder laufende Studien zur Rolle von Umweltfaktoren oder arbeitsbezogenen Faktoren?
Ist eine internationale Zusammenarbeit geplant, um dieses Phänomen besser zu verstehen und die Daten zu harmonisieren?