I 149-2023 Pichard (Biel, GLP) Aktuelle Klassengrössen im BBZ-Biel. Antwort des Regierungsrates
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Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates
Vorstoss-Nr.: 149-2023 Vorstossart: Interpellation Richtlinienmotion: ☐ Geschäftsnummer: 2023.RRGR.199
Eingereicht am: 15.06.2023
Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Eingereicht von: Pichard (Biel/Bienne, GLP) (Sprecher/in)
Weitere Unterschriften: 0
Dringlichkeit verlangt: Nein Dringlichkeit gewährt:
RRB-Nr.: 1281/2023 vom 22. November 2023 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Aktuelle Klassengrössen im BBZ-Biel
Gemäss mir zur Verfügung stehenden Zahlen für die Klassen der deutschsprachigen Mikrome- chaniker und Mikrozeichner beträgt die Klassengrösse im ersten Lehrjahr fünf Schülerinnen und Schüler, davon vier Mikromechaniker und ein Mikrozeichner der TFS (Technische Fachschule des BBZ Biel), im zweiten Lehrjahr drei Schülerinnen und Schüler, davon ein Mikromechaniker und eine Mikrozeichnerin der TFS und ein Mikrozeichner der ETA Grenchen, im dritten Lehrjahr drei Schülerinnen und Schüler, davon ein Mikromechaniker und eine Mikrozeichnerin sowie ein Mikrozeichner der TFS, sowie im vierten Lehrjahr drei Schülerinnen und Schüler, davon Mikro- mechaniker und zwei Mikrozeichnerinnen. In so kleinen Klassen kann keine Lerndynamik entstehen. Und überdies sind solche Klassen an- gesichts der gegenwärtigen Schulsituation kaum vermittelbar, da viel zu teuer. Ausserdem stellt sich die Frage, ob dieser Beruf überhaupt marktfähig ist.
Der Regierungsrat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
Erwägungen
1. Kann die BKD bzw. das MBA diese Zahlen bestätigen?
2. Wer ist zuständig für die Bewilligung solcher Klassenbestände am BBZ-Biel?
3. Wusste die zuständige Behörde über diese tiefen Klassenbestände Bescheid?
4. Wie erklärt sich die BKD diese tiefen Klassenbestände, die einem Privatunterricht gleich- kommen? Und vor allem: Sind diese in der allgemeinen Finanzknappheit überhaupt trag- bar, wenn an der Volksschule Klassen mit 26 Schülerinnen und Schülern geführt werden?
5. Gibt es überhaupt noch Lernende in diesem Beruf? Und gäbe es eventuell die Möglichkeit einer Zusammenlegung?
Antwort des Regierungsrates
Die Berufe Mikromechaniker/in EFZ und Mikrozeichner/in EFZ sind in der französischsprachi- gen Schweiz gefragt, während in der deutschsprachigen Schweiz in der betrieblich organisier- ten Grundbildung keine Mikromechaniker/innen EFZ ausgebildet werden und nur ein einziger Betrieb der Uhrenbranche alle zwei Jahre zwei Lehrstellen für Mikrozeichner/innen EFZ anbie- tet. Dieser Betrieb hat seinen Sitz im Kanton Bern. Für die deutschsprachige Beschulung dieser Lernenden hat die Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz das BBZ Biel Bienne als einzigen Schulort in der Schweiz bestimmt.
Auch wenn ein Beruf nur in einem Sprachgebiet verankert ist, müssen die Bildungsverordnun- gen und Bildungspläne immer in allen drei Amtssprachen veröffentlicht werden. Dementspre- chend können auch in allen drei Amtssprachen Lehrverträge zu einem Lehrberuf abgeschlossen werden, sofern die jeweilige Sprache im jeweiligen Kanton auch Amtssprache ist. Sobald ein Ausbildungsvertrag vorliegt, muss eine Beschulung erfolgen.
1. Kann die BKD bzw. das MBA diese Zahlen bestätigen? Die Zahlen sind korrekt.
2. Wer ist zuständig für die Bewilligung solcher Klassenbestände am BBZ-Biel? Gemäss Artikel 13 der Direktionsverordnung über die Berufsbildung, die Weiterbildung und die Berufsberatung (BerDV) entscheidet bei weniger als 10 Lernenden pro Klasse das Mittelschul- und Berufsbildungsamtes der Bildungs- und Kulturdirektion über eine Ausnahmebewilligung und legt mit der Schule die Modalitäten fest, wie z. B. die Kürzung der Unterrichtslektionen oder die Erhöhung des Pflichtpensums der Lehrpersonen (LADV Art. 15).
3. Wusste die zuständige Behörde über diese tiefen Klassenbestände Bescheid? Ja.
4. Wie erklärt sich die BKD diese tiefen Klassenbestände, die einem Privatunterricht gleich- kommen? Und vor allem: Sind diese in der allgemeinen Finanzknappheit überhaupt trag- bar, wenn an der Volksschule Klassen mit 26 Schülerinnen und Schülern geführt wer- den? Die Bildungsverordnungen werden im Berufsbildungssystem der Schweiz vom Bund erlassen, die Kantone müssen diese umsetzen. Rund 30 der 250 Ausbildungsberufe sind Kleinstberufe, mit jeweils nur einer Klasse pro Lehrjahr. Die im Kanton Bern beschulten Kleinstberufe verursa- chen Lohnkosten von rund 1,7 Millionen Franken, was etwa 0,4 Prozent des Saldos der berufli- chen Grundbildung (380 Millionen Franken) entspricht. Für die Beschulung von Kleinstberufen wird auf schweizerischer Ebene jeweils ein Kanton bestimmt. Im vorliegenden Fall der Mikrome- chaniker/in EFZ handelt es sich um den Kanton Bern. Durch die Verteilung der Kleinstberufe unter den Kantonen trägt der bevölkerungsreiche Kanton Bern dazu bei, stark spezialisierte Be- rufe wie Mikromechaniker/in EFZ und traditionsreiche Handwerksberufe, wie Holzbildhauer/in EFZ oder Orgelbauer/in EFZ im schweizerischen Berufsbildungssystem zu ermöglichen und zu erhalten. Im Gegenzug profitiert der Kanton Bern von der Verteilung, indem er ebenfalls Ler- nende anderen Kantonen zuweisen kann und nicht alle Kleinstberufe selber anbieten muss.
5. Gibt es überhaupt noch Lernende in diesem Beruf? Und gäbe es eventuell die Möglich- keit einer Zusammenlegung?
Die Anzahl der Lehrverträge in diesen Berufen hat sich in den letzten Jahren auf tiefem Niveau eingependelt. Gemeinsam mit den Organisationen der Arbeitswelt (OdA’s) wird unter Berück- sichtigung der Interessen der Lernenden und der regionalen Industrie nach vertretbaren Lösun- gen der Beschulung in berufsgemischten Klassen gesucht. Dabei ist der Ausbildungserfolg der Lernenden zu sichern und die Einhaltung der Bundesvorgaben der Bildungsverordnung zu ge- währleisten.
Während längerer Zeit wurde der Beruf Mikromechaniker/in EFZ am BBZ CFP Biel-Bienne in der Technischen Fachschule, teilweise zusammen mit dem Beruf Polymechaniker/in EFZ unter- richtet. Aufgrund der letzten Aktualisierungen der Bildungsverordnungen dieser Berufe lässt sich eine gemeinsame Beschulung jedoch inhaltlich kaum mehr verantworten. Deshalb wird nach neuen Möglichkeiten gesucht, um die Lernenden zusammenzufassen. Es wird zurzeit ge- prüft, inwiefern kombinierte Klassen mit gemeinsamer Beschulung im 1. und 2. Lehrjahr resp. im 3. und 4. Lehrjahr zu einer Optimierung der Situation führen kann.
Die kleinen Lerngruppen an der TFS Biel für die Kleinstberufe beziehen sich nur auf den schuli- schen Teil der Ausbildung an der Lehrwerkstätte und davon nur auf den Betriebskundeunter- richt (durchschnittlich 7 Jahreslektionen je Schuljahr, d. h. rund 40 000 Franken je Klasse pro Jahr). Für ausserkantonale Lernende bezahlen Kantone einen Jahresbeitrag von rund 7500 Franken pro Jahr und Lernende/m. Am BBZ CFP Biel-Bienne wie an anderen Berufsfachschu- len mit Kleinstberufen werden die Lernenden im Allgemeinbildenden Unterricht (ABU) und im Sport zusammen mit Lernenden anderer Berufe unterrichtet.
Verteiler ‒ Grosser Rat